50 Jahre Berliner Mauer: Eine Stadt wird geteilt

Morgen vor 50 Jahren, am 13. August 1961, baute die DDR Grenzanlagen um die BRD-Enklave West-Berlin und verstärkte sie zumindest auf Berliner Stadtgebiet wenige Tage später zu einer Mauer. Eine Stadt war geteilt und Berlin stand als Symbol eines getrennten Europas. Unser Kontinent zwischen zwei Fronten, ein ganzes Land gefangen wie in einem Gefängnis…

Zwei Monate zuvor noch ein grosses Dementi Ulbrichts

Das für viele Berliner blanke Entsetzen begann in den frühesten Morgenstunden des 13. August 1961. Grenzübergänge wurden geschlossen und die Grenzverläufe mit Stacheldraht abgeriegelt. Zu gross war für die DDR-Führung die Flüchtlingswelle gewesen. Nachdem bereits zuvor die innerdeutsche Grenze verriegelt wurde, nutzten DDR-Bürger die noch freie Grenze zu West-Berlin als Schlupfloch, um von dort aus in die Bundesrepublik zu gelangen. Es waren vor allem Fachkräfte wie Lehrer oder Handwerker, die sich zur Flucht entschlossen. Bereits zwei Monate zuvor kursierten Gerüchte über einen Mauerbau, doch der damalige SED-Chef Walter Ulbricht dementierte dies und versicherte, dass keine Absicht herrsche, eine Mauer zu bauen. In Tat und Wahrheit hatte er bereits mit den Staatschefs der anderen Ostblockstaaten und insbesondere Nikita Chruschtschow entsprechende Pläne gehegt, die dann vom sowjetischen Regierungschef abgesegnet wurden. Ebenfalls nicht mehr zugelassen waren Besuche von West-Berliner Bürger in Ost-Berlin, wer trotzdem rüber wollte, brauchte einen entsprechenden Passierschein. Davon ausgenommen waren jedoch die Alliierten, die weiterhin zwischen den beiden Stadtteilen einwandfrei wechseln konnten.

In der Bernauer Strasse im nördlichen Stadtzentrum war die Strasse noch auf westdeutschem Gebiet, die angegliederten Häuser jedoch bereits auf ostdeutschen. Daher stiegen zahlreiche Bewohner durch die Fenster. Als die Grenzwacht das bemerkte, wurden die Fenster sogleich zugemauert, die Häuser mussten später dem Todesstreifen weichen.

Wer flüchtete, riskierte den Tod

Die Mauer wurde während den Jahren immer mehr verstärkt. Zu der anfänglichen Mauer, der Vorderlandmauer, gesellten sich der Todesstreifen mit Lichtschranken und Stacheldraht sowie Wachttürmen und als Abschluss folgte dann die 4 Meter hohe Hinterlandmauer. Ebenfalls waren im Todesstreifen noch Kraftfahrzeugsperren angefertigt worden. Die Flucht durch die Mauer war zwecklos, wer in den Todesstreifen eintrat, wurde sogleich erschossen. Die DDR-Grenzwachtbeamten hatten von ihrer obersten Regierung den sofortigen Schiessbefehl erhalten. Tote lagen dann meist tagelang in den Büschen. Als Fluchtweg wurde oftmals auch das Wasser, da auf einigen Kilometern der Landwehrkanal und die Spree die Grenze bildeten. Hier war kein Todesstreifen angelegt worden, da sich die Wasserläufe vollständig auf DDR-Gebiet befunden hatte. Aus politischen Gründen gab es keine Befestigungsanlagen auf West-Berliner-Seite, jedoch Wachposten auf der Ostseite. Nichtsdestotrotz galt auch hier der Schiessbefehl, was zu einigen tragischen Ereignissen führte: Am 11. Mai 1975 spielte in Kreuzberg ein fünfjähriger Junge mit seinem Ball. Er hatte den Ball als Geschenk erhalten, er feierte an diesem Tag seinen Geburtstag. Als der Ball in die Spree fiel, sprang der Bub hinterher. Er konnte nicht schwimmen, Passanten trauten sich wegen dem Schiessbefehl nicht, ihn zu retten. Trotz Zurufe von der Westberliner Bevölkerung und der Feuerwehr taten die Grenzer nichts. Es dauerte Stunden bis das Kind tot geborgen werden konnte. Aufforderungen, das Kind ans Westufer zu bringen, kamen die Grenzer nicht nach, da es als Fluchtversuch gegolten hätte. So wurde das Kind ist Ost-Berlin obduziert und dann an einem Grenzübergang den Eltern übergeben. Der Junge war nicht der einzige, neben ihm starben noch drei weitere Kinder auf dieselbe Art.

Insgesamt starben 136 Menschen während den 28 Mauerjahren, der letzte wenige Monate vor der Maueröffnung. Zahlreiche Gedenkplatten wurden eingeweiht.

Checkpoint Charlie

Der wohl berühmteste Grenzüberganginnerhalb Berlins war Checkpoint Charlie an der Friedrichstrasse. Knapp zwei Monate nach Mauerbau, standen sich am 25. August für mehrere Stunden amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Grund für die Krise war die Kontrolle zweier US-Soldaten, die nach einem Theaterbesuch in Ost-Berlin von DDR-Grenzwachtsoldaten kontrolliert wurden und sich die Alliierten in ihrem Recht auf freie Bewegung in der gesamten Stadt verletzt sahen. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde der Grenzübergang abgebaut, jedoch entstand 2000 ein Originalnachbau und in der Nachbarschaft ist ein Museum eingerichtet. Der Checkpoint Charlie stellt vor allem für US-Amerikaner ein wichtiges Touristenziel innerhalb Berlins dar, da er den Übergang zwischen dem US- und dem sowjetischen Sektor markierte.

„Ich bin ein Berliner“…

Am 16. Juni 1963 stattete der damalige US-Präsident John F. Kennedy erstmals seit dem Mauerbau West-Berlin einen Besuch ab. Nach dem Bau hatten zahlreiche West-Berliner an die USA appelliert, sie sollten etwas unternehmen, doch Kennedy hielt die Mauer für eine bessere Lösung als ein Krieg. Kennedy hielt vor dem Rathaus Schöneberg eine Rede zur Solidarität mit der West-Berliner Bevölkerung, die er mit den auf deutsch gesprochenen Worten „Ich bin ein Berliner“ abschloss. Ausserdem hatte er die Phrase bereits in einer vorherigen Passage verwendet. Lustigerweise wurde der Satz bei der ersten Erwähnung von einem Dolmetscher auf Deutsch übersetzt. Auf Kennedys Spickzettel, der später veröffentlicht wurde, hatte sich der Präsident die Worte folgendermassen gemerkt: „Ish bin ein Bearleener, er hatte sie zudem vor der Rede geübt. Übrigens ist die Legende, dass Kennedy von der Berliner Bevölkerung ausgelacht wird, da er den Satz grammatikalisch falsch formuliert hatte und es sich so anhöre, als sei er ein Berliner als Gebäck, ist frei erfunden, trotzdem in den USA als Witz äusserst beliebt. Unten ein YouTube-Video zu Kennedys Rede.

… und „Mister Gorbatschow, tear down this wall!“

Im Zuge der 750-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Berlin, die von beiden Staaten getrennt organisiert und von der DDR als Propaganda genutzt wurde, reiste der damalige US-Präsident Ronald Reagan nach West-Berlin und hielt seine Festrede vor dem Brandenburger Tor, das unmittelbar der Sektorengrenze lag und so per Mauer vom Westen getrennt war. Während der Teilung hatte es den Status als DAS Symbol der Teilung inne. Vor 45’000 Zuhörern und kugelsicheren Scheiben als Schutz vor DDR-Scharfschützen forderte er mit den Worten „Mister Gorbatschow, tear down this wall!“ den damaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zur Öffnung des Eisernen Vorhangs auf. Von Seiten des Sowjetblocks wurde die Rede als „provozierend“ kritisiert. Anbei ein Video von Reagans Ansprache vor dem Brandenburger Tor.

Der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung

Nach zahlreichen friedlichen Protesten, die sich von Leipzig aus auf die gesamte DDR ausgebreitet hatten, gab 1989 Erich Honecker, der nach Walter Ulbrichts Tod 1972 dessen Nachfolge als DDR-Regierungschef angetreten hatte, seinen Rücktritt bekannt. Als später gegen die DDR-Führung Anklage erhoben wurde, reiste Honecker nach Chile aus, wo er 1994 an Krebs starb. Seine Frau Margot, die heute noch in Südamerika lebt, glaubt bis heute an die Existenz der DDR. Im Sommer 1989 hatten zahlreiche Bürger die BRD-Botschaften in Prag und Budapest sowie die ständige Vertretung in DDR – sie war keine Botschaft, da die BRD die DDR völkerrechtlich nicht als Ausland anerkannte – besetzt, woraufhin ihnen die Ausreise in die Bundesrepublik gewährt wurde. Des Weiteren öffnete Ungarn als erstes den Eisernen Vorhang in Richtung Österreich, dieses Schlupfloch wurde auch von zahlreichen DDR-Bürgern in Anspruch genommen.

Am Abend des 9. November 1989 lud das SED-Politbüro beziehungsweise dessen Sprecher Günter Schabowski zu einer Pressekonferenz, bei der die Reisefreiheit ohne Visa in den Westen gewährt werde. Auf die Frage eines Journalisten antwortete der verdutzte Schabowski, dass die Regel „per sofort“ gelte, obwohl die eigentlich erst für den folgenden Tag vorgesehen war. Gegen 21 Uhr versammelten sich daraufhin an den innerstädtischen Grenzübergängen, anfänglich an demjenigen der Bornholmer Strasse, zahlreiche Bürger, um die freie Ausreise in Anspruch zu nehmen. Anfänglich verweigerten die Grenzbeamten die Grenzöffnung, kapitulierten dann aber aufgrund der sich vergrössernden Menge. Um Mitternacht waren alle Schlagbäume geöffnet.

Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der BRD bei und Kanzler Helmut Kohl startete den „Aufbau Ost“, um die Infrastruktur der Neuen Bundesländern an derjenigen der bisherigen BRD anzugleichen.

Entwicklung seither

Die Angleichung ist bei weitem nicht erreicht. Auch wenn man sich in Grosstädten wie Berlin, Leipzig oder Dresden ganz klar der westlichen Konsummentalität zugesprochen hat und die Infrastruktur auf dem gleichen Niveau wie in anderen westeuropäischen Städten ist, sieht es auf dem Lande ganz anders aus. Die Unterschiede sind in der Qualität der Substanzen klar und deutlich ersichtlich. Sehr gut sichtbar ist der Unterschied bei den Bahnanlagen. Im Westen sind sie sehr gut und modern ausgebaut, während im Osten die Bahnhofsschilder herunterzufallen drohen.

In den Grossstädten sind in der Vergangenheit grosse Infrastrukturprojekte entstanden oder werden in naher Zukunft verwirklicht. Die Plattenbauten sind modernisiert worden und bilden dynamische Stadtviertel, in Berlin ist aus dem brachliegenden Gelände am Potsdamer Platz, das damals ebenfalls im Grenzbereich lag, ein modernes Stadtviertel mit Büros, Hotels, Geschäften, Wohnungen, Kinos und weiteren Entwicklungen entstanden.

In Dresden wurden alle Sehenswürdigkeiten wie der Zwinger oder die Semperoper saniert und die im Krieg zerstörte Frauenkirche wieder aufgebaut. Leipzig erhält bis 2012 eine unterirdische S-Bahn-Durchmesserlinie, die auch drei neue Bahnhöfe im Stadtzentrum vorsieht. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht haben insbesondere Leipzig und Dresden stark profitiert.

Ein wichtiger Industriezweig ist die Autoindustrie: Das Wartburg-Werk in Eisenach ist heute Bestandteil des Opel-Konzerns, während VW das Sachsenring-Werk in Zwickau, in welchem die Trabbis hergestellt wurden, sowie das sowohl für Wartburg als auch für die Trabanten verwendete Motorenwerk Chemnitz übernommen hat, und zudem noch in Dresden die „gläserne Manufaktur“ errichtet hat. In Zwickau werden nebst Golf und Passat auch die Karrosserien von Nobelkarrossen der Marken VW Phaeton und Bentley Continental hergestellt, während in Dresden der Phaeton vom Fliessband rollt.

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