Hungersnot in Ostafrika – jedem ist’s bekannt, aber irgendwie auch egal

Ich will ja nicht einen auf Moralapostel machen, auch wenn das mit meinen Artikel über alternative Energieen so vorkommen mag. Aber ich stelle mir die Frage, warum die Hungersnot in Ostafrika keine grossen Wellen schlägt, auch wenn sie jedem bekannt ist? Die Bilder dieses siebenjährigen Jungen sind allen wohlbekannt, man redet darüber, aber…ja…

Machen die Hilfswerke etwas falsch?

Auslöser des Ereignisses war eine grosse Dürreperiode, welche nebst Somalia auch Äthiopien, Kenia, Dschibuti, Uganda, Südsudan und der Sudan betraf. Insbesondere die ersten beiden Staaten sind wie Somalia von der Hungersnot betroffen. Die bisher letzte Hungersnot am Horn von Afrika liegt gerade mal 5 Jahre zurück, damals waren laut Wikipedia 400’000 Menschen auf Nahrung angewiesen. Die Glückskette hat bereits einen Spendeaufruf gestartet, bisher (Stand: 2. August) kamen knapp 12 Millionen Franken aus der Schweizer Bevölkerung zustande. Das ist eine gute Summe, aber zu wenig. Im Vergleich: Die Glückskette konnte für die Flutopfer von Pakistan 42 Millionen Franken an Spenden sammeln. Wo liegt denn hier das Problem?

Das Geld wäre problemlos aufzutreiben

Für mich wird es in den Medien zuwenig thematisiert. Wir reden lieber über Abhörskandale oder den Tod einer drogenabhängigen, wenngleich auch talentierten Sängerin, statt über den Tod von abertausenden Menschen, deren Problem indirekt wir Weisse verursacht haben. Uns geht’s ja gut, also was gibt es denn zu meckern? Tönt traurig, aber der Satz ist in vielen europäischen oder amerikanischen Köpfen weit verbreitet. Geht es uns vielmehr ums Verdrängen von Tatsachen? Dabei sind wir meiner Ansicht nach ja nicht ganz unschuldig, mit unserem Drang nach Macht und der daraus erfolgten Kolonialisierung. Wir importieren ja Artikel aus der dritten Welt aber exportiert wird im Verhältnis dazu nichts, gar nichts.

Laut UNO fehlen für Hilfsgüter in Ostafrika 1,4 Millarden Dollar. Im Vergleich dazu geben die USA 1,6 Billionen US-Dollar für militärische Angelegenheiten, wir Schweizer sind ja mit über 6 Milliarden Franken für unsere Landesverteidigung ja auch nicht gerade geizig, was rund 0,9% des Bruttoinlandproduktes ausmacht. Für die Entwicklungshilfe geben wir gerade mal 700 Millionen Franken aus, für humanitäre weitere 283 Millionen Franken. Mit insgesamt 0,39% des BIP für die Entwicklungspolitik erfüllt die Schweiz nicht mal die 1970 international von den Industriestaaten beschlossene und 2002 (mit Zieldatum 2014) erneuerte und bekräftigte Vorgabe von 0,7%. Unglücklicherweise werden sogar Stimmen laut, die Entwicklungshilfe zu reduzieren, was für mich der falsche Weg zur Bekämpfung der Krisen ist.

Bisher hat der Bund für Ostafrika 18,5 Millionen Franken locker gemacht, die Glückskette erhielt aus der Bevölkerung die erwähnten 12 Millionen und Caritas 600’000.

Mögliche Probleme der Hilfswerke

Die Hilfswerke tragen den Stempel, dass das gespendete Geld nicht ankommt, wo es sollte, sondern für die Administration verwendet wird. Bei Amnesty International oder Greenpeace mag es zutreffen, auch wenn ihre Anliegen absolut nachvollziehbar und zu unterstützen sind. Bei der Glückskette ist dies gewiss nicht so. Was gespendet wird, kommt an! Aber sie ist aus meiner Sicht auch ein wenig selber schuld für die eher geringen Beiträge für Ostafrika. Für Pakistan oder auch die Tsunami-Katastrophe 2004 in Südostasien wurden nationale Spendetäge veranstaltet, die auch im Schweizer Fernsehen gebührend thematisiert wurde. Wieso wird hier kein solcher Anlass organisiert? Für Malaria harrten 2009 drei Radio DRS-Moderatoren für Jeder Rappen zählt eine Woche lang in einer Glaskiste auf dem Berner Bundesplatz aus. Die Auflage 2010 zugunsten von Kindern in Konfliktgebieten spielte eine Spendensumme von 11,4 Millionen Franken ein. Die Neuauflage für Dezember 2011, diesmal in Luzern, kennt noch keinen Spendenanlass. Also, was könnte man da machen? Richtig erraten: Sendereihe vorziehen (etwas schlaues kommt ja eh nie im TV), das Thema ruft ja gerade danach und würde die verschiedenen Probleme eines verfrühten Termins rechtfertigen.

Es wäre ein Klacks, die 1,4 Milliarden Dollar aufzubringen. Die Welt kann das schaffen, wird es schaffen! Liebe Glückskette, organisiert einen Sammeltag, liebes SRF hilft tatkräftig dabei und liebe Leute, helft, wo ihr könnt! Mittlerweile hat gar die UNICEF über den englischen Fussballverein Manchester United einen Hilferuf gestartet.

Spendenkonten

  • Glückskette: Postkonto 10-15000-6 (Vermerk „Afrika“) oder online, einfach Afrika Hungersnot anklicken; Einzahlungsscheine liegen auf der Poststelle bereit
  • Caritas: Postkonto 60-7000-4 (Vermerk „Ostafrika“) oder online; zudem bloggt ein Caritas-Entwicklungshelfer täglich aus Ostafrika: http://caritas-ostafrika.blogspot.com/

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