Ach, wenn’s man sooo nötig hat…

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Keine Angst, dahinter steckt keine Zweideutigkeit. Aber sicherlich hat sicher jeder SF-Zuschauer schon mal gefragt, was es mit diesem wappen auf sich hat – es ist nämlich keine Flagge damit gemeint. Basierend auf einem Artikel von 20 Minuten Online werde ich aufzeigen, wie Geldmacherei auch bei einem Staatsunternehmen funktioniert.

Eine Technologie, die sich nicht durchsetzte
Abzockereien gibt es viele, seien es überteuerte Bahnbetreiber, Mobilfunkbetreiber im Allgemeinen oder einfach nur Banken, die Arbeiter entlassen, aber Investmentbankern Milliarden als Spielzeuge zur Verfügung stellen? Von all diesen Boni ganz zu reden. Doch auch staatseigene Unternehmen sollen sich nicht ganz fair zu den Kunden benehmen, wie 20 Minuten heute zeigt. Bei jeder Sendung, egal ob jetzt 5 gegen 5, andere Sven-Epiney-Sendungen (ca. 200 pro Tag) oder Donnschtig-Jass, überall werden vom SF Gewinnspiele veranstaltet, bei denen es entweder Geld oder Ferien in einem teuren Hotel mit wenig Essen in Weggis zu gewinnen gibt. Egal, ob einfach angerufen wird, oder ob entschieden werden muss, ob irgend ein C-Promi zehn Kübel Eichhof aufs Mal exen kann, das Ergebnis ist stets dasselbe: Das Schweizer Fernsehen verdient eine Menge Kohle, denn pro Anruf auf die angegebene(n) 0901-Nummer(n) werden pro Telefon 80 Rappen in die Kassen in Leutschenbach gespült. Dummerweise gibt es halt noch so ein kleines Lotteriegesetz, dass bei solchen Wettbewerbekostenlose Teilnahmen vorschreibt. Da hat man im äussersten Zipfel Oerlikons eine Lösung und auch ein Hinzertürchen gefunden – Wireless Application Protocol, kurz WAP. Dass die Teilnahme über WAP kostenlos ist, wird auch in jeder Sendung explizit erwähnt. Doch es gibt einen Haken: WAP wurde damals für Mobiltelefone entwickelt, um auf den anno dazumal existierenden kleinen Displays trotzdem die Webinhalte anzeigen zu lassen. Dies jedoch nicht zur Kostensenkung, sondern wegen der geringen Rechenleistung der Handys. Böse Zungen gaben dem Standart den Beinamen Wait and Pay, warte und bezahle. Tatsächlich hatte man mit WAP früher keinen Zugriff auf schnelle Datennetze wie UMTS oder HDSPA, und da die Webzeit von den Mobilfunkanbietern stets pro Klick oder Paket abgerechnet wird, entstanden teils horrende Kosten. Dies war auch ein Beitrag, dass das mobile Internet damals nicht den gewünschten Durchbruch schaffte. Diesen schaffte das Internet auf dem Handy mit der Entwicklung der Smartphones rund ums iPhone und die Android-Familien von Samsung und HTC. Mittlerweile wäre zwar WAP über die schnellen Netze möglich, jedoch sind die Internet-Flatrates via Smartphone viel günstiger, weswegen sich der Standard nicht durchsetzte. Obwohl von den Fernsehmoderatoren als gratis bezeichnet, fallen zwar durch das Fernsehen keine Kosten an – an einem Anruf verdient das SF 64 Rappen – jedoch fallen Kosten durch den Mobilfunkbetreiber an. Obwohl viel behauptet ist die Kompatibilität der Handys neuer Generationen mit WAP umstritten, wenn gar unmöglich. Trotzdem hält das SF grosse Stücke auf ihn. Warum wohl?

Ist das SF berechnend?
Der Vorwurf von 20 Minuten ist, dass das SRF bewusst auf WAP setzt, da es in der Bevölkerung abgesehen von Berufsspezialisten kaum bekannt ist, um so mehr Zuschauer zum teuren Telefonanruf zu animieren. Denn, hätte man einen anderen Vertriebskanal, wo keine zusätzlichen Kosten anfallen, beispielsweise die Teilnahme auf der sendungseigenen Website, dann würden viel mehr Teilnehmer auf diesen ausweichen. Aber ehrlich gesagt, wer macht denn bei so einem Gewinnspiel schon mit? Es ist ja offensichtlich, dass die SRG ordentlich die Geldmaschine anwerfen will. Bei vergleichbaren öffentlich-rechtlichen Anstalten wie die ARD oder das ZDF sind Gewinnspielmöglichkeiten selten. Ausnahme ist beziehungsweise war Wetten, dass…?, wo es ebenfalls Gewinnspiele gibt, diese sind jedoch mit einem guten Zweck – der Aktion Mensch – verbunden. Die Gewinnspiellaune aus Leutschenbach lässt starke Züge von 9live erahnen, den es glücklicherweise nicht mehr gibt. Dort war es ja bekannt, dass die Zuschauer verarscht werden. Auch heute noch gibt es solche Angebote, die wahrhaft zum Himmel stinken. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Mike Shiva, jede Karte, die er auf den Tisch legt, bedeuten gefühlte 100 Franken weniger im Portemonnaie des Anrufers. Der Schweizer Konsumentenschutz SKS findet WAP auch problematisch, da man, wenn das nicht funktioniert, schnell zum Hörer greift. Das wäre mal doch ein Thema für den Kassensturz, die spielen ja solche Moralapostel und hacken auf jeder Firma rum, weil die ihre Kunden und Konsumenten bescheissen. Aber dass das eigene Haus nicht gerade mit netten Regeln spielt, scheint diese Sendung nicht zu interessieren. Aber nichtsdestotrotz ist es ein Muss, dass der Kassensturz oder auch Zeitschriften wie der hauseigene k-tipp oder die Konkurrenz vom Beobachter in der Medienwelt geboren sind. Ohne diese würde uns das Geld ununterbrochen aus der Tasche gezogen.
Und ehrlich gesagt müsste das SF die Vorgabe des Lotteriegesetztes ja nicht beachten, denn alle Lottozettel, Benissimo-Lose und sonstige Zettelchen sind ja am Kiosk oder sonstwo auch nicht für lau erhältlich. Aus irgend einem Grund existiert ja der Begriff Spielschuld in unserem Vokabular.

Bewiesener Betrug
Obwohl die ganzen Anschuldigungen umstritten sind, gibt es trotzdem ein Beweisstück, dass das SF nicht mit fairen Mittel spielt. Die Antwort besteht aus einem englischsprachigen Wort: Traders. Die Mittwochabendshow von Roman Kilchsberger ist Verarschung schlechthin. Was mich überhaupt nicht stört ist die Möglichkeit einer Hilfe aus dem Publikum und auch überhaupt nicht, dass diese bei richtiger Antwort ebenfalls was gewinnt. Aber was meine Wenigkeit absolut auf die Palme bringt ist der Umstand, dass man lügen kann, nur um in der Glotze zu kommen. Der Kandidat braucht Hilfe bei einer Frage, und man kann einen eigenen Lebenslauf erfinden, nur um von diesem gewählt zu werden. Egal, ob man die Antwort weiss oder nicht. Je nach dem ist für den Kandidaten das zuvor erspielte Geld weg, der Helferperson kann das egal sein. Und es ist vielen so genannten Helfern egal, nicht selten wurde äusserst skrupellos agiert. Ich habe die Sendung nur einmal angesehen, da frage sich noch einer, warum das SF so schlechte Quoten aufweist? Der Titel sagt ja alles, denn Traders sind in der Wirtschafswelt solche, die Finanzgeschäfte tätigen. Dass diese unfair oder gar illegal sind, muss ich wohl nicht mehr extra ausführen. Beispiel gefällig? In jener besagten Sendung vom 12. Januar 2011, die ich gesehen habe, war die Frage an die Kandidatin, welcher Kanton nebst Zug und Schwyz noch Uferanteil am Zugersee habe. Zwei Joker standen auf, einer sagte, dass er es weiss, weil er viel dem See entlang radle. War glaubhaft. Die Kandidatin entschied sich jedoch für die Helferin, welche angab, die Antwort zu kennen, weil sie in Cham/ZG lebe. Die Entscheidung nachvollziehbar, denn ich hätte auch mehr Vertrauen in diejenige Person, die am See lebt, als an die, die ihn nur von der Freizeit her kennt. Doch die Sache mit Cham stellte sich als Fehler heraus, denn die „Chamerin“ gab als erste Antwort Nidwalden an, verbesserte sich aber danach zu Luzern, legte sich aber wieder auf Nidwalden fest, dann wieder Nidwalden… Die Kandidatin hatte Glück im Unglück, denn durch einen Geistesblitz entschied sie sich für ihre erste Intuition – Luzern, und hatte Glück. Obwohl die Trader (damals) bei einer falschen Antwort das erhandelte Geld behalten durften, glaubte die „Chamerin“ ihr Geld in ihren Händen zu wissen, obwohl die Kandidatin nicht ihrer Antwort gefolgt war. Deshalb war die Sendung noch ausnahmsweise mal fair und sie ging mit leeren Händen nach Hause.

Tipps von meiner Seite
Mein grösster Tipp ist sowieso das Fingerlassen von solchen Gewinnspielen. Ich vergeude doch nicht so viel Geld für solchen Karsumpel, nur um per Telefon Beni Thurnheer und Konsorten mitzuteilen, ob sich die Schweizer Nationalmannschaft gegen Wasweissichistan durchsetzt oder wieder mal eins auf den Deckel bekommt. Sich fast totanrufen wegen 5000 Franken ist lächerlich, lieber mal den Chef um eine kleine Lohnerhöhung bitten, die Erfolgsschancen sind höher. Auch wenn sie in Weggis Urlaub machen wollen, dann können sie doch selbst buchen. Es muss ja nicht das Park Hotel sein, oder? Ich würde mich dort sowieso nicht wohlfühlen unter all solchen, die den Aufenthalt dort als normal erachten. Sollten Sie jedoch nicht auf WAP verzichten wollen, dann sorgen Sie dafür, dass die Teilnahme wirklich gratis ist und unternehmen ihren Ausflug über ein WLAN-Netzwerk. Aber die Erfolgschancen einer WAP-Teilnahme sind noch geringer als die einer Partizipation via Telefon.
Aber auch das SF sollte sich ändern. Würde man sich dem Zuschauerinnen und Zuschauern wieder vermehrt fair benehmen, so könnte das reziproke Auswirkungen haben: Es würden wieder mehr Sendungen aus Leutschenbach gesehen, das Vertrauen in die öffentlich-rechtliche Anstalt würde wieder wachsen. Denn ich frage mich sowieso, wieso es die SRG überhaupt nötig hat, so Geld einzuheimsen, sie gehört ja dem Staat, der ihr ja notfalls unter die Arme greifen würde. Bei einem Privatsender würde ich das ja noch verstehen, denn sie bekommen kein Geld von der Billag und müssen alles per Werbung finanzieren. Doch bei 3+ geht es bei weitem nicht so schlimm zur Sache wie beim SF, einzig die zehnstündige ESO.tv-Sendung geht mir auf den Geist, dafür wird man während dem Rest des Tages in Ruhe gelassen.
Aber sowieso, ausser Sportübertragungen läuft im Hause SRF sowieso nur noch Schrott.

Aber der Zuschauer muss sich halt auch nicht lumpen lassen, denn Abzockerei beruht stets auf Gegenseitigkeit.
Traders vom 12.01.2011
Traders vom 12. Januar 2011, mit der Zugersee-Frage

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