Bald mehr Fussball und Eishockey live im Free-TV

Endlich! Die deutschsprachige SRG-Unterorganisation Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat heute vermeldet, dass sie sich den bisher grössten Fernsehrechte-Katalog in Sachen Sport ihrer Geschichte gesichert hat. Dank eines Deals mit der Teleclub-Mutterfirma Cinetrade wird in Zukunft pro Runde ein Spiel der Axpo Super League live auf SF, TSR oder RSI ausgestrahlt, zudem werden ab Januar 2013 erstmals Qualifikationsspiele der Eishockey-National League A im Free-TV gezeigt. Zudem hat sich das SF die Schweizer Exklusivrechte für die Olympischen Spiele in Sotschi 2014 (Winterspiele) und Rio de Janeiro 2016 (Sommerspiele) gesichert. Nebst dem SRF profitieren auch die französischsprachigen und italienischsprachigen Schwesterorganisationen RTS und RSI von den Rechten, auch sie werden die Partien ausstrahlen.

Ein Sonntagsspiel pro ASL-Runde
Die Vergabe von Ausstrahlungsrechten der Partien der Axpo Super League hat vor einigen Monaten für Aufsehen gesorgt: Da die Muttergesellschaft des Schweizer Pay-TV-Senders Teleclub, die Cinetrade Holding – übrigens zu 49% in Besitz der Swisscom – die SRG um eine Million pro Saison überboten hatte, war das Monopol der Leutschenbacher gefallen. Jetzt hat sich die Situation für De Wecks Sendergruppe gar verbessert: Bisher durfte sie pro Spielzeit 10 Spiele der Axpo Super League – die ab nächste Saison Raiffeisen Super League heissen wird – übertragen, aber hatte bei diesen das Erstzugriffsrecht. Ihre Preferenzen lagen gegen Saisonschluss, folglich waren dies die Topspiele mit den sich bereits herauskristallisierten Meisterschaftskandidaten, die über den Äther gingen. Da die Cinetrade jedoch verpflichtet war, ein Spiel pro Runde einem Free-TV-Sender zu überlassen, hatte die SRG noch eine Chance. Zunächst spielte sie aber die beleidigte Leberwurst, so dass Kandidaten wie 3+ und die Schweizer Ableger von Sat.1, ProSieben und RTL ins Spiel kamen, doch nun hat sich das SRF dazu durchgerungen, auf einen Deal mit Cinetrade einzusteigen. Und geht dabei nicht mal als Verliererin hervor: In 18 von 36 Runden hat die SRG für die Sonntagsspiele das Erstzugriffsrecht.
Zudem entfällt mit diesem neuen Vertrag die Doppelproduktion. Bisher schickten Teleclub und SF eigene Kameras und Techniker in die Stadien, in Zukunft wird das Schweizer Fernsehen die live übertragenen Partien selbst produzieren und für die Zusammenfassung der anderen zu den Teleclub-Bildern greifen. Im Fussball dauert das Livepaket von der Saison 2012/2013 bis zur Spielzeit 2016/2017. Dabei werden nicht nur die Fussballfans in der Deutschschweiz profitieren, denn auch die SRF-Pendants RTS und RSI werden die Spiele wöchentlich am Sonntag um 16 Uhr zeigen.

Freude bei Eishockey-Fans
Schlagartig verbessern dürfte sich die Laune bei Eishockey-Fans, denn der Sport bekommt nun endlich die Bühne, die ihrer Beliebtheit entspricht. Bisher durfte das SRF erst in den Play-offs ins Spiel eingreifen, und dies auch erst ab Runde 3. Für die ersten beiden Partien jeder Play-off-Runde und für die gesamte Qualifikation hatte die Cinetrade das Exklusivrecht, so dass das SF erst ab der dritten Runde von Viertelfinal, Halbfinal und Final einsteigen konnte. Einzig das Tessiner Fernsehen RSI La 2 strahlte Qualifikationspartien aus, und zwar jeweils das Tessiner Derby zwischen dem HC Lugano und dem HC Ambrì-Piotta.
Der Vertrag mit der Teleclub- und Kitag-Mutter läuft aus, so dass die Modalitäten geändert werden konnten. Ab Januar 2013 zeigt das SF auf seinen Kanälen zunächst ein Qualifikationsspiel pro Woche und anschliessend eine Partie jeder Play-off-Serie. Egal ob Viertelfinal, Halbfinal oder Final. Schon lange wurde kritisiert, dass der beim Schweizer Publikum mindestens genauso hoch im Gusto wie Fussball stehende Kampf auf dem Eis nur spärlich im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sei. Nicht mehr im Rechtekatalog integriert ist der Spengler-Cup, der bisher exklusiv vom Schweizer Fernsehen übertragen wurde. Neu liegen die Rechte für das alljährlich zwischen Stephanstag und Silvester in Davos stattfindende Turnier beim Organisator HC Davos selbst, jedoch wird der Spielkalender der National League A für Abstellungen zu den jeweiligen Teams – vor allem dem Team Canada – weiterhin eine Lücke umfassen. Im Gegensatz zu den ASL-Rechten ist diese Vereinbarung zwischen der SRG und der Swiss Ice Hockey Federation noch nicht spruchreif, denn bisher haben die beiden Partner die oben genannten Eckpunkte definiert. Womöglich könnte das Angebot noch weiter ausgebaut werden.
Bleibt aber nur zu hoffen, dass nicht nur Spiele des FC Basel beziehungsweise des HC Davos oder der Kloten Flyers übertragen werden, sondern dass alle zum Zug kommen.

Weitere Rechte abgeschlossen
Nebst den höchsten Spielklassen von Fussball und Eishockey hierzulande hat die SRG weitere Verträge abgeschlossen, so dass sie ab heute das grösste Sportportefeuille aller Zeiten in ihren Händen hält. Sie hat sich die Ausstrahlungsrechte für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi gesichert, dazu das Sommerpendant von 2016, das vom IOC nach Rio de Janeiro vergeben wurde. Zudem werden diverse Schneeportwettbewerbe wie Ski Alpin auch in Zukunft frei empfangbar sein, dazu auch die wichtigsten Tennisturniere und das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest von 2013 in Burgdorf/BE. Bereits erwarb die SRG im Vorjahr wichtige Rechte, zum Beispiel diejenigen der Formel 1 bis 2013, die Olympischen Sommerspiele 2012 in London, sowie der Confederations Cup und die Fussball-WM in Brasilien, welche 2013 beziehungsweise 2014 über die Bühne gehen werden.

Weitere wichtige Rechtevergaben folgen
Die heute veröffentlichte Nachricht ist nur der Anfang, denn 2012/2013 werden weitere Rechte neu ausgeschrieben: Beispielsweise die Übertragungsrechte der Spiele der Schweizer Fussballnationalmannschaft sowie des Schweizer Cups, dazu kommen die Partien der UEFA Champions League und der UEFA Europa League. Bisher zeigte das SF pro Spieltag eine CL-Partie, bei der Europa League nur solche mit Schweizer Beteiligung. Letztes Jahr wurde ebenfalls eine EL-Partie live auf SF übertragen, dazu haben die Leutschenbacher die Rechte für die zweite Partie des Spieltags an 3+ weitergegeben, weil mehrere Schweizer Equipen den Sprung in die EL-Gruppenphase geschafft haben. Dieses Jahr ist nur der FC Zürich vertreten, der FC Sion, welcher sich sportlich ebenfalls qualifiziert hatte, wurde ja bekanntlich vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Links

  • Medienmitteilung der SRG SSR idée suisse und der Cinetrade Holding AG
  • Werbeclip zur Ausschreibung von SRF
  • Tagesschau vom 02.11.2011
    Beitrag der Tagesschau am Mittag von SF zur Vergabe der Super League-Rechte

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