Adieu GA und Halbtax, jetzt kommt der SwissPass

Lange war es schon angekündigt, nun liess der Verband für öffentlichen Verkehr (VöV) die Bombe platzen: Die blauen Kärtchen vom Generalabonnement und dem Halbtax gehören ab dem 1. August 2015 der Vergangenheit an. Ersetzt wird er durch ein rotes Pendant, dem SwissPass. Pluspunkt: Auf die mit einem RFID-Chip versehene Karte können künftig auch weitere Abonnemente geladen werden. Minuspunkt: Da das eigentliche Abonnement nicht mehr auf den ersten Blick erkennbar ist, muss jeder SwissPass von den Kontrolleuren mit einem entsprechenden Lesegerät gelesen werden. Die wichtigsten Antworten gibt es hier.

Was ist der neue SwissPass?

So sieht der neue SwissPass aus (Foto ©SBBCFFFFS/Verband für öffentlichen Verkehr)

So sieht der neue SwissPass aus (Foto ©SBBCFFFFS/Verband für öffentlichen Verkehr)

Unter dem Namen SwissPass versteht der Verband für öffentlichen Verkehr (VöV) eine rote Karte, in der ein RFID-Chip implementiert ist. Auf der Karte selbst sind nunmehr Foto, Namen, Geburtsdatum und eine Identifikationsnummer zu finden, welches Abo – Halbtax oder Generalabonnement – nun tatsächlich auf der Karte draufgeladen ist, muss der Kontrolleur mit einem entsprechenden RFID-Lesegerät herausfinden. Nebst den beiden SBB-Abonnementen sollen künftig auch Zonenabonnemente oder Skisaisonkarten auf den SwissPass geladen werden können.

Wie gelange ich an einen SwissPass?

Neunutzer können ihn ab dem 15. Juni 2015 an allen bedienten Verkaufsstellen des öffentlichen Verkehrs oder im Internet erwerben, frühester Gültigkeitszeitpunkt ist der 1. August 2015. Wer davor ein Abonnement möchte, erhält die aktuellen Produkte. Bisherige Inhaber eines GA oder eines Halbtax erhalten den SwissPass automatisch, wenn das jeweilige Abo zum ersten Mal nach dem 1. August 2015 verlängert wird. Ist das GA beispielsweise bis 1. Januar 2016 gültig, wird der Inhaber erst ab 2. Januar 2016 in Besitz eines SwissPass gelangen.

Was kann ausser GA oder Halbtax noch auf dem SwissPass zu finden sein?

Wie oben bereits erwähnt, sollen künftig auf dem SwissPass auch die Jahres- oder Monatskarten für die jeweiligen Tarifverbunde zu finden sein. Den Anfang werden im Jahr 2016 die Städte Genf und Lausanne machen, auch der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) wird alsbald folgen. Bis 2018 sollen dann alle Tarifverbunde der Schweiz vertreten sein. Zudem sollen auch die Mitgliedskarte für Mobility Carsharing oder Skisaisonkarten auf den Pass geladen werden können. Bereits die Zusammenarbeit angekündigt haben die Skigebiete der Jungfrauregion, Arosa-Lenzerheide, Hoher Kasten, Lauchernalp, Flumserberg, Stoos und Engelberg-Titlis.

Was sind die Vorteile des SwissPass?

Die Kombination von mehreren Abonnementen auf einer Karte sorgt für merkbare Entschlackung im eigenen Portemonnaie. Zudem wird für den Kunden die Kontrolle einfacher. Wer beispielsweise als Besitzer eines Ein-Zonen-Schwyzer Passes und eines Halbtax-Abonnements im InterRegio von Brunnen nach Arth-Goldau reist, muss heute bei der Kontrolle nebst den beiden Abonnements noch das Anschlussbillet Schwyz–Arth-Goldau vorweisen. Künftig zeigt er nebst dem Anschlussbillet, das auch künftig gewöhnlich am Schalter oder am Automaten gelöst wird, nur noch den SwissPass, durch das Lesen des RFID-Chips erkennt der Kontrolleur an seinem Gerät, dass der Fahrgast in Besitz des Halbtax‘ und des Schwyzer Passes für eine Zone ist.
Mobility Carsharing oder die Skiabonnemente erleichtern die Mobilität. Zudem wird in diesem Falle nicht jedes Jahr eine neue Karte produziert, sondern der entsprechende Betrag auf die Karte geladen. Zusammen mit dem Kauf des SwissPass erhält der Kunde ein Nutzerkonto im Internet, wo er seine aktuellen Abonnemente abrufen kann und diverse administrative Angelegenheiten wie Erwerben eines neuen Abos oder Kündigen des SwissPass erledigen kann. Zudem hat der Nutzer dort die Übersicht auf bereits bezahlte oder noch offene Rechnungen und kann dort auch das entsprechende Foto hochladen – das Vorweisen eines Passfotos am Billetschalter ist künftig nicht mehr vonnöten.
Durch die notwendige Lesen ist jeder Kunde gezwungen, den SwissPass dem Kontrolleur auszuhändigen. Tricks wie das Zeigen durch die Klarsichtfolie des Portemonnaies, wo die Jahreszahlen der Gültigkeiten nicht vollständig sichtbar sind, oder Sprüche bei Bergbahnen wie Ich habe ein GA, muss ich es zeigen? gehören nun endlich der Vergangenheit an. Zudem ist beim SwissPass die Möglichkeit für Manipulationen von Seiten der Kunden merklich geringer als bei der aktuellen Situation.

Was sind die Nachteile des SwissPass?

Mithilfe dieses QR-Codes (unten links) erhält das Lesegerät Zugriff auf den RFID-Chip

Mithilfe dieses QR-Codes (unten links) erhält das Lesegerät Zugriff auf den RFID-Chip

Als grösster Nachteil wird sich wohl die Verlängerung der Billetkontrolle im Zug oder im Bus erweisen, wenn die Karte zuerst mit dem RFID-Gerät gelesen werden muss. Der SwissPass ist ein erster Schritt auf die geplante Lesung der Abonnements durch eine Lichtschranke oder einem Lesegerät beim Einstieg in das Verkehrsmittel, analog zur Oyster Card in London oder der Chipkaart in den Niederlanden.
Weiters sorgen auch die geplante automatische Abonnementverlängerung oder allfällige Datenschutzprobleme für Kritik. Zudem werden wohl einige GA-Besitzer damit hadern, dass es äusserlich keinen Unterschied mehr zwischen GA und Halbtax gibt, geschweige denn zwischen einem GA 1. Klasse und einem GA 2. Klasse. Das ist aber unter Umständen auch als Vorteil zu sehen, da dann die von vermeintlich Höherstehenden gerne gesehen Zweiklassengesellschaft wenigstens für den äusseren Betrachter nicht mehr zu sehen ist.
Der SwissPass lebt von der Technik, und Technik ist störungsanfällig. Sollte das Lesen des RFID-Chips Probleme bereiten, schafft die Identifikationsnummer Abhilfe. Mit dem Eingeben dieser auf dem Lesegerät oder einem Mobiltelefon mit entsprechender Applikation werden für den Kontrolleur die gleichen Daten sichtbar sein wie beim Lesen des RFID-Chips.
Leider verschwinden mit dem SwissPass die Möglichkeiten, das Halbtax-Abonnement gleich für zwei oder drei Jahre zu lösen, was für den Kunden Preisvorteile mit sich brachte. Ebenfalls verschwinden wird die bei Kunden ziemlich beliebte Kombination von Halbtax und VISA-Kreditkarte, die den Kontrolleuren jedoch nicht selten wegen den sehr kleinen Angaben von Gültigkeitsdaten und Foto des Eigentümers/der Eigentümerin Probleme bereitet hatte.

Wie funktioniert das mit der automatischen Aboverlängerung?

Der Karteninhaber erhält vom VöV ein paar Wochen vor Ablauf des Abonnements einen Hinweis, dass im Falle einer Nicht-Kündigung das entsprechende Abo um ein Jahr verlängert wird. Die Kündigung kann dann in mehreren Möglichkeiten erfolgen, so per Telefon, am Schalter, per Brief oder per Mausklick im persönlichen SwissPass-Konto im Internet. Diese automatische Aboverlängerung sorgt für Kritik, jedoch ist sie in anderen Branchen wie bei Mobilfunkverträgen oder bei Zeitungsprobeabos längst Realität. Mindestens zu Beginn werden sich VöV und die beteiligten Transportunternehmen wie SBB oder BLS kulant zeigen, so dass auch weiterhin Unterbrüche möglich sein werden oder das Abo nicht automatisch neu verrechnet wird. Jedoch soll der Mensch immerhin ein wenig Eigenverantwortung zeigen, ein Hinweis auf das ablaufende Abonnement soll doch genügend, die gewünschten Schritte einzuleiten.

Was geschieht mit dem bisherigen Swiss Pass für ausländische Touristen?

Der bisherige Swiss Pass, welcher als eine Art Ferien-GA samt vergünstigte Museumseintritte für ausländische Touristen in verschiedenen Kombinationen wie Saver Pass oder Flexi Pass grosser Beliebtheit erfreut, figuriert bereits seit Anfang 2015 unter dem neuen Namen Swiss Travel Pass, um just Verwechslungen mit dem neuen VöV-Produkt zu vermeiden, und kann seit demselben Stichdatum auch als Online-Ticket erworben werden.

Fazit

Der SwissPass vereinfacht einiges, steht aber auch vor einigen technischen und logistischen Herausforderungen für die Mitarbeiter. Die Organisationen des öffentlichen Verkehrs sind auch in diesem Projekt Kritik ausgesetzt, doch die winkt immer, egal was sie einführen oder aufheben. Kritische Stimmen, die unterschiedlich konstruktiv sind, sind immer zu hören. Anzumerken sei jedoch, dass entgegen den Berichterstattungen in einschlägigen Medien nicht die SBB hinter dem Projekt stehen, sondern der Verband für öffentlicher Verkehr (VöV). Die SBB sind nur ein Mitglied des VöV, gleichwertig wie beispielsweise die BLS, die SOB oder die RhB. Auch das GA und das Halbtax sind VöV-Produkte, weil die SBB aber mit Abstand die meisten dieser Abos absetzt und den Startschuss macht, steht sie auch im medialen Mittelpunkt. Übrigens entscheidet auch der VöV über die allfälligen Preiserhöhungen und nicht die SBB, was bei den einschlägigen Medien und den noch einschlägigeren Leserkommentaren auch immer gerne vergessen wird.
Angestellte des öffentlichen Verkehrs, welche im Besitz eines FVP-GA’s oder FVP-Halbtax sind, erhalten den SwissPass indes nicht, sie werden weiterhin über blaue Ausweise mit den entsprechenden Bezeichungen verfügen.

Links

  • Website des SwissPass mit Zugriff auf das künftige Benutzerkonto
  • Der SwissPass kommt: Mitte Juni 2015 startet der VerkaufbahnONLINE.ch vom 10. März 2014
  • Medienmitteilung der SBB
  • Infoseite der SBB zum SwissPass
  • Medienmitteilung des VöV
  • Informationen des VöV zum SwissPass
  • Website des Swiss Travel Pass (englischsprachig)
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