Die Veränderung der Medienlandschaft – positiv oder negativ?

Am 12. Dezember lancierte der grösste Schweizer Medienkonzern Ringier ein Internetportal seiner Gratiszeitung Blick am Abend, gestern folgte mit Watson ein Konkurrent des Rivalen AZ Medien. Beide setzen auf Nachrichten auf eher bescheidenem Niveau, um sich der so genannten Smartphone-Generation anzupassen. Bedeutet dieser Einschnitt in die Schweizer Medienlandschaft das Ende für gestandene Zeitungen und Onlineportale wie die Neue Zürcher Zeitung?

Den Blick am Abend gibt’s jetzt auch online

Symbole für die Schweizer Medienlandschaft: Die Onlineportale blickamabend.ch und watson.ch

Symbole für die Schweizer Medienlandschaft: Die Onlineportale blickamabend.ch und watson.ch

Am 12. Dezember ging mit blickamabend.ch die Website des hinter 20 Minuten zweitgrössten Schweizer Pendlerblattes online. Ringier ist zwar bereits mit blick.ch im Internet präsent, plant aber im Online-Portal der Boulevardzeitung eine Pay-Wall einzuführen, eine Praxis, die in der Schweiz unter anderem bereits bei nzz.ch existiert und einzelne Online-Inhalte nur kostenpflichtig zur Verfügung stellt. Um aber die Gratis-Webnutzer nicht zu vergraulen, bietet nun blickamabend.ch kostenlose Nachrichten mit dem Ziel, dem Platzhirschen 20min.ch die Spitzenposition streitig zu machen. Früher war es üblich, für das Nachrichtenportal im Internet und die Druckausgabe getrennte Redaktionen zu haben, mittlerweile wurden diese aber in allen Ecken – egal ob bei der 20 Minuten oder bei der NZZ zusammengelegt. Der virtuelle Blick am Abend setzt auf seichte Nachrichten, dennoch dürfen politische Aktualitäten und Gerüchte nicht fehlen, die Inhaltsbereiche sind deckungsgleich mit der Printedition.

Watson will in die Top 3

Eigentlich als Start-up namens FixxPunkt gegründet, gehört Watson bereits Monate vor dem geplanten Start im ersten Quartal 2014 längst zur AZ-Mediengruppe von Verleger Peter Wanner, zu der nebst der titelgebenden Aargauer Zeitung auch andere Marken wie die Basellandschaftliche Zeitung, Tele Züri, Tele Bärn oder Tele M1 gehören und die mit TV24 ein nationales Schweizer Privatfernsehen lancieren will. Die AZ-Medien ist in gewissen Fachkreisen umstritten, da einerseits die politische Ausrichtung fragwürdig ist, andererseits die Fehlerhaftigkeit höher ist als bei vergleichbaren Medien. Dies soll jedoch die Nutzer nicht aufhalten, watson.ch hinter 20min.ch und blick(amabend).ch am drittmeisten in die URL-Leiste des Browsers einzugeben, sollte man am Computer den Drang nach aktuellen Nachrichten haben. Politik soll bei Watson keine Bedeutung haben, statt Nationalratsdebatten will man lieber auf Promiskandale setzen, denn diese ernten bei der Smartphone-Generation mehr Zuspruch. Dass so auch die Verminderung des Allgemeinwissens der ohnehin schon arg gescholtenen Jugend gefördert wird, scheint niemand auf den Plan zu rufen. Watson setzt dabei auf die mobile Information, die Inhalte sollen auf Smartphones und Tablets zugeschnitten sein. Der Start von watson.ch ist nun am 22. Januar 2014 erfolgt, die Seite ist auf dem Computer sehr schlecht zu lesen, zudem ist die Themenwahl nahezu identisch mit derjenigen des Blick-Onlineauftritts.
10vor10 von Schweizer Radio und Fernsehen vom 22. Januar 2014

SRF 4 News aktuell vom 23. Januar 2014

Das Ende für die NZZ?

Seriöse Publikationen wie die Neue Zürcher Zeitung und je nach Sichtweise auch der Tages-Anzeiger haben es bei dieser Konkurrenz in der Schweizer Medienlandschaft durch solch virtuelles Altpapier schwer, immer noch zu den Etablierten zu gehören, vor allem, weil ihre Inhalte anspruchsvoller sind. Die NZZ hat längst reagiert und die Redaktionen zusammengelegt, nun werden online und in der Druckausgabe ausschliesslich dieselben Inhalte publiziert, weswegen die NZZ auch eine Paywall installiert hat, so dass nur noch maximal 20 Artikel pro Monat frei verfügbar sind. Den Tages-Anzeiger wird dieser Wandel in der Medienwelt weniger stören, denn zum Mutterkonzern Tamedia gehört auch 20 Minuten. Das aktuelle Klientel der NZZ sind meist anzutragende Geschäftsmänner, die insbesondere am ausführlichen Wirtschaftsteil interessiert sind. Manch einer lässt sich dabei aber erwischen, zwischen NZZ und den eigenen Augen noch den Blick einzulegen, um das Image nicht zu zerstören. Diese Generation wird aber auch älter und irgendwann mal pensioniert. Diejenigen, die nachrücken sollen, gehören zur Smartphone-Generation, der Zielgruppe für blickamabend.ch und watson.ch, die sich kaum mit politischen Debatten befassen, dafür mit Busenblitzern so genannter Möchtegern-Sternchen und endlosen Artikelserien über Sendungen des Fernsehsenders 3+.
Wird diese Zielgruppe ihre Sichtweise ändern und reifer werden – dann hat die NZZ auch künftig ein Publikum. Falls nicht, dann hat die alte Tante ein Problem, denn auch ihre Funktion als inoffizielles Parteiblatt der FDP ist umstritten. Sollten anspruchsvolle Inhalte nicht mehr gewünscht sein, dann würden blickamabend.ch und Co. den alteingesessen und hochangesehenen Medienhäusern den Rang ablaufen.

Onlinemedien werden immer beliebter

Nahezu alle Zeitungen der Schweiz haben ihre Onlineportale, selbst auf regionaler Ebene wie beispielsweise der Bote der Urschweiz. Dazu kommen Rundfunkinstitutionen, die ebenfalls News anbieten, wie beispielsweise Schweizer Radio und Fernsehen, deren News ausführlich sind und den Vorteil haben, Audio- und Videobeiträge aus Sendungen einbinden zu können, die von anderen Portalen zuerst aufwändig produziert werden müssen. Reine Onlineportale wie Watson findet man in der Schweiz eher selten, doch hier springen Blogs und Internetmagazine wie Cabo Ruivo, in die Bresche. Fachspezifisch gibt es solche längst, und auch ausländische Portale wie bbc.co.uk, SPIEGEL ONLINE, sueddeutsche.de und faz.net erfreuen sich auch in der Schweiz grosser Beliebtheit.

Links

  • Newsportal „Watson“ mit grossem Ziel gestartetSchweizer Radio und Fernsehen Online vom 22. Januar 2014
  • Website von Blick am Abend Online
  • Website von Watson
  • Website von 20 Minuten Online
  • Website von NZZ Online
  • Website der BBC
  • Webportal von Schweizer Radio und Fernsehen
  • Website von SPIEGEL ONLINE
  • Website der Süddeutsche Zeitung
  • Online-Portal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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