Unsere Banker spielen – und niemand will was gemerkt haben

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Jetzt muss auch noch der grösste aller Zyniker seinen Senf zu der heute publik gewordenen UBS-Affäre geben. Und wie ich mich darauf freue… Was wir wissen ist, dass in London ein 31-jähriger Investmentbanker der UBS festgenommen wurde, weil er ganze zwei Milliarden verzockt habe. In aller Welt macht man sich darüber lustig und während alle wieder einmal die Investmentbranche kritisieren, sorgt sich Toni Brunner (natürlich) nur wieder einmal um das Ansehen der Schweiz…

Im Kindergarten ist normalerweise eine Aufseherin da…
Der 31-jährige wird beschuldigt, insgesamt zwei Milliarden Dollar bei unerlaubten Spekulationen verjubelt zu haben. Bei der UBS gibt jedermann an, natürlich nichts über die Angelegenheiten gewusst zu haben, die Überwachung sei ganz einfach schief gelaufen. Aha. Interessant. Ich lach mich tot. Aber die Polizei kommt dem Schlamassel nullkommanichts auf die Spur. Sehr lehrreich. Da darf einer den ganzen Tag spielen, wie er will, aber niemand passt auf. Die UBS ist eine Schweizer Bank, und in der Schweiz sind in der Spielgruppe oder im Kindergarten doch stets Aufseherinnen – und in den letzten Jahren mit zunehmender Zahl auch Aufseher – zugegen. Aber offensichtlich macht die UBS mal wieder eine Ausnahme. Statt eine seiner mit emotionaler Mimik und ebenso ergreifender Stimme gepfefferte Rede zu halten, entschied sich UBS-Chef Oswald Grübel dafür, eine E-Mail an alle Angestellten zu versenden, um die Wogen zu glätten. Die fundamentale Stärke der Bank werde seiner Ansicht nach nicht gefährdet. Aha. Der Aktienkurs sackte während des Tages um 10% ab, die Bank war abends vier Milliarden Franken weniger Wert als noch am Morgen. Sie hat also sechs Milliarden innert einem Tag verloren, und dazu (wieder mal) einen beträchtlichen Teil ihres Ansehens. Der Wert einer einzelnen UBS an der Schweizer Börse SIX schloss bei 9,75 Franken und war damit so tief wie seit dem Frühling 2009 nicht mehr. Die Eigenproduktion von WC-Papier, wie es Peach Weber mal treffend formulierte, kann so wieder gesteigert werden. Und auch Kaspar Villiger, seines Zeichens ja UBS-Verwaltungsratspräsident (ja wie lange denn eigentlich noch?), zeigte sich „enttäuscht„. Ach ja, Herr Villiger. Dass sie gerade hier den Moralapostel geben müssen. An ihrer alten Arbeitsstelle bei den sieben Zwergen in Bern hätten sie ja mithilfe ihrer heutigen Arbeitgeberin mit einer Milliarde die Swissair und damit auch viele tausend Arbeitsplätze in aller Welt retten können, oder etwa nicht?

Überall wird gespart, und da kann einer mit Geld um sich werfen
Die UBS hat zahlreiche Sparmassnahmen hinter sich, bei denen zahlreiche Angestellte ihren Posten räumen mussten, ihre Kartonkiste packen „durften“ und nun stempeln gehen. Aber was nützen solche Sparmassnahmen, wenn eine einzelne Person die Befugnis hat, über zwei Milliarden Dollar frei nach dem Gusto Schalten und Walten zu können. Vom Staatsapparat Schweiz erhielt sie vor zwei Jahren – Bundesrat Merz hatte für ihn zur richtigen Zeit einen Herzinfarkt gekriegt und hatte seine Stellvertreterin im EFD, die heutige „echte“ Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, ins eiskalte Wasser geworfen – als Rettungspaket 68 Milliarden Franken. Wohin diese gebuttert wurden, weiss man nicht, obwohl der Steuerzahler ein Recht darauf hätte, schliesslich hat er das Portemonnaie für diese Monopoly-Spieler und Möchtegern-Experten geleert. Teilweise gerechtfertigt, wenn von der UBS tatsächlich die halbe Schweizer Wirtschaft abhängig sei. Definitiv nicht gerechtfertigt, wenn man so seinen Angestellten ein neues Spielzeug verschafft. Ehrlich gesagt: Welchen Nutzen in aller Welt haben Spekulationen? Einige werden reich, die anderen eingelocht. Und wem bringt’s etwas? Ich würde auch so dreinschauen wie Oswald Grübel, müsste ich so einen Schuppen leiten, bei dem das Geld ja buchstäblich aus dem Fenster rausgeworfen ist. Nur noch eine kleine Frage zum Schluss: Die UBS hat zwei Milliarden verloren, aber wer hat sie gewonnen?

Kritik von allen Seiten
Die Kritik ist von allen Seiten gross. Im Internet haben sich zahlreiche Twitter-User über die Affäre lustig gemacht. Die Tweets reichen von UBS, I did it again als Anspielung auf Britney Spears‘ Hit Oops I dit it again bis hin zu Ugly Bank of Switzerland. Tatsache ist, dass die UBS rein gar nichts aus der Vergangenheit gelernt habe. Auch in Bern sehen das viele so, die Entrüstung ist gross. Ironischerweise findet in diesen Tagen im Nationalrat gerade eine Debatte über die Too big to fail-Strategie von Eveline Widmer-Schlumpf statt. Noch vor wenigen Tagen hatte Grübel der Politik vorgeworfen, sie zerstöre den Finanzplatz Schweiz. Aber dazu braucht es keine Politiker, nein die UBS zerstört sich selbst und damit auch den Bankenplatz Schweiz. Es sei denn, der Grossbank werden dann wieder etliche Milliarden nachgeworfen. Sollte dies der Fall sein, weigere ich mich handfest, auch nur einen Rappen an Steuern zu bezahlen. Es sollen mal die Schuldigen zur Kasse gebeten werden. Marcel Ospel haust ja heute in einer schicken Villa in Hurden/SZ und meint, alle müssten nach seiner Pfeife tanzen. Während viele Politiker Kritik an der UBS übten, bedauert Toni Brunner diese und sorge sich um das Image der Schweiz. Das ist eh schon im Arsch, und sehr viel dazu haben Brunner und seine Gleichgesinnten beigetragen. Ich weiss schon, dass ich mich gemäss meinen Richtlinien zu politischer Neutralität verpflichtet habe, aber langsam kommt mir die Galle hoch. So kommen wir nicht weiter, es macht sowieso jeder, was er will.

Vielen Dank und gute Nacht!

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