Fahrplan 2013: Auto AG Schwyz verzichtet auf Umfahrung von Brunnen

Eisenbahn Magazin Schweiz Verkehr

Wie bereits im Fahrplanentwurf im Juni angekündigt, steht im Dezember 2012 nur ein kleiner Fahrplanwechsel dar. Gewisse damals verkündete und auch umstrittene Änderungen wurden korrigiert, der Gros allerdings beibehalten. So verkehren neu stündlich zwei Fernverkehrszüge zwischen Zürich und Schaffhausen, die Auto AG Schwyz verzichtet jedoch vorerst auf die umstrittene Teilumfahrung des Dorfzentrums von Brunnen/SZ.

EuroCity-Verbindung Luzern–Mailand bleibt mit Abstrichen bestehen

Auch im Fahrplan 2013 das Rückgrat am Gotthard: Die InterCity-Neigezüge (im Bild: RABDe 500 036 „Minister Kern“ als ICN 654 Chiasso-Zürich HB bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Brunnen)
Auf der Gotthardachse ändert sich vergleichsweise wenig: Das EuroCity-Zugspaar 153/158 Basel SBB–Luzern–Milano Centrale wird nicht gestrichen, jedoch weiterhin im Linienumlauf reduziert. Wurde es 2010 mit dem Zuglauf Basel SBB–Venezia Santa Lucia mit ETR 610 eingeführt, verlor es im vergangenen Dezember aufgrund der Rollmaterialumstellung auf ETR 470 die Durchbindung nach Venedig, wird das Zugspaar nur noch den Verkehr Luzern–Mailand wahrnehmen und nicht mehr im bisherigen Takt verkehren. Bisher war gar von einer Einstellung des Angebots die Rede.
Zwischen Basel SBB und Lugano wird der EC 153 durch den bereits ab Basel statt Luzern beginnenden InterRegio nach Locarno und dem bereits existierenden ICN Zürich HB–Lugano ersetzt, in der Gegenrichtung das Pendant EC 158 durch einen ICN.
Neu fährt der Zug in Luzern um 07:47 Uhr ab und verkehrt ab Arth-Goldau (08:14) in der Fahrplanlage eines bisher nur sporadisch geführten Entlastungszuges Zürich HB-Chiasso. Der Gegenzug verlässt Milano Centrale um 14:10 und wird um 18:12 in Luzern eintreffen. Der Zug wird neu mit konventionellem Zugsmaterial gefahren, der dadurch frei werdende ETR 470 wird im Fahrplan 2013 eines der beiden lokbespannten Zugspaare zwischen Zürich und Mailand ersetzen. Zusammengesetzt wird der Zug aus einer mehrstromfähigen Re 484 (Bombardier TRAXX 1 MS 140) von SBB Cargo, um einen Lokwechsel in Chiasso zu vermeiden, sowie vier EuroCity-Wagen Apm 61 und Bpm 61 der SBB.
Ausserhalb des normalen Taktes verkehrende EuroCity zwischen Zürich HB und Milano Centrale verkehren dadurch mit einer Ausnahme (EC 113/114), welches wie bisher als EC 14/23 mit Trenitalia-Wagen und auf Schweizer Gebiet mit einer vorgespannten Re 4/4 II geführt wird, allesamt wieder im Takt, zusätzliche Halte wie Göschenen, Airolo, Biasca oder Mendrisio beim nun wieder im Takt verkehrenden EC 15 (Zürich HB ab 09:09 statt 08:31) entfallen. Aussertaktliche Zusatzhalte gibt es nunmehr in Flüelen (ICN 864, bisher ICN 650, 06:51 Uhr) und Liestal (ICN 696, bisher EC 158, 00:52 Uhr). Die vor Jahresfrist geforderten ICN-Halte in Brunnen und Schwyz für den ICN 864 werden auch in diesem Jahr nicht aufgenommen.
Die zwischen Chiasso beziehungsweise Lugano und Zürich HB verkehrenden InterCity-Neigezüge erhalten eine neue Zugsnummer 8xx, diejenigen von und nach Basel behalten die 6xx. Ausgenommen davon sind die parallel zu EuroCity-Zügen geführten ICN, auch sie behalten ihre bisherige Nummer 100xx.
Der an Sommersonntagen verkehrende Entlastungszug IR 2286 von Chiasso nach Zürich HB wird wie geplant neu auch in Flüelen (18:22) und Brunnen (18:34) halten.
Der InterRegio 2262, welcher werktags von Brunnen nach Zürich HB und an Wochenenden ab Arth-Goldau verkehrt, wird per Fahrplanwechsel zum RegioExpress degradiert, dies aufgrund des bereits heute eingesetzten Rollmaterials (NPZ DOMINO Glarner Sprinter) und dem Umstand, dass der Zug ab Fahrplanwechsel nicht mehr begleitet sein wird. Die Fahrtzeit ändert sich nicht und wird mit 53 Minuten weiterhin die schnellste Verbindung zwischen Brunnen und Zürich HB darstellen.
Dasselbe Schicksal ereilt auch die Gegenleistung IR 2295 Zürich HB–Arth-Goldau, er wird in den Fahrplänen neu als RE 2295 geführt.
Eine Anmerkung gibt es noch zum Zugspaar IR 2164/2191 Erstfeld-Basel SBB. Ab Fahrplanwechsel kommt hier ein siebenteiliger EW IV-Pendelzug bestehens aus Re 460, EW IV und Steuerwagen zum Einsatz. Auf den Einsatz des Panoramawagens wird bei diesem Zugspaar aus nachvollziehbaren Gründen hingegen künftig verzichtet, da diese aufgrund der hohen auf die grossen Fensterscheiben wirkenden Stosskräfte bei Steuerwagen-voraus-Fahrten nicht im Pendelzügen eingesetzt werden können.

Zwei Fernverkehrszüge pro Stunde zwischen Zürich und Schaffhausen

Nach dem erfolgreichen Ausbau der Doppelspur Eglisau/ZH–Neuhausen am Rheinfall/SH auf der Strecke Zürich–Schaffhausen, welcher unter anderem aus dem HGV-Topf vom Bund bezahlt wurde, kann nun auf dieser Strecke ein neues Fernverkehrskonzept eingeführt werden. Die heute um xx.10 Zürich verlassenden InterRegio-Züge Bern-Schaffhausen verlassen den Zürcher HB neu fünf Minuten früher, die Reisezeit wird auf 38 Minuten gesenkt. In diesen Takt integriert werden auch die InterCity-Züge Zürich HB-Stuttgart Hbf im annähernden Zweistundentakt (die Anzahl Züge an Wochenenden wird auf Betreiben der Deutschen Bahn reduziert), das nach Frankfurt (Main) Hauptbahnhof verlängerte Zugspaar bleibt bestehen. Jedoch nicht weitergeführt werden die zweistündlichen InterRegio-Durchbindungen nach Bern, der schweizweit fast einmalige Fall, dass ein Zug pro Laufrichtung zwei Zugsnummern besass, hat damit ausgedient.
Die Reduktion der Reisezeit ist nicht nur auf den Doppelspurausbau zurückzufahren, sondern auf die stark umstrittene Streichung des InterRegio-/InterCity-Haltes in Bülach.
Um rund 20 bis 40 Minuten versetzt wird neu ein RegioExpress zwischen Zürich HB und Schaffhausen eingeführt, mit Halt in Zürich Oerlikon und Bülach. Der dritte geforderte Halt in Rafz/ZH kann vorerst nicht erfüllt werden. Diese Züge werden mit Doppelstockzügen RABe 511 Stadler Kiss gefahren.
Ebenfalls beibehalten werden die bereits im Fahrplanentwurf erwähnten Drehungen des Regionalverkehrs: Die S5-Zugsläufe werden in ihren Endpunkten Niederweningen und Rafz getauscht – bisher nach Rafz verkehrende Züge verkehren neu nach Niederweningen und umgekehrt, dementsprechend werden auch die Verstärkerlinien S22 (Bülach–Singen (Hohentwiel)/D) und S55 (Oberglatt-Niederweningen) angepasst. Nicht betroffen ist die S41 von Winterthur über Bülach und Eglisau nach Waldshut.
Das Angebot bleibt vorerst bis 2015 bestehen, wenn das gesamte Verkehrskonzept in der Nordostschweiz aufgrund der Vollinbetriebnahme der Durchmesserlinie Zürich samt Tiefbahnhof Löwenstrasse und Weinbergtunnel abermals umgekrempelt wird.
Wie zwischen Schaffhausen und Zürich werden neu auch in der Romandie RABe 511-Doppelstockzüge eingesetzt. SIe kommen auf den RegioExpress-Linien Genf-Lausanne-Vevey und Genf-Lausanne-Romont zum Einsatz. Die RE-Verdichtung auf den Halbstundentakt erfolgt auf Kosten der InterRegio-Halte in Renens und Gland sowie der ICN-Halte in Morges und Nyon.
Die Entlastungszüge Zürich-Muri-Rotkreuz-Arth-Goldau verkehren nunmehr bis Muri, dafür aber mit Doppelstockzügen.
Auch die BLS setzt auf die Stadler KISS, sie werden ab Dezember auf diversen Linien der S-Bahn Bern eingesetzt, damit erhält auch das zweitgrösste S-Bahn-Netz der Schweiz zweigeschossige Züge.

TGV neu bis Interlaken, Nachtzüge nach Barcelona werden gestrichen

Die TGV Lyria-Linie Paris Gare de Lyon–Bern wird neu bis Interlaken Ost mit Zwischenhalten in Thun, Spiez und Interlaken West geführt, jedoch kann täglich nur die Direktverbindung ins Berner Oberland gewährleistet werden, in der Gegenrichtung ist mangels Trassenkapazität im Aaretal unter der Woche ein Umsteigen in Bern erforderlich. Eine Einbindung in den Takt ist in dieser Richtung nicht möglich, da der TGV einerseits den Kapazitätsanforderungen in der Hauptverkehrszeit nicht genügt, andererseits weil in seiner Abfahrtsstunde ab Interlaken Ost neun Minuten zuvor ein ICE im Takt nach Berlin Ostbahnhof verkehrt, so dass man auf eine solche Verbindung hätte verzichten müssen. In Richtung Interlaken verkehrt der TGV in Fahrtlage des IC 1093, also im Takt, dieser Zug wird ab Dezember von Basel SBB nunmehr bis Bern verkehren. Während das Berner Oberland auf höhere Tourismuszahlen hofft, ist die Verlängerung für die Betreibergesellschaft Lyria, einem Joint-Venture von SNCF und SBB, die letzte Chance, die TGV-Linie nach Bern profitabel zu machen. Jüngst hat sie bekannt gegeben, die Einstellung des verbliebenen Zugspaares im Jahre 2014 zu prüfen, nachdem die meisten Reisenden von Bern nach Paris den Umweg via Basel nehmen. 2009 wurde der Verkehr von zwei Zugspaaren auf eines reduziert, damals verpflichtete sich Lyria, das verbliebene Zugspaar für fünf Jahre unangetastet zu lassen – bis 2014.
Ob die späte Ankunftszeit in Interlaken (23:43 Uhr) den TGV die Erwartungen und Hoffnungen in ihn gerecht werden lässt, scheint fraglich.
Im restlichen internationalen Verkehr sind kaum nenneswerte Änderungen zu erwarten: Die Anzahl ICE-Zugspaare von Interlaken Ost beziehungsweise Zürich nach Deutschland bleibt gleich, zudem nimmt ein sechstes railjet-Zugspaar die Verbindung nach Österreich auf, eines verkehrt zwischen Zürich und Innsbruck, die restlichen fünf bis Wien, wobei eines von diesen über Wien hinaus nach Budapest durchgebunden wird. Durch die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Wien-St. Pölten in Österreich reduziert sich zudem die Fahrtzeit zwischen Zürich, Sargans und Buchs/SG auf der einen und Wien auf der anderen Seite um 20 Minuten.
Eingestellt werden jedoch die Ellipsos-EuroNight-Züge Barcelona França-Perpignan-Genf-Bern-Zürich HB. Grund dafür ist die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Figueras-Barcelona im April 2013 und die mangelnde Rentabilität der Nachtzüge. Per Bahn von der Schweiz in die katalanische Hauptstadt zu Reisen wird jetzt für ein Jahr ziemlich umständlich, aber TGV Lyria, welche per Fahrplanwechsel auch alle verbliebenen TGV-Verbindungen ab der Schweiz übernimmt, will ab Dezember 2013 das bisherige TGV-Zugspaar Genf-Montpellier Saint-Roch nach Barcelona-Sants verlängern, entsprechende Angebote von Basel SBB oder Zürich HB via LGV Rhin-Rhône werden zurzeit geprüft.

Auto AG Schwyz verkehrt weiterhin durch Brunnen

Für grosses Aufsehen und ebenso grosses Aufschrecken sorgte die Auto AG Schwyz mit ihrer Ankündigung, aufgrund der Sanierung des Mositunnels und des dadurch stark ansteigenden Verkehrsaufkommens im Dorfzentrum von Brunnen/SZ nur noch jeder zweite bis vierte Bus der Linie 2 (Schwyz–Brunnen–Weggis–Küssnacht) durch dieses zu führen, alle anderen wären ohne Halt zwischen Brunnen Bahnhof und Seilbahn Urmiberg via Luzernerstrasse geführt worden.
Nach Beschwerden und heftiger Kritik von Seiten der Bevölkerung inklusive der Forderung zur Einrichtung eines äquivalenten Ersatzangebots in Form eines Ortsbusses nimmt die Auto AG Schwyz nun Abstand von diesen Plänen.
Mit den im Februar 2013 beginnenden Arbeiten an den Brückenbauwerken am südlichen Tunnelausgang werden die Sanierungsmassnahmen des Mostunnels beginnen, mit erhöhtem Verkehrsaufkommen ist zwar zu rechnen, welches aber vielmehr die Buslinie 4 Brunnen–Morschach betrifft als die Linie 2.

Links

  • fahrplanfelder.ch – Das Kursbuch im Internet
  • Medienmitteilung der SBB
  • Online-Fahrplan der SBB
  • Liste der Änderungen in der Zentralschweiz