Uli Hoeness: Wie ein Steuerhinterzieher die Medien narrt

Vor wenigen Tagen löste Uli Hoeness mit seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung in Deutschland und in der Schweiz eine Debatte aus, welche den seit Jahren schwelenden Steuerstreit neu lancierte. Der von ihm präsidierte FC Bayern München äusserte sich nicht dazu, sondern leistete Hoeness andersweitig Schützenhilfe: Mit dem Aufsehen erregenden Kauf von Mario Götze vom ärgsten Ligarivalen Borussia Dortmund.

Hoeness im Kreuzfeuer der Kritik

Uli Hoeness hat den Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland neu lanciert.

Uli Hoeness hat den Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland neu lanciert.


Der Aufschrei war gross, als der Präsident des deutschen Fussballrekordmeisters FC Bayern München und Inhaber einer Wurstfabrik nahe Nürnberg eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung publik machte. Sowohl in der Schweiz, wo Hoeness sein Konto besitzt, als auch in Deutschland, wo der Fall Einzug in den Wahlkampf hielt. Auf bundesdeutscher Ebene erhielt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück einen Steilpass, da Hoeness seine Anzeige nur einreichte, weil das von SPD und Grünen torpedierte Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz nicht zu Stande kam. Da zählt auch nicht, dass Hoeness als enger Freund Steinbrücks galt und nun dessen politischer Karriere geopfert wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) liess ihrerseits verlauten, dass sie über Hoeness enttäuscht sei. Im Freistaat Bayern wiederum erhielt die auf den Ministerpräsidentenposten schielende SPD, die bisher vor allem von ihrem Spitzenkandidaten, dem aktuellen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (bekennender Fan von 1860 München) lebte, Aufwind im Kampf gegen die regierende CSU unter Ministerpräsident Horst Seehofer, der ebenfalls als Freund Hoeness‘ gilt, der politisch wiederum der CSU nahesteht und auf Lokalebene schon mal einen Listenplatz angeboten bekam.
Es bleibt zu hoffen, dass viele Gleichgesinnte Hoeness‘ Beispiel folgen werden und ihr Vergehen auf eigene Faust publik machen, so kann ein Skandal wie vor Jahresfrist mit den Hehlern in Nordrhein-Westfalen vermieden werden.
Uli Hoeness erhoffte sich mit der Selbstanzeige wohl Straffreiheit; die Staatsanwaltschaft München II sah das ein wenig anders und liess ihn am 20. März vorläufig festnehmen, bis er kurze Zeit darauf gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuss gesetzt wurde.

Götze-Transfer als Ablenkung?

Was tat Hoeness‘ Verein FC Bayern München nach seinem Geständnis?
Bereitete sich auf den anstehenden Champions League-Halbfinal gegen den FC Barcelona vor und sorgte mit dem Transfer von Borussia Dortmunds Jungstar Mario Götze dafür, dass kein Mensch mehr von Hoeness redet, sondern nur noch über den 37 Millionen Euro schweren Wechsel Götzes vom Ruhrpott an die Isar diskutiert, da sich die Bayern mit dem Kauf des Mittelfeldspielers doppelt stärken: Einerseits wird der Kader verstärkt und das bereits mit Robben, Ribéry, Schweinsteiger und Co. hochkarätig besetzte Mittelfeld erhält weiteren prominenten Zuwachs, andererseits wird der grösste Rivale im Kampf um die Deutsche Meisterschaft erheblich geschwächt. Götze hatte grossen Anteil an den beiden letzten Titelgewinnen des BVB, 2011 und 2012.
Ein geschicktes Ablenkungsmanöver.
Dass Götze dem Ruf des Geldes gefolgt ist, sorgte nicht nur bei den Dortmund-Anhänger für Unbehagen. Ein bisher beliebter Spieler sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt. Manch Dortmund-Fan sieht wohl im Sprichwort Du sollst keine Götzen anbeten eine neue Bedeutung.

Uli Hoeness und die Medien

Uli Hoeness narrt die Medien, wohl eine Tätigkeit, die dem ehemaligen Manager und amtierenden Präsidenten liegt: Seine grosse Klappe und der mangelnde Respekt gegenüber Gegnern in Medieninterviews ist so alltäglich wie Verkehrsstaus beim Gubristtunnel. Jedoch steckt einiges dahinter: Mit seinen Aussagen konzentriert er die Aufmerksamkeit der Medien auf sich, so dass der Rest des Teams relativ ungestört und mit freiem Rücken arbeiten kann. Vielleicht sollte die Selbstanzeige von der Vorbereitung zum CL-Spiel gegen Barcelona ablenken, was ein Schuss in den Ofen war, also musste das aufkeimende Feuer mit dem Kauf Götzes eingedämmt werden.
Dass es bei den Bayern trotz des sportlichen Höhenflugs im Baume brennt, ist ein offenes Geheimnis. Der Hype nach der vorzeitigen Verpflichtung von Pep Guardiola als neuer Trainer ab nächster Saison war unfair gegenüber dem aktuellen und ebenso erfolgreichen Amtsinhaber Jupp Heynckes, unter dem der Verein die deutsche Meisterschaft nach Belieben dominiert und im DFB-Pokalfinale sowie im Champions League-Halbfinale steht. Zwar steht auch Heynckes mit der Bevorzugung Mario Mandzukics gegenüber dem viel treffsicheren Mario Gómez in der Kritik, was jedoch keine Entschuldigung ist.

Siehe auch

  • Steuerstreit: Viel Lärm um nichts? – Cabo Ruivo vom 4. Februar 2012
  • Links

  • Richter erliess Haftbefehl gegen HoenessSüddeutsche Zeitung Online, abgerufen am 23. April 2013
  • Götze-Transfer: „Ein Jahrhunderttalent“ NZZ Online, abgerufen am 23. April 2013
  • Uli Hoeneß und die Politik: Nicht nur ein NetzwerkerFrankfurt Allgemeine Zeitung Online, abgerufen am 23. April 2013
  • Steueraffäre Hoeneß: Das Schweigen der BayernFrankfurter Allgemeine Zeitung Online, abgerufen am 23. April 2013
  • Uli Hoeness: Wie ein Steuerhinterzieher die Medien narrt
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