Die Bauwerke der Superlative in der Schweiz

Bauwerke gehören zur Erde wie die Meere oder die Wälder, auch wenn sie nicht naturgemäss auf unseren Planeten gelandet sind. Doch nicht nur Menschen sind für solche verantwortlich, auch manch Tier baut sich nicht nur ein Nest, man denke nur an die Biber mit ihren Staudämmen. Auch die Schweiz hat etliche Bauwerke zu bieten, doch welche sind hierzulande solche der Superlative?

Das höchste Gebäude der Schweiz steht in Zürich…

Das höchste Gebäude der Schweiz: Der Prime Tower in Zürich

Seit seiner offiziellen Eröffnung vergangenen Dezember darf sich der Prime Tower beim Bahnhof Hardbrücke in Zürich mit dem Prädikat höchstes Gebäude der Schweiz schmücken. Das als Symbol für das neue Trendquartier Zürich West dienende Gebäude löste den Basler Messeturm ab, welcher seinerseits im Jahr 2003 mit seinen 105 Metern dem „nur“ 99.9 (!) Meter hohen Sulzer-Hochhaus in Winterthur den Titel wegschnappte. In Zukunft wird der Titel um das höchste Gebäude der Schweiz wohl als Rennen zwischen Basel und Zürich ausgetragen, denn mit der für 2015 avisierten Fertigstellung des 175 Meter hohen Roche-Turms wird er wieder ans Rheinknie zurückkehren.
126 Meter misst der vom Zürcher Architekturgespann Annette Gigon/Mike Guyer entworfene und mit türkisfarbenem Glas verkleidete Prime Tower, er wird vorwiegend als Bürogebäude genutzt, umfasst aber auch in seinen untersten und obersten Geschossen samt seinen Annexbauten auch Läden und Restaurants. Er befindet sich in Eigentum der Oltner Immobilienverwalterin Swiss Prime Site, welche in der Schweizer Medienwelt vor allem durch die Organisierung und Kostenübernahme der Verschiebung des alten MFO-Verwaltungsgebäude in Oerlikon jüngst Aufmerksamkeit erlangte.
Der Prime Tower steht als Symbol für das neue Zürich mit einer immensen Stadtenwicklung, so wird seit einigen Jahren wieder der Bau von Hochhäusern vorangetrieben, nachdem dies jahrzehntelang aus ästhetischen Gründen vernachlässigt wurde, jetzt aber aus raumplanerischen Gründen eine Kehrtwende eingesetzt hat.
Der Prime Tower dominiert mit dem nahegelegenen Mobimo Tower das im städtebaulichen Umbruch befindende Quartier Zürich West. Rund um den Turm und seine Annexbauten wurde im Bereich der Zahnradstrasse eine autofreie Zone angelegt.

…aber das höchste Bauwerk ganz anderswo

Aber zum höchsten Bauwerk hat es dem Prime Tower bei Weitem nicht gereicht. Denn nicht nur Gebäude zählen als Bauwerke, sondern auch Fernsehtürme und – was in der Schweiz doch am einen oder anderen Ort anzutreffen sind – Staumauern. Zu letzteren gehört das offiziell grösste Bauwerk der Schweiz, zugleich wohl auch eine der berühmtesten Vertreterinnen ihrer Art: Die Grande Dixence auf Gemeindegebiet von Hérémence/VS. Mit 285 Metern Höhe führt sie die Rangliste vor dem Fernsehturm St. Chrischona in Bettingen/BS an, welcher noch 250 Meter in den Himmel ragt. Das Podest wird von einer weiteren Staumauer komplettiert, der 250 Meter hohen Mauvoisin-Bogenstaumauer im Val de Bagnes/VS. Ja selbst in Zürich steht dem Prime Tower mit dem Fernsehturm auf dem Üetliberg noch ein Bauwerk vor der Nase. Selbst die Kühltürme der AKW’s Gösgen/SO und Leibstadt/AG sind noch einige Meterchen höher.
Eine weitere Staumauer der Superlative entsteht bis 2015 im Kanton Glarus. Im Rahmen des Ausbaus des Pumpspeicherkraftwerks Linth-Limmern entsteht am Muttsee auf Gemeindegebiet von Glarus Süd eine ein Kilometer lange Schwergewichtsstaumauer.

Rekordhalter Brücken

Als höchste Brücke der Schweiz gilt die Ganterbrücke der Simplonstrasse in Eister/VS, das vom Schweizer Bauingenieur Christian Menn geplante Bauwerk mit 150 Meter hohen Pfeilern erlangte aber leider weniger wegen seiner aussergewöhnlichen Bauweise – aus Beton gebaute Schrägseilbrücke – sondern vielmehr wegen der hohen Suizidrate Berühmtheit. Daneben existieren noch zahlreiche Skywalks, Hängebrücken ohne Pfeiler, welcher an den Hängen verankert sind, diese sind vielfach an Wanderwegen anzutreffen, beispielsweise im Grimselgebiet oder auf dem Hochstuckli/SZ.
Die längste Brücke der Schweiz ist am Südufer des Vierwaldstättersee anzutreffen, der ebenfalls von Christian Menn entworfene Lehnenviadukt der Autobahn A2 bei Beckenried/NW misst eine Länge von 3155 Metern, interessanterweise ging dieser nahtlos in einen weiteren Rekordhalter über, der Seelisbergtunnel war lange Zeit der längste doppelröhrige Strassentunnel der Welt, hat diesen Titel aber seit geraumer Zeit an einen chinesischen Durchstich abtreten müssen.
In Sachen Eisenbahnbrücken steht seit seiner Fertigstellung 1982 der doppelspurige Hardturmviadukt zwischen den Bahnhöfen Zürich Hardbrücke und Zürich Oerlikon mit einer Länge von 1126 Metern an erster Stelle, zum Brückenzug gehört zudem noch eine Verzweigung Richtung Zürich Altstetten, welche vor allem von Güterzügen der Nord-West-Richtung (Zufahrt Rangierbahnhof Limmattal) als Umgehung von Zürich HB genutzt wird. Doch auch diese Tage sind spätestens 2015 gezählt, denn ein neuer Rekordhalter befindet sich bereits in Bau, der gar vom Hardturmviadukt aus zu sehen ist. Zwischen dem Bahnhof Altstetten und der Hardbrücke entsteht im Rahmen der Durchmesserlinie (DML) die Letzigrabenbrücke, welche nach dem Absinken auf das Niveau der bestehenden Gleise zur Unterquerung der Hardbrücke nahezu nahtlos in die Kohlendreieckbrücke übergeht, welche die Ausfahrt aus dem neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse sicherstellt.

Wo liegt das teuerste Gebäude der Schweiz?

Mit 700 Millionen Franken das wohl teuerste Einzelgebäude der Schweiz: HCI auf dem ETHZ-Campus Hönggerberg

Die höchsten Baukosten für ein Einzelgebäude in der Schweiz betrugen 700 Millionen, verwendet für den Bau des HCI-Gebäudes der ETH Zürich auf dem Hönggerberg. Das im Rahmen der dritten Ausbauetappe des heute als Science City vermarkteten ETH-Campus auf dem Sattel zwischen Höngger- und Käferberg in Zürich-Affoltern trotz Rechtsstreitereien mit dem Architekten der ersten Etappe 1996 in Angriff genommene und 2004 fertig gestellte Gebäude besitzt eine hohe Nutzfläche von knapp 60’000 Quadratmetern, welche auch durch die Ausrichtung des Längstrakts mit seinen fünf Quertrakten sichtbar werden. Das an der Wolfgang-Pauli-Strasse gelegene HCI beherbergt nebst Hörsälen für diverse Fächer auch ein Restaurants und eine Cafeteria; in den fünf Quertrakten, welche Finger symbolisieren, befinden sich vor allem Laboratorien in den Bereichen Chemie, Mikrobiologie und Pharmazie.

Im Kanton Schwyz ist man bescheidener

Höchstes Wohngebäude im Kanton Schwyz: Das Hochhaus Schiller A in Brunnen (rechts im Bild)

Bescheidener als in den übrigen Landesteilen ist man beispielsweise im Kanton Schwyz. Hier misst das höchste Bauwerk 96 Meter, namentlich der Rigi Kulm-Sendeturm auf Gemeindegebiet von Arth/SZ. Mit 55 Metern Höhe gilt das Hochhaus Schiller A in Brunnen/SZ als höchstes Wohngebäude des Kantons, ursprünglich war der 16-stöckige Turm gar mit 25 Stockwerken geplant gewesen, nach Protesten von Naturschutzverbänden entschied man sich jedoch, nebenan das neunstöckige Hochhaus Schiller B zu errichten. In etwa dieselbe Höhe weist das Getreidesilo Brunnen auf, zudem ist in dessen unmittelbarer Nachbarschaft im Rahmen des Nova Brunnen-Projekts eine Skybar in knapp 50 Metern Höhe geplant – ein Wasserspeicher derselben Höhe plant die AGRO Energie Schwyz bei ihrem Energiezentrum Wintersried in Seewen/SZ – imposant in der Region, ein Klacks jedoch gegenüber Bauten wie der Grande Dixence.

Links

  • Details zum HCI-Gebäude der ETH Zürich auf dem Campus Hönggerberg
  • Fakten zum Prime Tower
  • Factsheet der SBB zum Bau der Letzigrabenbrücke (PDF-Datei)
  • Referenzblatt der Bänziger Partner AG zum Lehnenviadukt Beckenried (PDF-Datei)
  • Referenzblatt der SRP AG zur Ganterbrücke (PDF-Datei)
  • Portrait des Rigi-Sendeturms der Gemeinde Arth
  • Website der Grande Dixence
  • Fachschwerpunkt Städte & Entwicklung der ETH Zürich
  • Die Bauwerke der Superlative in der Schweiz
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