Wie Fischliebhaber der NZZ am Sonntag auf den Leim gingen…

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Alle Jahre wieder freuen sich die Scherzkekse dieser Welt auf den ersten April. Auch Medienunternehmen sind davor nicht gefeilt und haben inmitten ihrer mehr oder weniger seriösen Berichterstattungen auch einen solchen Scherzartikel in petto. Für besonderes Aufsehen sorgte dieses Jahr die NZZ am Sonntag. Doch wenn man sich all diese Scherzartikel genauer anschaut, sieht man, dass sich mit wenigen Ausnahmen ein roter Faden durch diese zieht.

Fische zu verschenken!
Die NZZ am Sonntag narrte ihre Leserschaft mit der Botschaft, dass der Zürcher Zoo aufgrund einer Sanierung der Aquarien seine Bestände an exotische Fische an Private verschenkt. Interessierte hätten sich am 1. April um 10 Uhr beim Haupteingang mit einem geeigneten Transportbehälter einzufinden. Nachdem sich das ganze als Aprilscherz entpuppte, wurden die Hereingefallenen zu einer Führung und einem Imbiss eingeladen. Übrigens spielte die NZZ am Sonntag mit ihrem Witz auch auf den französischen Ausdruck für Aprilscherz an – Possion d’avril.
Ganz ordentlich in die Trickkiste gegriffen hat auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), welche eine neue Rechtschreibereform ankündigte. Damit zielte sie auf ein sensibles Thema ab und schlug vor, sowohl das nur noch in Deutschland und Österreich gebräuchliche, aber in der Schweiz nicht mehr verwendete ß genauso wie die Umlaute ä, ö und ü abzuschaffen. Das Fussballer-Magazin 11 Freunde wiederum entzürnte die Fans des Bundesliga-Tabellenführers Borussia Dortmund, in dem es über einen möglichen Punkteabzug für den amtierenden deutschen Meister wegen Fehlverhaltens der Fans prüfe. In Deutschland beliebt waren auch Meldungen über Neo-Bundespräsident Joachim Gauck – egal ob er heirate oder bereits wieder zurückgetreten ist, alles fand Eingang in die Medien. Ebenfalls in ein Wespennest stach der Aargauer Radiosender Radio Argovia, der vermeldete, dass in der Posse um Asylkunterkünfte ein neuer Vorschlag aufgetaucht sei – Asylbewerber sollen in den Luftschutzkellern von Privathäusern untergebracht werden. Radio 24 wiederum widmete sich den Zürcher Sex-Boxen, die ihrer Meldung zufolge tagsüber als Autowaschanlage dienen sollten. Auch Google hat sich unter die Scherzkekse gemischt und unter anderem die Really Advanced Search präsentiert – jeder, der halbwegs Englisch versteht, wird sich vor Lachen den Bauch halten. Doch damit nicht genug, Googles Webbrowser Chrome soll nun gar über mehrere Cursors gleichzeitg verfügen… Zudem wurde Google Maps ausserordentlich am heutigen Tage mit einer 8-Bit-Version ausgestattet, in Anlehnung an die legendären Spiele aus dem Hause Nintendo im früheren Computerzeitalter.

Die 8-Bit-Version von Google Maps der Region Vierwaldstättersee

Sehr visionär auch die Einlage der Solothurner Ausgabe von Der Sonntag, welche vorsah, die sich in Sanierungsarbeiten nach einem Brand befindende St. Urseren-Kathedrale in Solothurn mit Solarpanels statt mit den maroden Dachziegeln zu versehen. Die Südostschweiz wiederum kündigte bereits gestern den Bau einer Arena anstelle des bisherigen Landsgemeindeplatz nach dem Vorbild von Herzog & De Meurons als Vogelnest betiltelten Olympiastadion in Peking – und lud die Leute zu einer „Infoveranstaltung“ auf dem Glarner Landsgemeindeplatz ein – natürlich heute. Zudem wollte Radio Central in Anlehnung an das Theater um die Werbespots des Wetterschmöckers Martin Horat im Natur- und Tierpark Goldau/SZ von einer Expertengruppe beweisen lassen, dass die Ameisen beim Drehen der Filmchen in keinster Weise gelitten haben. Weil der 1. April dieses Jahr auf einen Sonntag fiel, konnten viele Tageszeitungen dieses Jahr nicht ihr Können in Sachen Scherzartikel beweisen, was nur den Titeln der Sonntagspresse vorbehalten war.
Ein zeitloser Klassiker ist der Scherz der BBC, welche 1957 von einer Spaghettiernte im Tessin berichtete.

Offensichtliche Scherze
Die meisten dieser Artikel sind jedoch offensichtlich als Scherz erkennbar. Wenn von einem Treffpunkt am 1. April die Rede ist, sollte man eigentlich schon gewarnt sein – und wenn sogar vom Mitbringen eines Erkennungsmerkmals gesprochen wird, dann ist es fast klar, dass es sich hier um einen Aprilscherz handelt, damit die Reingelegten noch deutlich ersichtlich sind. Der Bote der Urschweiz, einer der beiden Tageszeitungen des inneren Teils des Kantons Schwyz, rief vor Jahren am 1. April zu einer regionalen Sammlung von Altvelos ein – die Räder sollen an den Strassenrand gestellt werden und mit Zetteln versehen werden, auf denen der Name und die Anschrift des bisherigen Besitzers vermerkt werden sollen – so dass jeder sehen kann, wer den Jux nicht realisiert hat. Es ist Usus, mit den Lesern und den Konsumenten Schabernack zu treiben, vor allem wenn die Scherze auf kontroversen Themen basieren, die zur Zeit tagesaktuell sind. Jedoch ist die Blossstellung der Reingelegten bedenklich, denn es gibt gewiss solche, welche Spässchen dieser Art nicht als lustig empfinden und vor allem dann nicht, wenn sich das ganze Dorf darüber amüsiert und man zum Gespött der Bevölkerung wird.

Links

  • Die besten Aprilscherze der deutschen Medienlandschaft
  • Die besten Aprilscherze der Schweizer Medienlandschaft