Hitzige Stimmung abseits des Eises

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Hitzige Stimmung heute im Zuger Kantonsrat: Es ging um die Beteiligung des EV Zug an den Sicherheitskosten, die anlässlich der Heimspiele in der heimischen Bossard-Arena jeweils entfallen. Der EVZ und die FDP bekämpften vergebens gegen den Vorschlag der Regierung, dass der Verein jährlich 60% übernimmt – an letzter Saison gemessen rund 150’000 Franken. Damit ist der EV Zug wohl der Verein, der schweizweit am meisten zu entrichten hat. Und das ist in meinen Augen gesehen unfair.

Erstmalige Regelung im Eishockey
Alle anderen Vereine der National League A müssen pro Jahr eine fixe Pauschale entrichten, oder überhaupt gar nichts bezahlen. Das ist für die Vereine gut, aber die Polizei und die betroffenen Kantone sind nicht unbedingt Fans davon, darum kommt jetzt der erste, der die Vereine zur Kasse bitten will. Der Kanton Tessin atmete wohl auf, als es (aus welchen Gründen auch immer) durch eine unerwartete Niederlage des HC Lugano am letzten Spieltag der letztjährigen Regular Season nicht zur Playout-Affiche gegen den Kantonsrivalen HC Ambrì-Piotta kam. Der Kanton Zug ist jetzt der erste Kanton, der eine Regelung aufgleisen wollte. Er beschloss gegen den Widerstand der FDP – die eine jährliche Pauschale von 70’000 Franken wollte – und des Vereins selbst, dass das Aushängeschild der Stadt im Schweizer Profisport 60% der Sicherheitskosten nun selbst übernehmen müsse. Gemessen an der letzten Saison, als der EVZ den Playoff-Halbfinal erreichte, 150’000 Franken. Damit müssen die Zuger ligaweit weitaus am meisten entrichten. Zudem sorgen sich die Verantwortlichen um die finanzielle Zukunft des Vereins und protestierten vergebens gegen die Debatte. Diesem Argument setzte die SVP entgegen, in dem sie sagte, dass der Verein über ein Budget von „mehreren Millionen Franken“ verfüge und deshalb diese Kosten verschmerzen könne. Und was bitte schön heisst „mehrere“? Zwei sind auch mehrere, also bitte!

Andere Lösungen sind gefragt
Bereits Anfang Juli, als die erste Anhörung zuungunsten des EVZ ausging, hatte sich der Verein mit Szenarien beschäftigt, um die Polizeikosten möglichst tief zu halten. Denn die 150’000 Franken, die er letzte Saison hätte berappen müssen, kämen in einer ruhigen Saison zustande. Würde es eine Saison mit vielen Gewaltexszessen werden, dann würden die Kosten steigen und das SVP-Argument wäre dann auch dahin, schon jetzt rechnet der Club mit einem Verlust von über 200’000 Franken für die aktuelle Spielzeit. Der Entscheid ist doch schade für den regionalen Sport, denn zur Zeit stehen mit dem FC Luzern und mit dem EV Zug mal wieder die beiden Zentralschweizer Aushängeschilder an der Spitze der obersten Spielklassen im Fussball und im Eishochey. Der Verein prüft die Erhöhung der Ticketpreise, was vor allem den eigenen Anhängern schaden würde, oder aber die Reduktion der Gästefans.
Nach dem ersten negativen Beschluss reichte die Zuger FDP-Kantonsrätin Alice Landtwing, die selbst mit einem ehemaligen EVZ-Spieler verheiratet ist, eine Motion mit dem Kompromissvorschlag ein, dass der Verein eine jährliche Pauschale von 70’000 Franken bezahlen müsse, sich aber auch an gewisse Regeln halten sollte, so die Beibehaltung des Busbahnhofs im Hertiquartier. Doch auch dieser Vorschlag fand kein Gehör.

Unglücklicher Entscheid
Ich finde es zwar okay, dass sich die Vereine an den Sicherheitskosten beteiligten sollen, jedoch soll hier landesweit eine einheitliche Regelung gelten. Und bitte sehr soll kein Verein mit einem solch horrenden Prozentsatz zur Kasse gebeten werden. Die Zuger Polizei kann jetzt sogar mehr Leute aufstellen als bisher, nur weil jemand anderes dafür blechen muss. Wenn der Kanton Tessin, wo ja die Anhänger beider Vereine nicht gerade als brave Lämmlein gelten, keine solche Lösung hat, warum denn der Kanton Zug, wo der EVZ doch nicht gerade für Krawallen verantwortlich ist. Im Fussball ist es eine andere Geschichte, hier muss die SBB mit Schäden an ihren Fahrzeugen bürgen, zudem wurden schon auf Bahnhöfen wartende Personen mit Gegenständen aus fahrenden Fanzügen verletzt. Aber im Eishockey sind solche Aussetzer gar nicht bekannt, darum finde ich es unverständlich, warum ein Verein so zur Kasse gebeten wird. Der Kanton Zug hat ja sonst genug Geld, den er für irgendwelche Verkehrskonzepte in der Stadt Zug ausgibt. Warum nicht mal denen Sachen helfen, die gute Werbung für den Kanton machen. Bisher steht der Begriff Zug nebst der offensichtlichen verkehrstechnischen Bedeutung (Eisenbahn) für tiefe Steuern, Briefkastenfirmen, Glaskästen, umstrittene Geschäftspraktiken gewisser im Kanton angesiedelten Unternehmen und den schwärzesten Tag der neueren Schweizer Geschichte. Auch wenn der EVZ in den (vor allem Zürcher) Medien teilweise ein bisschen harten Fouls (Josh Holden lässt grüssen) von sich reden macht, macht er doch Werbung für die Zentralschweiz mit der rasanten, relativ offensiven Spielweise, die sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient hat als diese Aussetzer. Und das soll sich der Kanton zu Herzen nehmen. Wenn er unbedingt 150’000 Franken pro Jahr will, dann kann er doch auch die Steuern anheben.

Links

  • Der Beitrag des Regionaljournals Zentralschweiz von SR DRS als MP3
  • Die Motion von Alice Landtwing als PDF