Wie man mit Artillerie-Arthur und Konsorten klarkommt

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Wer hat sich nicht selbst im How I Met Your Mother-Charakter Marshall Eriksen gesehen, als dieser von seinem Boss Arthur Hobbs a.k.a. Artillerie-Arthur wegen einer absoluten Lapalie zusammengestaucht wurde? Klar, danach geheult haben die wenigsten, denn das wäre eine falsche Reaktion. Aber wie wird man mit solchen Schreihälsen fertig? Gegen die ist normalerweise kein Kraut gewachsen…

Definitiv schlechte Charaktereigenschaft
Klar kann der Mensch aus der Haut fahren, aber dennoch ist für alle Chefs und die, die es sein wollen, absolute Beherrschtheit am Arbeitsplatz angesagt. Denn kein Mensch hat es verdient, angeschrieen zu werden. Mir ist das auch schon ein paar Mal (als einziger im Geschäft, der seit meinem Arbeitsbeginn angebrüllt wurde – bin ich so unfähig?) passiert, daher weiss ich, dass die Unsicherheit beim Arbeiter rasant zunimmt. Der einzige Gedanke während dem Arbeiten ist stets der, dass man keinen Fehler begeht.
Angeschrieen werden ist schrecklich: Vor allem, wenn man nicht der einzige war, der einen Fehler gemacht hat, aber als Einziger unter Beschuss gekommen war. Niemand, gar niemand darf im Büro oder sonst wo angeschrieen werden! Solche, die schreien, begehen ebenfalls einen Riesenfehler, der sicherlich viel grösser ist als derjenige, der zum Zeter-und-Mordio-Schreien angestachelt hatte. Aber nein, niemand traut sich, dem Schreihals Einhalt zu gebieten. Warum wohl? Ganz genau: Aus Feigheit. Man will sich ja nicht selbst anbrüllen lassen, oder?

Marshall, das falsche Vorbild
Wie bereits im Titel oder in der Einleitung erwähnt, möchte ich den Sachverhalt an einem Beispiel aus der US-TV-Sitcom How I Met Your Mother behandeln, weil dort einer der Titelcharakteren, der von Jason Segel gespielte Marshall Eriksen, durch seinen Boss Arthur Hobbs – der übrigens seiner Wutausbrüche wegen den Spitznamen Artillerie-Arthur verpasst bekam (übrigens ist ARTHUR ein Artillerieaufklärungsradar, dies nur als kleine Notiz am Rande) – emotional gestört wurde. Was übertrieben klingt (Klar, ist ja auch eine TV-Serie), ist auf den zweiten Blick gesehen gar nicht mal so unrealistisch. Marshall hat bei der ersten Wuttirade Hobbs‘ geheult, bei der zweiten ist er ausgerastet und hat den Bettel – kurzum: Seinen Job – hingeschmissen. Diese beiden Reaktionen sind wohl die ersten, die bei einem Tobsuchtsanfall des (Möchtegern-)Vorgesetzten, die aufzutreten scheinen. Doch sie sind falsch. Hier soll man seine Gefühle verbergen und den Ärger herunterschlucken. Der Zusammengestauchte soll tief durchatmen und parallel dazu „Arschloch“ denken, aber ja nicht laut aussprechen. Die Wahrheit ist eben nicht überall angebracht.
Durch das Gebrüll soll man seinen eigenen Ehrgeiz anstacheln, mit dem Ziel, dem Arschloch zu zeigen, was man wirklich kann. Denn in den meisten Fällen verbirgt sich hinter der lauten Fassade ein kleines Würstchen, in dessen Seele es von Unsicherheiten nur so wimmelt.

Warum schreit man?
Um an den vorangegangenen Abschnitt anzuknüpfen, wage ich zu sagen, dass der Angeschrieene meist nicht die Hauptschuld trägt, sondern dessen Handeln, Tun oder halt auch der Fehler brachte das Fass zum Überlaufen. In der heutigen Wirtschafts- und Berufswelt nehmen die Aufgaben, die auf den Schultern eines einzigen Mitarbeiters lasten, zu, gleichzeitig reduzieren Unternehmen aus Kosten- oder angeblichen Preisgründen die Anzahl angebotenener Arbeitsplätze. Der Frust und der Stress nimmt zu, denn auch die direkten Vorgesetzen haben wiederum einen Chef vor der Nase, der ihnen ebenfalls Druck aufsetzt und die Leviten liest. A schreit B an, B brüllt C an, und so weiter. Wenn B seinen Untergebenen C anschreit, dann nicht nur, weil er ihn bestrafen will, sondern weil B gleichzeitig Angst vor der Schimpftirade seines Chefs A bekundet. Es kann auch sein, dass B zuvor von A einen Einlauf verpasst bekam, und die Wut und der Frust danach am Untergebenen auslässt.
Natürlich können Schreihälse mit ihrem Lärm die eigene Unsicherheit kaschieren, Angst, dass man mit dem Projekt nicht fertig wird, oder ähnliche Fälle. Vielleicht hat er auch private Probleme, die er nicht zu Hause lassen kann. Damit man sich während dem Bergsturz des Cholerikers besser fühlen kann, kann man sich ein paar Gründe vor Augen führen, warum der Gegenüber so loslegt: Impotenz, Scheidung, Neid – die Liste ist lang.

Was kann man dagegen machen?
Sicherlich nicht heulen oder kündigen wie Marshall. Auch wenn man als erstes an diese Aktivitäten denkt. Ich wäre am liebsten ein paar Mal aus meiner aktuellen Arbeitsstelle davongelaufen, doch es wäre schade gewesen.
Langes Geschreibe, kurzer Sinn: Wird man angebrüllt, dann soll man weder im selben Tonfall kontern, noch den nächstbesten anschreien. Es gibt bessere Wege, den Ärger zu verarbeiten. Die freigesetzte Energie könnte man in die Arbeit stecken, damit keiner mehr einen Grund findet, so richtig loszulegen. Oder man macht ein paar Minuten früher Feierabend und nutzt die Zeit für andere, vor allem sportliche Aktivitäten, um den Kopf zu lüften. Das Problem ist übrigens allgegenwärtig, unten habe ich einige Seiten mit nützlichen Tipps zur Thematik aufgelistet. Auch kann man nach der Tirade getrost für ein paar Minuten das Zimmer verlassen, entlassen wird man deswegen nicht. Wenn doch, bekommen Sie vor Gericht sicherlich Recht.
Aber auch nur zu sagen, dass man nicht angebrüllt werden will, kann doch helfen. Ich hatte mal einen sehr nervösen Lehrer, der sich relativ leicht aus der Ruhe bringen liess, sehr zur Belustigung der Schüler. Leider stellte ich mal eine Frage, die bereits ein Mitschüler zuvor gestellt hatte, ohne dass ich sie gehört habe. Als er sich fertig ausgetobt hatte, erklärte ich ihm, dass ich es nicht mag, angeschrieen zu werden – mit dem Resultat, dass er sich entschuldigte. An meinem Arbeitsplatz hat sich derjenige, der seine Wut an mir ausgelassen hatte, übrigens nicht entschuldigt. Ist auch eine Charaktereigenschaft, die man sich merken soll. Jeder Mensch kann ausrasten, doch die wahre Stärke zeigt sich nicht mit herumfliegenden Stühlen, rotem Kopf oder dezibelstarker Stimme, nein, im Mut, dem Lärmopfer unter die Augen zu treten und sich zu entschuldigen.
Rechtlich hat das Opfer keine Rechte, denn ein lautstarker Vortrag ist weder Körperverletzung noch Mobbing, auch wenn die Unsicherheit oder das eventuell wegen dem Fehler nagende schlechte Gewissen ebenfalls innere Schmerzen hervorrufen könnten.
Sollte nichts helfen, den täglichen Frust zu reduzieren, dann rate ich dem Betroffenen, sich Freitags und Samstags in eine Kneipe zu setzen und die Lampe zu füllen. Alkohol lässt Kummer und Sorgen vergessen… und noch manches andere!

Links

  • Konfliktbewältigung: Vulkane in der Chefetage, FOCUS Online
  • Wutanfälle: Wie sie sich gegen gemeine Chefs wehren, WELT ONLINE
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