Schärfere Waffengesetze: Wie verhindert man Ereignisse wie Newtown?

Die weltweiten Schlagzeilen werden zur Zeit durch den gestrigen Amoklauf an einer Grundschule in Newtown, gelegen im US-Bundesstaat Connecticut, dominiert, wo ein 20-jähriger 27 Menschen, vorwiegend kleine Kinder, erschossen hat. Diese Tat reiht sich nahtlos in eine Reihe ähnlicher Geschehnisse in der Welt ein – die Frage nach dem Warum stellt sich jedes Mal. Doch was ist die Lösung, diesen Ereignissen ein Ende zu bereiten? Schärfere Waffengesetze? Die Frage nach der Verhinderung solcher Tötungsdelikte beschäftigt die Gesellschaft.

Schärfere Waffengesetze als Lösung

Gestern stürmte ein 20-jähriger Mann die Sandy Hook Elementary School in Newtown, Connecticut, und tötete 27 Personen, einschliesslich 21 Kinder und sich selbst. Neben dem Blutbad auf dem Campus der Virginia Polytechnic Institute and State University in Blacksburg 2007 mit 32 Toten und dem Massaker an der Columbine High School in Littleton 1999, welches 13 Menschen das Leben kostete, ist die gestrige Tat wohl eine der verheerendsten Angriffe auf US-amerikanische Bildungseinrichtungen. Doch auch fern von Schulen und Universitäten werden oft Menschen durch Schiessereien getötet, so beispielsweise im vergangenen Juli bei einer mitternächtlichen Premiere des Batman-Films The Dark Knight Rises, wo ein Amokläufer in einem Kino in Aurora (Colorado) zwölf Menschen tötete.
Die jüngste Tat schlägt Wellen, ist sie doch nur die vorerst letzte einer Reihe solcher Schreckensereignisse. Waffengegner protestieren vor dem Weissen Haus und auch dessen Bewohner hat sich gestern nach der Tat an die Öffentlichkeit gewandt: US-Präsident Barack Obama forderte nun (endlich) Taten statt Worte.
4f134174-1082-4096-8ce0-1cae478c6d7b
Beitrag der TagesschauNacht des Schweizer Fernsehens zu den Geschehnissen von Newtown vom 14. Dezember 2012

Die einfachste Massnahme liegt auf der Hand: In der US-amerikanischen Verfassung ist niedergeschrieben, dass jeder Bürger das Recht auf eine eigene Waffe hat. Nirgendwo auf der Welt ist es einfacher, an solche zu gelangen.
Eine Streichung dieses Grundsatzes würde eine markante Verbesserung bringen.
Einfacher gesagt als getan: In den Reihen der Republikanern und wohl auch einigen Demokraten geniesst dieser Grundsatz grossen Rückhalt, nicht zu vergessen ist auch die mächtige Waffenlobby NRA, welche auf dieses Grundrecht wohl kaum verzichten möchte.
Der Attentäter von Newtown nutzte für seine Tat zwei Pistolen der Marke Glock und SIG Sauer, dazu ein halbautomatisches Sturmgewehr. Alle drei Waffen befanden sich in Besitz seiner Mutter, als Lehrerin ebenfalls unter den Todesopfern. Wieso braucht eine Lehrerin drei Feuerwaffen im Privatbesitz? Wohl kaum, um aufmüpfigen Schülern Einhalt zu gebieten.
Auch in der Schweiz scheiterte vor einigen Jahren eine Initiative, welche verlangte, dass Armeewaffen neu im Zeughaus statt im Eigenheim aufbewahrt werden. Delikte mit Feuerwaffen sind auch hierzulande leider keine Seltenheit, zudem weist die Schweiz im internationalen Vergleich hinter Japan weltweit die zweithöchste Suizidrate auf.
Die Tat von Newport schlägt hohe Wellen: Von Papst Benedikt XVI. und Queen Elizabeth II. über UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bis hin zur Schweizer Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf, zu Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Grossbritanniens Premierminister David Cameron äusserten sich zahlreiche internationale Exponenten aus Politik und Gesellschaft bestürzt und erschüttert über die Ereignisse.

Nicht nur in den USA sorgen solche Taten für Aufsehen

Solche Schreckenstaten jedoch nur auf die USA zu reduzieren, wäre jedoch an der Wahrheit vorbeiagiert. Beispielsweise erschütterten das Attentat von Zug 2001 und der Amoklauf im Stadtzürcher Bauamt 1986 die Schweiz, in Deutschland haben sich die Amokläufe an Schulen in Erfurt (Gutenberg-Gymnasium, 2002) und Winnenden (2009) für die Ewigkeit ins Gedächtnis gebrannt und nicht zu vergessen, der Doppelanschlag von Oslo und Utøya, welcher am 22. Juli 2011 68 Menschen ihres Lebens beraubt hatte.
Nebst den Toten sind freilich auch die Überlebenden nicht zu vergessen, sie leiden an traumatischen Erlebnissen, welche sie Zeit ihres Lebens einholen werden.
In Deutschland wird beispielsweise reagiert: Nach der NSU-Mordserie wird nun ein Verbotsverfahren für die rechtsextreme NPD erwirkt.

Grund für solche Schreckenstaten

Begleitet werden solche Verbrechen und Taten stets immer mit der Frage nach dem Warum. Eine Frage, die niemand beantworten kann. Meistens sind solche Taten von langer Hand geplant, weswegen der Begriff Amoklauf im Kontext meist falsch verwendet wird, denn dieser steht für einen spontanen Beschluss, seinen Mitmenschen etwas anzutun. Die Tat oder der Beschluss zu dieser hat für viele Täter innerlich eine befreiende Wirkung, ähnlich wie der Entscheid zum Suizid.
Die Gründe und Motive sind meist ebenso unklar. Bei zahlreichen Attentaten an Schulen und Universitäten wurden die Täter als ruhig, unauffällig aber teilweise mit sozialen Schwierigkeiten beschrieben. War die Tat eine Art Rache für Hänseleien der Mitschüler?
Hier sind Schulpsychologen genauso gefragt wie Lehrer. Die pädagogische Fähigkeit besteht nicht nur darin, den Schulstoff begreifbar rüberzubringen, sondern auch bei zwischenmenschlichen Problemen eine Lösung zu finden. Vielfach lässt der Leistugsdruck an Schulen die Täter zu solchen Taten hinreissen.
Beim Amoklauf von Newtown ist aber ein solches Motiv auszuschliessen, es bewegt weiterhin die Frage, wieso ein 20-jähriger sechs- bis zehnjährige unschuldige Kinder abknallt.

Stimmt die Theorie vom bösen Gen?

Taten wie diese lassen die Theorie vom bösen Gen aufleben. Gibt es Menschen, die von Grund auf bösartig sind? Man denke an Diktatoren wie Hitler, Stalin, Cäsar, Assad oder Gaddafi, ebenso an Attentäter oder Terroristen. Was in aller Welt bewegt sie zu solchen Gräueltaten? Ist es das ‚böse Gen’?

Was wird in der Zukunft passieren?

Sollte es Barack Obama gelingen, ein Gesetz zu lancieren, welches den Privatbesitz von Waffen einschränkt, wäre das wohl eine wegweisende Richtung zum besseren Schutz vor Waffengewalt.
Ansonsten werden Ereignisse wie Newtown, Aurora, Zug, Winnenden, Utøya, Columbine oder Erfurt weiterhin geschehen, für kurze Zeit die Medien und die Menschen interessieren oder bewegen und anschliessend in der Vergessenheit versenken.
Bis zum nächsten ähnlichen Ereignis.

Siehe auch

  • Hört endlich mit dem Geheule um die Armee auf!Cabo Ruivo vom 18. September 2011
  • Zehn Jahre ist es her…Cabo Ruivo vom 27. September 2011
  • Die erschreckendsten Tötungsdelikte der SchweizCabo Ruivo vom 8. April 2012
  • Links

  • Dossier zum Thema von tagesanzeiger.ch/Newsnet
  • Themenschwerpunkt Amoklauf von Newtown von SPIEGEL ONLINE
  • Themenschwerpunkt Amoklauf von ZEIT ONLINE
  • Ratlosigkeit nach der BluttatNZZ online vom 15. Dezember 2012
  • Waffendebatte: Amerikanischer InstinktFrankfurter Allgemeine Zeitung Online vom 15. Dezember 2012
  • Schwierige Suche nach dem WarumSüddeutsche Zeitung Online vom 15. Dezember 2012
  • Alles getan, um nicht aufzufallen – Frankfurter Allgemeine Zeitung Online vom 15. Dezember 2012
  • Heile Welt in TrümmernSüddeutsche Zeitung Online vom 15. Dezember 2012
  • Liveblog der Nachrichtenagentur Reuters (englischsprachig)
  • Die Motive der beiden Amokläufer an der Columbine High School (englischsprachig)
  • Schärfere Waffengesetze: Wie verhindert man Ereignisse wie Newtown?
    War dieser Beitrag hilfreich? Dann unterstützen Sie doch Cabo Ruivo mit einer kleinen Spende oder einem Facebook-Like!

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.