Die Schweiz zittert vor der Kälte

Was wurde in den letzten Tagen von Meteorologen und solchen, die es gerne sein wollen, über die kalte Luft gesagt, die sich zurzeit in der Schweiz eingenistet hat. Temperaturen von bis zu 15 Grad Celsius unter Null sollen herrschen, zahlreiche Warnungen wurden ausgesprochen. Doch nun stellt sich die Frage – ist es wirklich so schlimm?

Sibirische Luft als Ursache
Die aktuelle Wetterlage liegt einer Luftströmung zugrunde, die den Weg von Sibiren zu uns nach Mitteleuropa gefunden hat. Aus diesem Grund sind hier momentan Kältewerte zu messen, die für uns aussergewöhnlich scheinen, den Bewohnern Sibiriens beispielsweise aber nur ein mattes Lächeln abgewinnen würden. Bei denen würde das Leben erst recht beginnen! Verstärkt wird das Kältegefühl durch eine giftige Bise, so dass man statt den gemessenen -9°C an der Haut vielleicht -15°C spürt. Im Gegenzug aber verhindert just diese Bise, dass die Werte auf dem Thermometer noch tiefer liegen. Gesundheitsschädigend ist die Kälte grundsätzlich nicht, kann aber einen Einfluss auf den Organismus haben.
Der offizielle Kälterekord der Schweiz, -41.8°C in La Brévine/NE im Januar 1987, wird wohl kaum fallen. Trotzdem sind die vor allem im Mittelland tiefen Temperaturen doch recht ungewohnt. Auf der Glattalp in Muotathal/SZ wurde von MeteoMedia letzte Nacht eine Temperatur von -34°C gemssen, diese Messstelle ist jedoch umstritten, da die in einer Mulde gelegene Glattalp nicht bewohnt ist. Aus diesem Grund erkennt MeteoSchweiz der am 7. Februar 1991 mit -52.5°C gemessene inoffizielle Kälterekord der Schweiz nicht an.

Einrichtungen für Obdachlose
Grund zur Sorge bereiten den Behörden die Obdachlosen, welche mangels einem Zuhause der Kälte bei Nacht ausgesetzt sind. In Zürich beispielsweise wurden auf die Initiative der Stadt hin Patrouillen gebildet, welche von Obdachlosen gerne genutzte Plätze abgrasen und die Menschen in Notschlafstellen oder zu den Bussen von Pfarrer Ernst Sieber bringen. In Österreich beispielsweise hat die ÖBB beschlossen, in den Bahnhöfen Räume für Obdachlose zu öffnen, nachdem die Notschlafstellen teilweise überfüllt waren. Die Bundesbahn ist einem Aufruf zur Solidarität via Facebook gefolgt und will nun die beheizten Quartiere wie beispielsweise abgestellte Eisenbahnwaggons zur Verfügung stellen.

Probleme im Verkehr

Auch nicht vor Pannen in der Kälte gefeit: Die SBB (Archivbild)

Erwartungsgemäss die meisten Probleme mit der Kälte zu bewältigen haben die Eisenbahnen, unter ihnen die BLS und die SBB. Zur Zeit schlägt sie sich mit zahlreichen Problemen wie Fahrzeugstörungen (etliche Züge sind verspätet oder fallen aus) oder Gleis- und Weichenstörungen rum, so geschehen zwischen Fribourg und Romont/FR oder Morges/VD und Genève-Aéroport. Weiterhin unterbrochen ist die Simplonachse zwischen Ardon und Saxon/VS, dies mutmasslich nicht wegen der Kälte, sondern weil sich letzten Donnerstag bei einer Brückenbaustelle in Riddes/VS die Holzschalung gelöst hat und samt Fahrleitung auf die Gleise gefallen ist. Gestern fiel beispielsweise auf der Gotthardachse der InterRegio 2276 zwischen Brunnen/SZ und Zürich HB aus, weil sich bei einem Wagen die Bremsklötze nicht mehr lösen konnten, ob im Zusammenhang mit der Kälte, ist unklar. Mehr als zwei Stunden lang wurde so eines der beiden Streckengeleise im Bahnhof Brunnen blockiert und weil es die SBB versäumt haben, nach dem Bahnhof Brunnen einen Spurwechsel einzubauen, wurde der Verkehr zwischen Brunnen und der Einfahrweiche in den Bahnhof Schwyz einspurig geführt, was geringe Verzögerungen als Konsequenz hatte.
Die SBB verzeichnet in solchen Tagen mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine grosse Zunahme an Reisenden, da zahlreiche Pendler ihr Auto stehen lassen und stattdessen per Bahn ihrer Tätigkeit nachgehen. Zudem ist die Staatsbahn europaweit ein Vorbild in Sachen Bekämpfung von Kälteproblemen, so sind die Weichen mit einer Gasheizung ausgestattet, die verhindern soll, dass die Weichenzunge einfriert und die Schienen somit unpassierbar werden. Doch nun hat just dieses Gas zwischen Morges und Genf für Probleme gesorgt. Wegen einer Weichenstörung sind hier nur zwei Gleise nutzbar, zudem ist die Weichenheizung nicht angesprungen und das Gas habe sich verflüssigt.
Tagesschau vom 01.02.2012
Tagesschau-Reportage über die SBB im Kältefieber
Auch im Strassenverkehr ist mit Problemen zu rechnen. Nicht nur Glatteis kann zu Unfällen führen, sondern auch technische Probleme am Fahrzeug oder vereiste Scheiben. Auch hier gilt – Gucklochfahren verboten!
Tagesschau vom 02.02.2012
Bericht der SF Tagesschau über die Kältewelle

Alles ein bisschen übertrieben
Herr und Frau Schweizer neigen oftmals ein bisschen zum Jammern. So ist es den Damen und Herren im Sommer zu heiss und jetzt zu kalt. Ich bin auch kein Freund der Kälte, habe mich aber mit ihr arrangieren können und finde es jetzt gar nicht mehr so schlecht, sie auf der Gesichtshaut zu spüren. Mithilfe von Feuchtigkeitscreme ist es auszuhalten, des Weiteren wird auf diese Weise die Durchblutung angeregt.

Die Schweiz zittert vor der Kälte
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