Sommerserie Champions League: Teil 3: Real Madrid

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Mit grossen Ambitionen starten sie, die Königlichen aus der spanischen Hauptstadt, in die diesjährige Champions League-Saison. Die Misstöne neben dem Platz sind aber genauso gross wie die Anzahl der klingenden Namen im Kader des spanischen Rekordmeisters. Die grosse Frage ist daher, wird es Real schaffen, dem Ligarivalen Barcelona auch auf dem europäischen Parkett gefährlich zu werden?

Grosse Investitionen in den vergangenen Jahren

2009 hat der Bauunternehmer Florentino Perez in seiner Funktion als Real-Präsident mächtig investiert. Serienweise hat er Stars im Bernabeu zusammengetrommelt, natürlich nicht ohne den aktuellen Rekordtransfer zu tätigen: Cristiano Ronaldo kam für 94 Millionen Euro von Manchester United, dazu wurden Kaka, Xabi Alonso und Karim Benzema verpflichtet. Das Ziel Perez‘ war es, analog zu seiner ersten Amtszeit das Who is Who des Weltfussballs in seinen eigenen Reihen zu wissen: 2002 erhielt Real den Übernamen Los Galácticos (die Galaktischen), da sie die Topstars Luis Figo, Zinedine Zidane, Ronaldo (der WAHRE), David Beckham und Michael Owen in ihren Reihen zu wissen hatten. Dazu kamen aus den eigenen Reihen der heutige Schalker Raúl und der als einziger immer noch bei Real spielende Torwart Iker Casillas, sowie der Brasilianer Roberto Carlos, der jedoch bereits ab 1996 für den Hauptstadtklub spielte. Damals zerfiel die Weltauswahl jedoch wegen defensiver Instabilität, der Entlassung des heutigen spanischen Nationaltrainers Vicente del Bosque und den Eigeninteressen der Spieler. Das hielt Florentino Perez jedoch nicht ab, nach seiner Rückkehr auf den Real-Thron, einen zweiten Versuch namens Galácticos 2.0 zu starten. Nebst den bereits erwähnten Cristiano Ronaldo, Kaka, Alonso und Benzema kamen auch Abwehrspieler wie Ricardo Carvalho oder Raul Abiol zu den Königlichen, dazu wurde das neue Spielzeug Perez‘ mit etablierten Spielern wie Raúl oder Casillas ergänzt. Als Trainer wurde der Chilene Manuel Pellegrini, der damals mit Villarreal überraschende Erfolge feierte, verpflichtet. Das Ziel war der Gewinn der Champions League, fand doch das Finale 2010 doch ausgerechnte im Santiago Bernabeu statt. Doch die Gruppe harmonierte noch nicht wie gewünscht, die Saison blieb titellos und Pellegrini wurde die Tür gezeigt. Aufgrund der Neuverpflichtungen hatte man für die Niederländer Wesley Sneijder und Arien Robben keinen Platz mehr gefunden, und verkaufte sie. Die beiden wechselten vor der Saison zu Inter (Sneijder) und Bayern (Robben) und führten ihre neuen Teams ins CL-Finale. Robben sicherte sich der Legende nach gleich seinen ehemaligen Garderobenschrank. Perez zeigte sich beeindruckt: Er lotste Inter-Trainer José Mourinho, der nebst der Champions League auch die Meisterschaft und den Pokal in Italien gewann, zu Real. Begleitet wurde der portugiesische Startrainer von weiteren Neueinkäufen wie Angel di Maria, Mesut Özil und Sami Khedira. Dafür „durften“ die Real-Legenden Guti und Raúl gehen.

Mit Mourinho kam der erste Titel, aber…

Mourinho war erfolgreicher als sein Vorgänger Pellegrini, so schied der Verein erstmals seit 2004 nicht im CL-Achtelfinale aus, sondern scheiterte erst im Halbfinal am späteren Sieger und Ligarivalen FC Barcelona. In der Liga hatte man aber gegenüber den Katalanen das Nachsehen, konnte sie jedoch im Finale der Copa del Rey mit 1:0 nach Verlängerung in die Knie zwingen. Perez hatte seinen ersten Titel, wenn auch nicht der gewünschte. Mourinho verringerte zwar den Unterschied zwischen Real und Barça, doch er liess auch neben den Platz aufhorchen, und zwar mit negativen Tönen. Einerseits ekelte The Special One Sportdirektor Jorge Valdano aus dem Amt und machte sich selber zu dessen Nachfolger, andererseits holte er zu Rundumschlägen gegenüber den Schiedsrichtern aus. Für seine Ausraster wurde er auch gesperrt, doch das hielt ihn nicht davon ab, insbesondere auf Ligakrösus Barcelona einzuschiessen, vor allem nachdem es seinen Ansichten nach „Standard“ geworden ist, dass die Madrilenen die Clásicos jeweils zu zehnt beendeten. Den Höhepunkt der Komödie Mourinho vs. Barça erlebten die Fussballfans anlässlich der Supercopa, die Barcelona nach Hin- und Rückspiel mit 2:2 und 3:2 für sich entschied, als der Portugiese dem Barcelona-Assistenztrainer den Finger ins Gesicht drückte. Auch bei diesem Spiel gab es rote Karten – Özil musste vom Platz. Dass auch Villa des Feldes verwiesen wurde, scheint Mourinho egal zu sein. Auch wenn Mourinho vielleicht nebst ManUnited-Manager Sir Alex Ferguson der beste Trainer der Welt ist, hat er keine Disziplin. Wie soll er also seinen Schäfchen Disziplin beibringen, wenn er sie selbst nicht hat. Als Coach hat man eine Vorbildfunktion, und Mourinho ist in disziplinarischen Angelegenheiten überhaupt kein Vorbild für seine Mannschaft.

Stärken und Schwächen

Real hat eine stargespickte Offensive, die zur Sommerpause 2011 noch mit dem bisherigen Dortmunder Nuri Sahin verstärkt wurde. Dies ist einerseits eine Stärke, aber auch eine Schwäche der Madrilenen. Mourinho ist ein Verfechter der Defensivtaktik und kegelte mit dieser zu seiner Inter-Zeit 2010 Barcelona aus der Champions League. Doch Cristiano Ronaldo, Özil und Co. missfällt dies früher oder später. Zudem ist Real auf vielen Positionen doppelt mit Stars besetzt, so bleibt Kaka momentan Özil gegenüber das Nachsehen. Spannungen sind vorprogrammiert. Auch der Nachwuchs kommt zu kurz, Eigengewächse sind kaum noch vorhanden, oder kommen höchst selten zum Einsatz. Eher werden sie an andere spanische Klubs verliehen.

Real ist auf allen Positionen stark besetzt, doch sind von der Disziplin her grosse Schwächen auszumachen. Platzverweise sind nicht selten, aber eine Verbesserung wird von Trainerseite auch nicht angegangen. Die grossmäulige Portugiesen-Fraktion (Mourinho und Cristiano Ronaldo) macht vielfach mit grossen Sprüchen auf sich aufmerksam, sie sollten sich eher an ihren Landsleuten Pepe und Ricardo Carvalho orientieren, die schweigend ihren Job im Bernabeu machen.

Fazit

Real ist nebst Manchester United einer der Kandidaten, die Barcelona gefährlich werden können. Aber nur wenn sie wollen und sich aufs Spielerische konzentrieren. Denn all die Verfahren wirken sich negativ auf das psychische und physische Verhalten der Spieler aus. Mourinho sollte weniger reden, sondern Taten vollbringen. Denn auch sein Job ist nicht mit absoluter Sicherheit versehen, vor allem, wenn am Ende der Saison wieder kein Titel oder „nur“ die Copa del Rey als Lohn der finanziellen Mühe herausschaut.

Bereits erschienen in der Sommerserie Champions League:

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