Red Bull Stratos: Dauerwerbesendung oder wissenschaftlich wertvoll?

Der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner beherrschte in den letzten Tagen die Medien: Fünf Jahre bereitete er sich auf einen Sprung aus 40 Kilometern Höhe vor, eine Höhe, aus der zuvor noch kein Mensch den Absprung gewagt hatte. Während der Energy Drink-Riese Red Bull die wohl längste Dauerwerbesendung der Fernsehgeschichte mit dem Namen Red Bull Stratos produziert hat, geht leicht vergessen, dass Baumgartners Sprung auch in wissenschaftlicher Hinsicht wertvoll sein kann, wenn auch ungleich weniger als beim bisherigen Rekordhalter, dem ebenfalls ins Projekt involvierten Joseph Kittinger.

Finanziert von Red Bull

Um 20:16 MESZ setzte Felix Baumgartner mit den Füssen auf dem Erdboden auf, satte sieben Stunden, nachdem der gebürtige Salzburger diesen in Roswell (New Mexico/USA) in einer Ballonkapsel verlassen hatte, welche ihn in die Stratosphäre befördert hatte. Der Rekordsprung aus 40 Kilometern Höhe erlangte grosses mediales Interesse, der in Arbon im Schweizer Kanton Thurgau wohnhafte Baumgartner wurde dabei grosszügig vom österreichischen Energy Drink-Hersteller Red Bull unterstützt. Dietrich Mateschitz, dessen Imperium stark auf die Marketingsäule setzt – man denke nur an die beiden Formel 1-Teams Red Bull oder Toro Rosso oder an die Red Bull-Flugtage – liess die ganze Kampagne mit dem konzerneigenen TV-Sender Servus TV mit dem Slogan Red Bull Stratos begleiten, auch der staatliche ORF liess es sich nicht nehmen, den Absprung live zu übertragen. Die britische Rundfunkanstalt BBC erlangte die Exklusivrechte für die Produktion einer Dokumentation, ihr blieb auch das erste Interview nach dem geglückten Sprung vorbehalten.

259 Sekunden dauerte der Flug

Um 20:11 setzte Baumgartner zum Absprung an, vier Minuten und 19 Sekunden später erfolgte die erfolgreiche Landung, abgebremst durch einen Hängegleiter. Die Kapsel wurde mit einem kontrollierten Flug mit Bremsfallschirm ebenfalls wieder zurück auf die Erde gebracht.
Während des Fluges stand der Extremsportler in stetigem Funkkontakt mit der Mission Control in Roswell, was nach erfolgten Turbulenzen in der ersten Flughälfte auch nötig war.
Auch die Übertragung des Events hatte es in sich, die von einer Wärmebildkamera aufgezeichneten Bilder des Fluges wurden via Mikrowellen zur Bodenstation übertragen, wo sie danach fürs Fernsehen verarbeitet wurden. Auch Baumgartner trug am Anzug eine Kamera bei sich.

Aufnahmen der Kamera, welche an Baumgartners Anzug befestigt war.

Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Baumgartners Flug

Vom medialien Pomp vor allem in boulevardähnlichen Medien geht beinahe vergessen, dass aus dem Rekordsprung auch wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden können.
Die Rotation, in welche Baumgartner rund 40 Sekunden nach dem Start gefallen ist, ist als so genannter Flat Spin bekannt, eine Drehung um alle drei Achsen des kartesischen Koordinatensystems. Aufgrund dieser Rotation war Baumgartner sehr viel Druck ausgesetzt, welche zur Bewusstlosigkeit hätte führen können.
Auch aufgrund der Druck- und Temperaturverhältnisse in solch Sphären sind die gesammelten Daten, welche in der Kapsel untergebracht sind, in wissenschaftlicher Hinsicht wertvoll.

Die Marke hinter dem Unterfangen: Red Bull

Felix Baumgartner war aufgrund der horrenden Kosten seiner Ambitionen auf potente Geldgeber angewiesen. Wer eignete sich dabei besser als der österreichische Getränkehersteller Red Bull. Der Konzern des Multimilliardärs Dietrich Mateschitz generiert einen Viertel des milliardenschweren Umsatzes im Marketing, und ist vor allem im Sportbereich breit vertreten: Ob Breitensport wie Fussball oder bei Extremsportarten. Da war doch Baumgartners Unterfangen ein gefundenes Fressen, um sich in den Hirnen der Weltbevölkerung zu positionierten? Vor allem, wenn der Werbeslogan Red Bull verleiht Flüüüügel heisst.
Insgesamt verfügt Red Bull über Fussballclubs wie RB Salzburg, RB Leipzig (hier steht das RB nicht für Red Bull, sondern für RasenBall, da Firmenbezeichnungen in Vereinsnamen in Deutschland untersagt sind), Red Bull New York, über die beiden Formel 1-Teams Red Bull und Toro Rosso, die Eishockeyvereine EC Red Bull Salzburg und EHC Red Bull München, sowie über zahlreiche Sponsoringaufträge im Extremsport. Seien es die Flugshows, in denen Personen in selbst gebauten Flugobjekten versuchen, möglichst weit zu fliegen, oder die Cliff Diving-Sessions, wo aus waghalsiger Höhe Sprünge ins Wasser vorgenommen werden, die silberblaue Dose mit den beiden roten Stieren ist sicherlich nicht weit weg.

Kommentar über den Sprung

Es ist ein wenig schade, dass das Vorhaben zu einer Dauerwerbesendung für einen Energy Drink-Hersteller geworden ist, das Red Bull-Logo war allgegenwärtig. Mateschitz wird sich wohl über dem geglückten Sprung das Händchen reiben, böse gesagt hätte er auch die Werbung gehabt, wenn Baumgartner den Sprung nicht überlebt hätte.
Über Felix Baumgartner kann man sich nicht entscheiden, ob man vor ihm den Hut ziehen soll oder ihm schlicht und einfach Verrücktheit vorwerfen soll. In erster Linie gebührt ihm Respekt, jedoch sind auch die wahren Beweggründe des Sprunges zu erfahren. Es bleibt zu hoffen, dass er es nicht aus Mediengeilheit getan hat, leider machte es aber in den vergangenen Tagen so den Anschein, da der Sprung vor allem von Red Bull’scher Seite massiv hochgeputscht wurde.
Bei Baumgartners Vorgänger in Sachen Weltrekorde, dem US-Amerikaner Joseph Kittinger, welcher dem Österreicher als Mentor und Kontaktmann in der Mission Control zur Seite stand, stand bei den Sprüngen 1960 in erster Linie die Erforschung von neuen Fallschirmsystemen im Vordergrund, während Red Bull Stratos in erster Linie auf das Brechen dieser Rekorde zielte.
Red Bull dürfte diese leise Kritik wohl nicht stören: Der Livestream auf der Videoplattform YouTube wurde über acht Millionen Mal angeglickt, was nicht nur neuer Rekord bedeutete, sondern auch die Website teilweise ausser Gefecht setzte.

Der Sprung

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