Die einzig wahre Massnahme gegen den starken Franken

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Sowohl der Euro als auch der Dollar sind im Vergleich zum Franken im Sturzflug, ja gar im freien Fall. Während viele jaulen, man solle etwas für den eigenen Wohlstand tun, da muss ich sagen, man ist doch ein kleines Bisschen selber schuld. Und es gäbe eine einzige Massnahme, die wirken würde…

Euro und Dollar im freien Fall

Im zweiten Quartal des Jahres 2011 hat die Misere begonnen und hat in diesen Tagen mal wieder einen neuen Tiefpunkt erreicht. Auslöser für diese Krise ist einerseits der Schuldenstreit in den USA – dem Land droht die Zahlungsunfähigkeit – sowie die europäische Schuldenkrise. Portugal, Irland, Griechenland und Spanien, aber auch Italien, stehen dem Staatsbankrott nahe und mussten in der Vergangenheit Hilfe in Form von grossen Rettungspaketen in Anspruch nehmen. An Portugal möchte ich nun die Entstehung der Krise näher erläutern: Die Lusitanier, eher arm, können für neue, gigantische Infrastrukturprojekte Berge versetzen: Anlässlich der Weltausstellung in Lissabon 1998 wurde eine 17 Kilometer lange Brücke über den Tejo nach Alcochete – die Ponte Vasco da Gama – errichtet. Ich möchte jetzt nicht die Notwendigkeit der Existenz der Brücke in Frage stellen, Lissabon leidet unter einem Verkehrschaos, da die Verbindung zum südlichen Tejoufer mit öffentlichen Verkehrsmittel ziemlich unbefriedigend ist. In den letzten Jahren hat die Regierung vor allem mit geplanten Grossprojekten wie dem neuen Lissabonner Flughafen in Alcochete und zwei Hochgeschwindigkeitsstrecken für die Eisenbahn zwischen Lissabon und Porto beziehungsweise zwischen Lissabon und Madrid von sich reden gemacht. Bei letzterer wird, wenn überhaupt, zunächst auf der spanischen Seite gebaut. Das Problem ist nur, die Neubaustrecken werden in europäischer Normalspur (1435 mm) gebaut, die Altstrecke ist jedoch in der iberischen Breitspur (1668 mm) vorhanden, so dass Umspuranlagen notwendig wären. Die Eröffnung der Bahnlinien wären auf 2013 (nach Madrid) und 2015 (nach Porto) terminiert gewesen, die Fertigstellung des Flughafens auf 2017. Jetzt hat sich alles auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein weiteres Beispiel portugiesischer Verschwendung: Zwischen Lissabon und Porto ist seit Jahrzehnten eine Autobahn durchs Landesinnere in Betrieb, die auch die meistbefahrendste des Landes ist. Als diese aus allen Nähten zu platzen drohte, wurde statt eines Ausbaus der bisherigen, eine neue entlang der Westküste gebaut. Da nun beide an ihrer Kapazitätsgrenze befahren werden, ist nun eine dritte Verbindung zwischen den beiden grössten portugiesischen Städten geplant.
In den USA wiederum sorgt die Schuldenkrise für Unsicherheit. Eine Unsicherheit, die sich in allen Börsenmärkten der Welt niederschlägt. Die offiziellen Staatsschulden sind auf gigantische 14, 47 Billionen US-Dollar (Stand: 10. August, 10:44 MESZ) gewachsen und steigen immer noch rasant an. Inoffiziell sollen sie sich sogar bei rund 75 Billionen Dollar befinden. US-Präsident Barack Obama, seine Demokratische Partei und die Republikanische Partei haben sich in allergrösster Not auf einen ziemlich waghalsigen Rettungsplan geeinigt. Obama musste dabei zahlreiche Kompromisse eingehen. Die von ihm verlangte Mehrbesteuerung von hohen Einkommen hat zum Beispiel keinen Platz im Plan erhalten. Das Land steht vor seiner Zahlungsunfähigkeit und steht in einem Clinch mit den Ratingagenturen, die den USA mit dem Verlust der Rating-Bestnote AAA drohen. Standard & Poor’s hat die Drohung bereits in die Tat umgesetzt und die USA mit AA+ benotet. Diese Benotung hat für ein Erdbeben in der Wirtschaft gesorgt, obwohl der Staat mit AA+ meiner Meinung nach noch relativ gut bedient ist. Zum Vergleich: Portugal steht zur Zeit BBB, was soviel wie „Ramschniveau“ bedeutet. Jetzt müssen die Amerikaner mal handeln, und nicht nur mit grossen Worten herumposaunen. Doch zuerst müssen sie mal aufhören, immer sich selbst im Wege zu stehen. Das ist zwar schwierig, Obama ist Demokrat, während die Republikaner im Repräsentantenhaus (entspricht dem Schweizer Nationalrat) eine satte Mehrheit aufweisen können, aber mit ein bisschen Menschenverstand – vor allem auf Seiten der Republikaner – doch machbar.

Einkaufen ennet der Grenze beliebt

Die Züge in die grenznahen Städte wie Konstanz oder Waldshut sind teilweise zum Bersten voll. Die Passagiere sind allesamt mit Einkaufstüten- und wägelchen bewaffnet. Durch den tiefen Euro ist das Einkaufen ennet der Grenze besonders beliebt. Viele in der Schweiz jammern, dass dadurch die Schweizer Wirtschaft geschädigt wird. Aber da muss ich jetzt halt mal sagen, ihr Händler seid selber schuld! Bald ist das Verhältnis Euro-Franken 1:1, und das allein ist überhaupt kein Grund, in Deutschland einzukaufen. Der Hauptgrund ist, dass die Schweizer Preise viel zu hoch sind. Jetzt hat man beinahe den 1:1-Vergleich auf Papier, und da wundert’s einem noch, wenn man nicht nach Konstanz geht um für gewisse Produkte noch die Hälfte zu bezahlen als hierzulande. Eine Preissenkung würde die Leute dazu bewegen, wieder im eigenen Land einzukaufen.

Problem der Exportwirtschaft jedoch nicht gelöst

Mit einem Einkauf innerhalb der Schweizer Grenzen ist jedoch das Hauptproblem des starken Frankens nicht gelöst: Viele Unternehmen sind von der Exportwirtschaft abhängig und müssen deshalb ihre Preise in den jeweiligen Ländern anpassen. Diese Steigerung hält viele Kunden davon ab, sich für das Produkt des Schweizer Herstellers zu entscheiden. Weitere, unbeliebte Massnahmen wurden getroffen, so entschied der Chemiekonzern Lonza, die Belegschaft bei gleichem Lohn zwei Stunden pro Woche länger arbeiten zu lassen. Das Problem ist mittlerweile auch international bekannt, das vor allem Medien aus den Euro-Staaten lieber über die Schweiz berichten als über die eigenen Schuldenkrisen.

Zinssenkungen bringen nichts

Die von der Schweizerischen Nationalbank SNB veranlassten Zinssenkungen, um den Franken für Investoren unattraktiv zu machen, haben nur kurzzeitig gefruchtet. Aber wie wäre es, mal bei den Importeuren anzuklopfen: Sie haben jetzt einen grösseren Gewinnbetrag als zuvor, wo der Euro noch 1.50 Franken wert war, denn sie operieren heute immer noch mit einem Wechselkurs von 1.40. Der Bund soll bei den Importpreisen eine Maximalschranke einbauen, denn auch so könne die Wirtschaft gerettet werden. Das ist ja eh fast wieder typisch Schweiz: Die Zwischenimporte. Wieso kann ein Geschäft seine Ware nicht selbst aus dem Ausland importieren? Wenn man sich zum Beispiel in der Elektronikbranche umsieht: Der Händler Digitec bezieht seine Artikel nicht über einen Importeur, sondern direkt von den Herstellern, während die Grossmächte wie Fust, Interdiscount oder M-electronics allesamt über Zwischenhändler zu ihrer Ware kommen. Ein Vergleich: Der schon seit letzten September erhältliche iPod Touch von Apple mit einer Speicherkapazität von 64 GB ist bei Digitec für 451 Franken erhältlich, während er bei Interdiscount mit 489 Franken zu Buche schlägt. Als ich den Artikel im letzten Februar bei Digitec kaufte, konnte ich damals gegenüber Fust und Interdiscount rund 100 Franken einsparen.

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