Der Jahresrückblick 2011: Was uns das Jahr 2011 beschert hat…

In etwas mehr als acht Stunden ist es Geschichte – das Jahr 2011. Höchste Eisenbahn, mal einen Blick auf die vergangenen 365 Tage zu werfen. Die Menschheit musste viel ertragen, von Naturkatastrophen über menschliche Katastrophen bis hin zu sportlichen Tief- und Höhepunkten, wobei letztere glücklicherweise wie Balsam auf die geschundenen Seelen der Weltbevölkerung wirkten. Aber sehen Sie selbst, ich habe ein paar erwähnenswerte Ereignisse zusammengefasst…

Weltweites Umdenken nach Fukushima
Am 11. März 2011 erschütterte ein schweres Erdbeben mit folgendem Tsunami die Region Fukushima auf der japanischen Hauptinsel Honshu, nördlich Tokios gelegen. Rund 20’000 Menschen verloren ihr Leben, doch eine weitere Konsequenz der Katastrophe brachte in der Welt ein Umdenken mit sich: Durch das Beben und den Tsunami wurden Reaktoren mehrere Kernkraftwerke beschädigt, wobei sich auch Kernschmelzen ereigneten und Radioaktivität in die Luft freigesetzt wurden. Der Vorfall war in etwa mit demjenigen im sowjetischen AKW Tschernobyl in der heutigen Ukraine von 1986 zu vergleichen. Die Proteste gegen Atomkraftwerke nahmen zu, Staaten wie Deutschland und die Schweiz, die bis vor kurzem noch vehement an der Nuklearenergie festhielten und Laufzeiten verlängerten beziehungsweise neue Kraftwerke planten, leiteten eine Kehrtwende in der Energiepolitik ein und beschlossen einen vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie in einem Zeithorizont von etwa 10 bis 20 Jahren. Andere Länder, wie beispielsweise Frankreich, halten trotz Sicherheitsbedenken und Unfällen in eigenen Anlagen an dieser Energieform fest.

Euronews-Beitrag zum Ausstieg der Schweiz aus der Atomenergie

Weitere Erdbeben sorgten unter anderem in der Osttürkei und in Neuseeland für Opfer und Schäden.

Wenn das Wasser kommt…
Das Wasser ist Lebenselixier des Menschen, doch in immensen Mengen auch eine grosse Gefahr. Das mussten dieses Jahr unter anderem Menschen in Italien, Frankreich, der Schweiz und Australien an der eigenen Haut erfahren. Auch der Monsun sorgte in Thailand und auf der philippinischen Insel Mindanao für katastrophale Verhältnisse, was hunderten Menschen das Leben kostete. In Italien, vor allem in der Region rund um Genua in Ligurien sorgte ein Tief für starke Regenfälle, was dutzenden Menschen das Leben kostete, vor allem, weil bei Sicherheitsmassnahmen massiv gepfuscht wurde. In der Schweiz kam es zu Beginn der zweiten Oktoberwoche zu Unwettern, nachdem eine anhaltende Trockenperiode zu Ende gegangen war. Besonders betroffen war das Kandertal im Berner Oberland und das Lötschental im Wallis.
Schweiz aktuell vom 10.10.2011
Beitrag von Schweiz Aktuell des Schweizer Fernsehens am 10. Oktober 2011
Tagesschau vom 17.12.2011
Tagesschau-Beitrag zum Taifun mit Sturzflut auf Mindanao
Tagesschau vom 26.10.2011
Die Tagesschau des SF zu den Unwettern in Liguren

Tragisch war auch die Hungersnot im Horn von Afrika im Sommer, wobei vor allem Somalia auch wegen der innenpolitischen Krise betroffen war.

Wenige Flugzeugunglücke
In diesem Jahr war die Aviatik mit wenigen Ausnahmen von Flugzeugunglücken verschont geblieben. Das schlimmste Unglück war dasjenige des Iran-Air-Flugs 277, bei dem eine Boeing 727 im Nordwesten des Irans abstürzte. 77 Menschen kamen ums Leben. Die weltweit höchste Aufmerksamkeit erregte aber der Absturz einer Jakowlew Jak-42, die kurz nach dem Start im russischen Jaroslawl aufgrund eines betrunkenen Piloten eine Antenne streifte und abstürzte. Das Unglück forderte 44 Todesopfer, ein Bordingenieur überlebte mit schweren Verletzungen. An Bord der Unglücksmaschine war fast das gesamte Team des KHL-Eishockeyclubs Lokomotive Jaroslawl inklusive Betreuerstab. Obwohl die Mannschaft fast das gesamte Kader verlor, wird sie ihren Spielbetrieb in der KHL voraussichtlich zur Saison 2012/2013 wieder aufnehmen, zur Zeit agiert sie in der zweithöchsten Spielklasse Russlands.
Für Aufsehen in der Luftfahrtbranche sorgten zudem zwei portugiesische Taucher, welche vor der Küste Madeiras das Wrack einer 1977 abgestürzten Maschine der ehemaligen Schweizer Fluggesellschaft SATA entdeckten.
Drei nennenswerte Zugunglücke ereigneten sich im Jahre 2011: In Hordorf (Sachsen-Anhalt) kollidierte ein Regionaltriebwagen mit einem Güterzug, der ein Haltesignal überfahren hatte, wobei 10 Menschen ihr Leben verloren. Die Strecke war nicht mit Sicherheitsmassnahmen (automatische Schnellbremse nach Signalüberfahrung) ausgerüstet. Im chinesischen Shuangyu prallten zwei Hochgeschwindigkeitszüge ineinander, nachdem der vordere wegen eines Blitzeinschlags stehengeblieben war. Hier waren 43 Todesopfer zu beklagen. Der schwerste Eisenbahnunfall des Jahres geschah in Indien, als ein Fernreisezug aus ungeklärten Gründen entgleiste und 67 Menschen das Leben kostete.
Im Vergleich dazu hatte die Zugskollision Anfang Oktober in Olten eher geringe Auswirkungen, zwar blieb die wichtige Achse Aarau/Olten-Basel für einige Zeit unterbrochen, bei der Flankenfahrt waren „nur“ zwei Verletzte zu beklagen.
Tagesschau vom 06.10.2011
Ein weiteres Zugunglück ereignete sich Anfang August in Döttingen/AG, als eine S-Bahn mit einer Güterzugslokomotive kollidierte, weil ein Haltesignal überfahren wurde. Wenige Tage zuvor kam ein Gleisarbeiter bei Immensee/SZ ums Leben, als er bei einem Arbeitsunfall von einer Gleisbaumaschine erdrückt wurde.
Folgend der Bericht von Schweiz aktuell zur Zugskollision von Döttingen.
Schweiz aktuell vom 08.08.2011

Von abschreibenden Ministern und notgeilen Staatsmännern
In der deutschsprachigen Politik gab vor allem die Plagiatsaffäre um den damaligen deutschen Verteidigungsminister Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, kurz Karl-Theodor zu Guttenberg, zu reden. Satte 94 Prozent seiner Dissertation wurden 1:1 von anderen Werken übernommen, freilich ohne Quellenangaben. Nebst Zeitungen wie der NZZ bediente sich zu Guttenberg unter anderem auch an Textpassagen eines Reiseführers über Wildniswanderungen in Alaska und Kanada. Obwohl zu Guttenberg das Abschreiben stets leugnete, trat er Anfang März von seinem Amt zurück. Die davor andauernde Debatte im deutschen Bundestag war von heftigen Wortgefechten gefärbt, so forderte Ex-Umweltsminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grüne) Angela Merkel zur Entlassung zu Guttenbergs auf, in dem er Thomas Mann rezitierte:

Der eine Guttenberg (Johannes) erfand den Buchdruck, der andere (Karl Theodor) schmuggelte haufenweise Kopien an seinem von der Universität Bayreuth zur Seite gestelltem Betreuer vorbei zum Doktortitel.
Um zur anderen Clowngestalt der europäischen Poltik zu gelangen, müssen wir unseren Fokus über den Gotthard legen, wo wir auf Italien blicken. Dort trat Bunga Bunga-Silvio Berlusconi am Abend des 12. November 2011 von seinem Amt als Ministerpräsident zurück, das er mit Unterbrüchen (2006-2008) seit 1994 bekleidete. Der Medienzar und AC Milan-Besitzer stolperte dabei aber nicht über seine Aktivitäten neben dem Regierungspult, sondern über die ansteigenden Schulden Italiens.
In der Schweiz waren National-, Ständerats- und Bundesratswahlen angesagt, die Ergebnisse zeigten, dass die Bevölkerung doch wieder normal und rational denkende Personen in der Politik haben will und nicht so genannte Polteri.

Zwei Gestalten, die machen, was sie wollen
Endlich greife ich zu meinem Lieblingsthema: Dem Kindergarten rund um den Schweizer Fussball: FC Sion-Präsident Christian Constantin und Xamax-Eigner Bulat Tschagajew glaubten, das alle nach ihrer Pfeife tanzen. Während Tschagajew Bankgarantien fälschte, setzte Constantin Spieler ohne Spielbewilligungen ein – und wurde aus der Europa League geworfen. Der Schweizer Fussballverband schien vor Constantin zu kuschen, erst als die FIFA mit der Suspendierung des Schweizer Verbandes drohte, wurde Sion mit einem Abzug von 36 Punkten belegt. Xamax hatte bereits zuvor deren vier verloren. Ob die Strafe gegen Sion zu hart ist, oder nicht, spaltet die Schweizer Fussballwelt, doch immerhin scheinen jetzt die Grenzen aufgezeigt worden zu sein.
In diesem Justiztrubel ging beinahe der Spielabbruch beim Zürcher Derby am 2. Oktober 2011 unter, bei dem Anhänger des FC Zürich bengalische Feuer in den GC-Fanblock geworfen zu haben. Am 18. November fällte die Disziplinarkomission das Urteil und belegte den FCZ mit einer 0:3-Forfaitniederlage.
Auch positive Meldungen gab es aus der Welt des Sports. So teilte das Schweizer Fernsehen mit, ab folgender Saison pro Runde ein Spiel live im Free-TV zu zeigen, während die Eishockey-Fans ab Januar 2013 ebenfalls in den Genuss von massiv mehr direkt übertragenen Partien im frei empfangbaren Äther kommen – pro Woche wird eine Qualifikationspartie, pro Play-off-Runde eine Begegnung zu sehen sein, ohne dass man ein Teleclub-Abonnement zu lösen hat.
Auch das Fussball-Tor des Jahres scheint gewählt, zumindest von den Users von 20minuten.ch: Wayne Rooney in Diensten des englischen Rekordmeisters Manchester United – der just am 70. Geburtstag seines seit 25 Jahren im Amt sitzenden Managers Sir Alex Ferguson eine peinliche Niederlage gegen die Blackburn Rovers kassierte – erzielte im Derby gegen Manchester City am 12. Februar 2011 ein Tor per Rückwärtsbicicletta.
Rooneys Tor avancierte auf YouTube zum Renner.

Der iGod-Kult, illegal wirtschaftende Mönche und ein angeblicher Komet zu Weihnachten
Herzlich willkommen bei den Trivialitäten des Jahres: Erwähnenswert finde ich auch die Ereignisse nach dem Tod des Apple-Gründers Steve Jobs Anfangs Oktober. Der zu Ehren seiner Person gezeigte Trauer konnte nur die inszenierte Trauer um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il das Wasser reichen. Über den Spitznamen iGod bis hin zum iPad-App mit den brennenden Kerzen wurde eine Anteilnahme gezeigt, die ansonsten nur verstorbenen Staatsmännern (wenn überhaupt) zu Gute kam. Für mich ist die europäische Schuldenkrise und das Geheule über den starken Franken kein Mitleid wert, es sind sowieso alle selber schuld. Wenn in Griechenland ein Mönch wegen dubioser Immobiliengeschäfte über 100 Millionen Euro eingebuchtet wird, weiss ich auch nicht mehr weiter.
Die Esoteriker, Romantiker und Hardcore-Christen sahen wohl in einem mysteriösen Lichtschweif den Stern zu Bethlehem, weil der just an Heiligabend in weiten Teilen Europas zu sehen war. Die Vermutungen gingen über Meteoriten, Kometen, Flugzeugabstürzen bis hin zum Christkind und dem abstürzenden Weihnachtsmann, doch die Erklärung war dann wieder ganz real: Der Feuerball stammte von den verglühenden Trümmern einer Sojus-Rakete, die kurz zuvor drei Astronauten beziehungsweise Kosmonauten zur ISS gebracht hatte.

In der drittletzten Jahreswoche haben sich Nik Hartmann, Anic Lautenschlager und Kathrin Hönegger für Jeder Rappen zählt im Glascontainer auf dem Europaplatz beim Luzerner KKL bequem gemacht, um für Mütter in Not zu spenden. Zahlreiche nationale und internationale Künstler haben der Truppe einen Besuch abgestattet, alles konnte auf DRS 3 und SF zwei live verfolgt werden.
Zudem ist mit Verspätung der erste Tatort aus dem Hause SF nach dem Wiedereinstieg der Leutschenbacher in die Franchise ausgestrahlt worden. Obwohl das Urteil der Kritiker vernichtend ausfiel, sind bereits zwei weitere Folgen abgedreht oder in der Produktion.

Arabischer Frühling, grosse Unruhen auf der Insel, kleinere Rabauken in Zürich
Das erste Quartal des Jahres war vom Arabischen Frühling geprägt, in dem sich die Bevölkerung mehrerer arabisch sprechender Länder, vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, gegen die mit eiserner Hand regierenden Machthabern auflehnte. Zuerst erwischte es Tunesiens Präsident Ben Ali, danach Ägyptens Staatschef Mubarak, die mehr oder weniger freiwillig abtraten. Wer jedoch weiterhin Gegenwehr leistete, war Libyens Diktator Muammar Al-Gaddafi, der ja eine sehr freundschaftliche Beziehung zur Schweiz pflegte. Erst sein Tod im Oktober machte seinen Machenschaften ein Ende. Leider noch kein Ende in Sicht haben wir in Syrien, wo Präsident Al-Assad mit aller Kraft im Amt verbleiben will, und wo seine Schergen mit allen Mitteln wüten und massakrieren.
In Grossbritannien brachen im Sommer in mehreren Städten (London, Liverpool, Birmingham, Manchester) heftige Unruhen aus, bei denen fünf Personen ums Leben kamen. Teilweise waren ganze Stadtteile an den Krawallakten beteiligt, teilweise zog die Polizei gar Elfjährige aus dem Verkehr.
Tagesschau vom 09.08.2011
Bericht der Tagesschau zu den Krawallen in Grossbritannien

Auch in Zürich gab es einige Randalierer, im Vergleich zu den Unruhen auf der Insel waren das aber eher aufmuckende Rabauken, die ein bisschen Action wollten.

Die SBB – ein Betrieb mit vielen Facetten
Gern schrieb ich auch Beiträge über die SBB, die in diesem Jahr einiges zu bieten hatten. In jüngster Zeit machte sie vor allem beim Fahrplanwechsel auf sich aufmerksam, wo sie die Bevölkerung des Kanton Schwyz massiv verärgerte, und die heftig umstrittene Billetpflicht in Fernverkehrszügen einführte. Daneben wurden die neuen Doppelstock-Fernverkehrszüge vorgestellt, die ab 2013 auf diversen Strecken zirkulieren werden. Als eher negativ, wenn nicht gar eklig, waren die Arbeitszustände auf der Baustelle für die Durchmesserlinie des Zürcher Hauptbahnhofs zu bezeichnen, wo die Arbeiter mit Fäkalien aus einfahrenden Zügen Bekanntschaft machten.
Nichtsdestotrotz investiert sie auch in die Zukunft: So wird im Dezember 2012 in Steinhausen/ZG eine neue Bahnhaltestelle der S-Bahn Zürich in Betrieb gehen, während zwischen 2016 und 2018 im Hinblick auf die Eröffnung der Basistunnels am Gotthard und am Ceneri unter Vollsperrung die Strecke Zug Oberwil-Arth-Goldau zwischen Walchwil/ZG und Walchwil Hörndli auf einer Länge von 1,7 Kilometern doppelspurig ausgebaut wird. Trotzdem ist die Zukunft des Bahnverkehrs nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels zwischen Arth-Goldau und Erstfeld weiterhin ungewiss, die SBB macht keine Bekenntnisse, ob der Regionalverkehr weiterhin auf der Schiene durchgeführt wird.

Kanton Schwyz stellt Weichen für die Zukunft
Auf regionaler Ebene hat der Kanton Schwyz die Weichen für die Zukunft gestellt. Im Zuge der Urbanisierungsmassnahmen auf den Arealen des ehemaligen Zeughauses Seewen, des Holcim-Areals Brunnen (Nova Brunnen) und dem Lagerhäusergelände in Brunnen wurde ein neues Strassenverkehrskonzept vorgestellt, um die Gebiete der Entwicklungsachse Urmiberg optimal zu erschliessen.

Zum Abschluss noch gesammelte TV-Pannen des Jahres und in diesem Sinne: Prosit Neujahr!

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