Die Fabrik ruft: Bilder einer Ausstellung

In den Hallen der ehemaligen Zementfabrik Brunnen/SZ wurde während zweier Wochenenden eine Gruppenausstellung unter dem Motto Die Fabrik ruft abgehalten. Rund 40 Kulturschaffende haben die leerstehende Halle 37 in einen Kunsttempel verwandelt. Vom Kommentieren von Verkehrsbewegungen eines Grossparkplatzes bis hin zu einem überdimensionierten Glockenspiel gingen die Objekte weit auseinander, allerdings dürfe man getrost lebendige Motive als höchst fraglich ansehen.

Die Halle 37 als Kunstmuseum

Zeitgenössische Kunst statt Kies und Maschinen – dies ist das aktuelle Schicksal der Halle 37 der seit 2008 stillgelegten Zementfabrik Brunnen im Kanton Schwyz. Die unterschiedliche und teilweise labyrinthartig anmutende Geschoss- und Treppenstruktur der sich teilweise im Verfall befindlichen Halle bildete eine eher aussergewöhnliche Bühne für die Kunstwerke, ja machte ihr gar beinahe Konkurrenz, denn die imposanten Hallenteile wirken beinahe faszinierender als manch Kunstwerk, welche noch durch grafische Überreste einer illegalen Party ergänzt werden. Zudem wurde just diese Struktur irgendwie in die Aussstellung eingebunden. Die Variation der Motive in Die Fabrik ruft besass ungefähr die gleiche Spannweite wie die Qualität – von „soll das etwa Kunst sein?“ bis hin zu „Genial“ waren alle Prädikate zu vergeben gewesen. Egal ob die Visualisierung des Mondes in Zeppelinform, oder auf den ersten Blick wahllos auf einen Kieshaufen geworfene Computermonitore oder ein aus Zitate auf dem Mobiltelefon anzeigenden Barcodes bestehendes Gemälde – der Begriff „zeitgenössische Kunst“ erscheint extrem weitläufig, wie untenstehende Bildstrecke zeigt, wurde gar ein Mensch als Kunstobjekt ausgestellt, was bei den Betrachtenden für Gelächter sorgte.
Interessant: Da der Boden des Untergeschosses von der Bausubstanz her mit Grundwasser geflutet ist, stellte die Feuerwehr Ingenbohl-Brunnen Gummistiefel zur Verfügung, so dass durch das Geschoss gewatet werden durfte. Die verwinkelte Gebäudestruktur samt schmalen Fenstern lässt bizarre Lichtmuster auf die sanften Wellen des Wassers tanzen. Ein Kontrast zu den Aussenbereichen der Ausstellung, welche entweder im Hinterhof samt abgestellten Güterwagen oder auf einem Balkon mit Blick auf das gesamte Areal eingerichtet wurden.

Erster Schritt einer Zwischennutzung

Die rund 75’000 Quadratmeter grosse, brachliegende Zementfabrik, nach der letzten Betreiberin auch als Holcim-Areal bekannt, wird in den nächsten Jahren einem Gewerbe-, Wohn- und Dienstleistungsquartier weichen, einige Bauten werden nach einer umfassenden Sanierung in das neue Quartier eingebunden, andere werden abgebrochen und durch Neubauten ersetzt.
Da sich der Bau des Nova Brunnen genannten Quartiers über knapp 15 Jahren und bis zu sechs Etappen hinzieht, werden die ausserhalb des aktuellen Bauperimeters befindlichen Bauten einer Zwischennutzung unterzogen. Diese werden über das Portal Muota Brunnen verwaltet. Die Fabrik ruft ist die erste grössere vorübergehende Zwischennutzung, sie wurde von Franziska Amstad und Mischa Camenzind, Exponenten des lokalen Kulturgewerbes, organisiert und aufgezogen. Parallel dazu wird noch bis am 30. September in der im Brunner Zentrum in der Eisengasse gelegenen Galerie am Leewasser Aufnahmen der Fotografin Janine Schranz gezeigt, welche in der Halle 37 aufgenommen wurden.
Sonst wird das Areal zur Zeit für die Lagerung der Tunnelbohrmaschine Gabi genutzt, welche nach ihrem erfolgreichen Schaffen im Gotthard-Basistunnel der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) in Einzelteile zerlegt wurde und nun an der frischen Luft entweder rostet oder auf ihren neuen Einsatz wartet. Auch Tanz- und Hundeschulen lassen sich auf dem Areal der Zementfabrik finden, aufgrund der Baustruktur mit hohen Räumen und der teilweise dem Verfall preisgegebenen Bausubstanz gestaltet sich eine Zwischennutzung jedoch relativ schwierig.
Mit dem Bau der ersten Etappe, welche unmittelbar neben der Halle 37 vorgesehen ist, soll noch in diesem Jahr begonnen werden.

Bildstrecke

Die Fotos sind Eigentum von Daniel Wachter und urheberrechtlich geschützt. Verstösse werden umgehend geahndet

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Siehe auch

  • Nova Brunnen: Baueingabe für erste Etappe erfolgt – Cabo Ruivo vom 5. November 2011
  • Links

  • Abenteuerspielplatz der Kunst in Halle 37 – Artikel der NZZ vom 15. September 2012
  • Website von Die Fabrik ruft
  • Website von Muota Brunnen zur Verwaltung der Zwischennutzungen
  • Offizielle Website des Nova Brunnen-Projekts
  • Beitrag des Regionaljournal Zentralschweiz von Schweizer Radio DRS (MP3-Datei)
  • Panoramaaufnahmen des Boten der Urschweiz: Teil 1
  • Panoramaaufnahmen des Boten der Urschweiz: Teil 2
  • Panoramaaufnahmen des Boten der Urschweiz: Teil 3
  • Panoramaaufnahmen des Boten der Urschweiz: Teil 4
  • Panoramaaufnahmen des Boten der Urschweiz: Teil 5
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