Champions League: Das nie erwartete Scheitern

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Mittlerweile hat sich in der Fussballwelt grosse Ernüchterung eingestellt. Anstelle eines erneuten Clásicos zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid CF machen nun am 16. Mai der FC Bayern und der FC Chelsea den Kampf um die diesjährige Champions League-Trophäe unter sich aus. Ausgerechnet die beiden Superstars der Truppen avancierten zu tragischen Helden, was sich aber keineswegs negativ auswirkt.

Barcelona scheitert nicht nur an di Matteos Taktik

In beiden Spielen bestimmte der FC Barcelona das Geschehen, doch rannte vergeblich gegen di Matteos Réduit an. Doch stattdessen nur Chelsea zu verunglimpfen, dass sie den Fussball zerstören, muss man doch auch zugeben, dass dies die einzige Möglichkeit ist, das Kurzpassspiel der Katalanen zu unterbinden – Manchester United versuchte in den beiden Champions League-Finals gegen Barcelona, 2009 und 2011, ein eigenes Spiel aufzuziehen und kassierte jeweils eine Ohrfeige. Seien wir doch ehrlich, der Fussball muss konkurrenzfähig sein, um spannend zu bleiben. Irgendwie ist Barcelona aber auch selber schuld, sie scheiterten oft am eigenen Konzentrationsvermögen – Torhüter Victor Valdes erhielt in der Champions League gerade mal 19 Schüsse auf sein Tor, doch zehn davon fanden den Weg ins Netz. Viel zu oft versuchten sie, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, dabei wäre Chelsea vor allem auf den Seiten verwundbar gewesen. Spott und Hohn kassierte Lionel Messi vor allem von Real Madrid-Anhänger, nachdem er im Rückspiel kurz nach der Pause einen Elfmeter an die Latte gedonnert hatte. Doch die Freude wähnte nur kurz und die Messi-gegen-Cristiano-Ronaldo-Soap um eine Episode reicher: Knapp 26 Stunden später scheiterte Cristiano Ronaldo im Penaltyschiessen an Manuel Neuer. Seine zwei Tore in der regulären Spielzeit, davon eines vom Elfmeterpunkt, wurden damit bedeutungslos.

Die Mannschaftsleistung entscheidet, nicht einzelne Individuen

Wenn man diese Woche die Zeitungen aufschlägt, da mag einem das Gefühl hochkommen, dass sowohl Messi, als auch Cristiano Ronaldo für das Versagen ihrer Equipe verantwortlich gemacht haben. Doch sie trifft nicht die Hauptschuld, denn für eine Mannschaft braucht es immer elf Spieler plus einen Trainer – man kann nicht von einem einzelnen Spieler abhängen. Chelsea und Bayern haben eine grössere Mannschaftsleistung, was ihnen in den Halbfinals zu Gute kam, denn bei beiden spanischen Mannschaften haben viele Spieler auch ein wenig Eigeninteresse im Kopf, was bei einer solchen Fülle von Superstars aber nicht ungewöhnlich ist. Die erste Generation der Galacticos rund um Zidane, Ronaldo und Figo zerbrach trotz grosser Erfolge an den Egos der Spieler und auch an einer instabilen Defensive. Real Madrid hat auch heute wieder das Ansehen eines pompösen, aufgeblasenen, selbstverliebten, arroganten Vereins, während sich Barcelona weiterhin als Vertreter Kataloniens und typisch bescheiden gibt – der Club wurde auch von einem Schweizer gegründet. Dieser Vergleich ist auch bei den Superstars anzusehen: Messi versucht unter seinen Teamkollegen zu versinken und will so unauffällig wie möglich bleiben, während sein eher exzentrisches Real Madrid-Pendant und für viele der Narzissmus in Person, Senhor Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro, genau das Gegenteil versucht, obwohl man diesem zugute halten muss, dass er sich gegenüber seiner Zeit bei Manchester United gewaltig gebessert hatte, als er sich über die Mannschaft und Trainer Sir Alex Ferguson gesetzt hatte, woraufhin ihm zu Recht im Old Trafford die Tür gezeigt wurde. Wer diesen Zeilen nicht glaubt, soll sich in Ruhe Gedanken über die Posen der beiden vor Freistössen machen. Oder mal einen Blick ins Privatleben werfen: Der eine ist mit seiner Jugendliebe liiert, der andere hat einen kleinen Sohn, aber die aktuelle Freundin ist nicht dessen Mutter.

Nichtsdestotrotz verrichten die wahre Arbeit die Teamkollegen, die Fussballwelt dürfte auch mal ein Auge auf Xavi, Iniesta oder Xabi Alonso werfen, welche die Schaltzentrale in ihren Clubs verkörpern. Vermutlich wären sie aber auch nicht die Charaktere, an der Öffentlichkeit zu stehen – zudem hätte sich Messi wohl längstens beschwert, wenn es ihm wirklich nicht behagen würde, im Rampenlicht zu stehen.
Der oft gescholtene José Mourinho hat seine Ich-bin-eine-wandelne-Zeitbombe-/Ich-kann-nicht-verlieren-Images mächtig aufpoliert, in dem er nach der verlorenen Halbfinalaffiche in die Bayern-Kabine des Bernabeu gegangen ist, und jedem Spieler persönlich per Handschlag zum Sieg gratuliert hatte, zudem hatte er sein Pendant Jupp Heynckes bereits vor dem Penaltyschiessen umarmt. Mindestens ein weiteres Jahr soll er bei den Madrilenen bleiben, Gerüchten zufolge soll er der designierte Nachfolger von Sir Alex Ferguson bei Manchester United werden. Sein Barça-Pendant Pep Guardiola hat heute seinen Abschied von den Katalanen gegeben, in letzter Zeit bekundeten er und das Team sportlich und soziale Probleme. Wohin es hin verschlägt, ist noch unbekannt.

Die Überirdischen sind halt doch nur Menschen

Der Halbfinal hat gezeigt, dass sowohl Messi als auch Cristiano Ronaldo auch nur Menschen sind, auch wenn sie in der Presse auch aufgrund ihres atemberaubenden Duells um die spanische Torjägerkanone (zurzeit 42:41 Tore zugunsten des Portugiesen in Diensten der Madrilenen) oft als überirdisch bezeichnet wurden; und das wird beiden Charakteren, so unterschiedlich sie auch sein mögen, äusserst gut tun. Egal wie sie sich in der Öffentlichkeit geben, hinter ihre Fassade wird wohl niemand sehen. Die Frage ist berechtigt, ob es wirklich das Lebenserfüllendste ist, jede Woche unter hohem Druck in ein Stadion einzulaufen, in dem man von den eigenen Fans bejubelt und von den gegnerischen Anhängern verspottet und ausgepfiffen wird. Behagt es ihnen, Schritt auf Tritt von der Presse verfolgt zu werden? Es darf mal als fraglich angenommen werden.
Notabene ruhten auch die Karrikaturisten und Witzekreirer nicht: Nebst Zeichnungen, in denen Sergio Ramos seinen Ball auf dem Mond sucht, kursieren auch etliche Witze: So kommt Cristiano Ronaldo weinend nach Hause, woraufhin seine Mutter fragt: „Wieder Messi?“ „Nein, ein Neuer!“