Halloween: Müssen wir eigentlich alles von den USA übernehmen?

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Gestern war es wieder so weit: Alljährlich am 31. Oktober ziehen hierzulande Knirpse, die an den anderen Tagen ihres Alters wegen schon längst im Bett liegen, mit Verkleidungen in der Gegend rum – und sorgen vielerorts für Sachbeschädigungen. Halloween – Ein Brauch, der keiner ist. Kommerzialisiert und von den USA importiert, obwohl es bei uns überhaupt keinen Grund gibt, Kürbisse zu schnitzen. Kommt es bald so weit, dass wir am vierten Donnerstag des Novembers ebenfalls Truthähne verspeisen sollen, nur weil das die Grossmacht und unser „Vorbild“ namens USA macht?

Gar keinen Bezug
In den USA wurde der ursprünglich in Irland praktizierte und dann von irischen Immigranten – unter dem Namen All Hallow’s Eve – in die Neue Welt gebrachte Brauch zu einem Kommerz-Event hochgeschaukelt, der nebst Thanksgiving und Weihnachten zu den drei populärsten und wichtigsten Festen der US-amerikanischen Bürger zählt. In den 1990-er Jahren fasste Halloween auch in Kontinentaleuropa Fuss und ist vor allem bei Teenager jüngeren Alters beliebt geworden, obwohl es in der Schweiz gar keinen Bezug dazu gibt: Halloween entstammt nämlich keltischen Ursprungs, ist aber hier nur Importware. Einen Tag danach, am 1. November, feiern Katholiken und Evangelisten Allerheiligen, zum Gedenken an die Verstorbenen. Dieser Feiertag und Halloween reiben sich, zumal die Nacht auf den 1. November vielerorts zu einer Krawallnacht im kleineren Sinne verkommt: Letzte Nacht beispielsweise wurde im Luzerner Stadtteil Würzenbach ein Toi-Toi-WC in Brand gesteckt. Beliebt ist auch das Eierwerfen gegen Hauswände – nachdem der Hausbesitzer auf die Frage Süsses oder Saures? nicht mit dem Beschenken der Kinder und Jugendlichen mit Süssigkeiten reagiert hatte.
Da die Welt heutzutage globalisiert ist, hat sich Halloween auch in unserer Gesellschaft verankert und wurde teilweise – wie in typischen Kürbisanbaugebieten wie die Steiermark in Österreich – regionalen Begebenheiten angepasst. Trotzdem hat Halloween im heutigen Sinne nichts mehr mit der ursprünglichen Idee zu tun, die irischen Einwanderer, die den Brauch um 1830 herum in den USA etabliert hatten, würden sich der Kommerzialisierung wegen im Grab umdrehen. Die Fratzen werden übrigens in die Kürbisse geschnitzt, um böse Geister zu vertreiben.
Doch – weil Halloween der jüngeren Generation wegen hierzulande Fuss gefasst hat – kann es nicht sein, dass wir eines Jahres beginnen, am vierten Donnerstag im November Thanksgiving zu praktizieren, weil die USA dieses Fest dank ihres Einflusses ebenfalls weltweit in Umlauf bringen kann? Dann müssen wir auch Truthähne essen, obwohl in der Schweiz gar keine solchen Gackerhühner frei herumlaufen? Das Erfolgsrezept des Halloween-Reimports ist, dass es für Kinder sehr verlockend ist, abends sich zu verkleiden und auf der Strasse Süssigkeiten zu ergattern – und das Beste daran ist, dass in den katholischen Kantonen der Schweiz der darauffolgende Tag wegen seines Allerheiligen-Status schulfrei ist.
Denn überlegt mal: In welcher Serie wird Thanksgiving nicht in mindestens einer Folge behandelt? Dasselbe gilt auch für Halloween? Nur solche Medien, Harry Potter oder Michael Jacksons Thriller brachten die Fratzenkürbisse in alle Welt. Der Hype scheint sich jedenfalls in letzter Zeit wieder abzuflachen. Immerhin scheint sich der Kürbis als beliebtes Gemüse in unseren Küchen zu etablieren: Halloween sei Dank!

Aber bitte auch nicht zuviel Jodelmusik!
Jedes Land soll sich eher auf die eigenen Bräuche und Feiertage konzentrieren, staaten- und kontinentenübergreifende Exponenten wie Weihnachten oder Ostern gibt es zuhauf, da braucht es solche wie Halloween gar nicht. Wer sich trotzdem als Skelett kostümieren möchte, soll sich doch mal bei einem Besuch bei der Grossmutter verkleiden – es wird wohl einen Heidenspass werden. Jugendliche nutzen die Nacht nur, um auszuticken, weil sie sonst stets brav um 10 Uhr im Bett sein müssen.
Trotzdem sollte es man nicht übertreiben, denn von Ländlermusik und Jodelgesängen – insbesondere letzterem – bekommt mancher sehr viel Bauchschmerzen und hat stets den Drang, sich zu übergeben, wenn so ein Kakadu von Tautröpfchen oder ähnlichen Lapalien zu „singen“ beginnt. Das perfekte Ideal ist eine Mischung aus globalen und lokalen Feiertagen, aber ehrlich gesagt muss nicht zu jedem kleinen Anlass ein Geschenkregen auf die Kinder niederprasseln, denn wenn es selbstverständlich wird, nimmt die Freude in den Knopfaugen der Beschenkten rapide ab.