Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer grösser – auch in der Schweiz

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Eine Studie wurde in den letzten Wochen publik, die zeigte, dass die Schweizer durchschnittlich weltweit am reichsten sind. Schon deshalb sollte man aufhören zu jammern und mal mit dem zufrieden sein, was man hat. Doch es kommt noch besser: Unser Land hat auch die höchste Dichte an Milliardären weltweit. Was auf den ersten Blick wahnsinnig toll klingt, kann sich in Tat und Wahrheit in den Teufel im Schlafrock verwandeln.

250’000 Franken auf der Kante
Durchschnittlich verfügen Herr und Frau Schweizerinnen über 250’000 Franken. Es ist Fakt, dass „nur“ etwa zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung nichts oder nur sehr wenig auf dem Konto hat. Vergleichsweise ist diese Quote im schuldengeplagten Griechenland um ein Vierfaches höher. Auf Platz zwei liegen die USA, am Tabellenende liegt Burundi. Auch weitere afrikanische Staaten tummeln sich auf der anderen Seite.

Grosses Aber
Sehr beunruhigend ist jedoch, dass ein Prozent der Schweizer Bevölkerung gleich über 57% des Gesamtvermögens verfügt. Das ist weit höher als beispielsweise in Deutschland oder den USA und ist ein verheerenderer Zustand als im Mittelalter. Die in New York aufstrebende Bewegung Occupy Wall Street versuchte zwar auch in der Schweiz Fuss zu fassen, doch die vergleichbare Operation auf dem Zürcher Paradeplatz ging schief, nicht nur wegen mangelnder Unterstützung der linksgerichteten Parteien (ausser der JUSO), sondern auch wegen den Medien. Sie seien faule Säcke, die nicht arbeiten, war die weitverbreitete Ansicht. Gut, ich befinde mich jetzt auch nicht auf dem Lindenhof, wo sich die Gruppe jetzt eingenistet hat, sondern zu Hause und ich versuche auch nicht unbedingt durch solche Aktionen etwas zu erreichen, doch ich erhebe jetzt meine Stimme: Wenn sich 99% der Bevölkerung gegen die Reichen auflehnen sollen, dann soll das zuerst in dem Land geschehen, wo die Verhältnisse am krassesten sind: Und das ist bei uns!

Höhere Besteuerung
Es ist bekannt, dass die meisten der Reichen nicht durch eigene Arbeit und eigenen Fleiss zu ihrem Vermögen gekommen sind, sondern entweder durch Aktionen, die sich am Rande der Legalität befinden, oder durch Erbschaft. Welcher verwöhnte Snob ist noch nie mit Papis Brieftasche shoppen gegangen? Nach Papis Tod gehört alles ihm, und er kann tun und lassen, was und wie er will. Es ist leider so, dass Geld den Charakter des Menschen negativ verändern kann. Der Mensch hat einen Instinkt in sich, der ihn ehrgeizig macht. Viele wollen erfolgreich sein und viel Kohle scheffeln, die geistig Armen versuchen es via Fernsehen – Castingshows und Big Brother-Staffeln gibt es haufenweise – die intelligenteren und vor allem berechenbareren gehen sprichwörtlich über Leichen, nur um ans grosse Geld zu kommen. Intrigen gehören zur Tagesordnung.
Also: Um Gerechtigkeit zu schaffen – wir sind alle Menschen – soll in der Schweiz unter anderem die Erbschaftssteuer eingeführt werden. Im Gegensatz zu Deutschland oder Frankreich ist diese uns gänzlich unbekannt, dafür gibt es bei uns keine Pensionskasse, die ihr Loch decken kann.

Die Reichen haben auch andere Folgen
Der in der Schweiz beliebte Steuerwettbewerb hat auch andere Folgen. Hat eine Gemeinde tiefe Steuern, schwärmen die Superreichen heran wie Bienen. Als Folge steigen die Immobilienpreise an, ein Bauboom entsteht und die Alteingesessenen können sich ihre Bleibe in ihrem Ort, wo sie aufgewachsen sind, nicht mehr leisten und müssen wegziehen. Was seit Jahren in St. Moritz/GR der Fall ist, droht unter anderem auch den drei Gemeinden Freienbach, Wollerau und Feusisberg im Bezirk Höfe des Kantons Schwyz. Zwar kann der Kanton von diesen Vermögenswerten erheblich profitieren – der zivilschutztaugliche Roger Federer mit Wohnsitz in Wollerau zahlt jährlich 750’000 Franken nur für den Wehrpflichtersatz – doch zwischen Inner- und Ausserschwyz droht die Öffnung eines Grabens. Die drei Höfner Gemeinden finanzieren den gesamten Kanton, im Inneren Kantonsteil sind die Steuern unermesslich hoch, was sich für wohlhabende Neuzuzüger sehr unattraktiv erweist. Zwar haben die Ausserschwyzer Gemeinden einen klaren Standortvorteil, denn Zürich und der Flughafen liegen geografisch viel näher, doch seit 2009 gibt es auch vom inneren Kantonsteil aus eine ununterbrochene Autobahn in die grösste Schweizer Stadt. Die schnellste Bahnverbindung von Pfäffikon/SZ nach Zürich HB dauert 23 Minuten, angeboten vom Glarner Sprinter, der zwischen den beiden genannten Bahnhöfen keine weiteren Zwischenhalte mehr aufweist. Im Gegenzug braucht man von Brunnen nach Zürich HB 59 Minuten mit dem Zug, von Schwyz und Arth-Goldau sind es vier beziehungsweise 19 Minuten weniger. Auch die Infrastruktur hat etwas mit der Ansiedlung von Reichen zu tun. Und da muss ich die Schweiz in Schutz nehmen, denn da ist sie vorbildlich und kann nichts dafür. Sehr wohl dafür kann sie was in punkto Steuern und vor allem Schwarzgeld und Bankgeheimnis. Ich könnte mich beispielsweise ohne zu genieren über den Raubgold-Skandal während des Zweiten Weltkrieges übergeben.

Krankenkassenprämien steigen an
Manchmal ist das Leben vor allem für schwächer besoldete Menschen auch in der Schweiz ein Kampf. Auch hierzulande ist die Armut präsent, doch niemand spricht darüber. Im Migros-Magazin vom Montag hat sich eine anonyme Leserbriefschreiberin darüber geäussert, dass sie trotz Studium und Diplom nur gerade 4500 Franken monatlich verdiene, ein Kind könne sie sich deshalb nicht leisten. Bleibt natürlich die Frage, ob diese Frau in der selben Branche wie ihr Studiengebiet arbeitet, aber trotzdem: Ein Kind soll nicht zur Armutsfalle werden, entsprechende Zulagen dürfen niemals abgeschafft werden. Und auch die Krankenkassen spielen eine Komödie für sich, da jede daran verdienen will, steigen die Prämien. Da wird man ja nur aus diesem Grund schon krank, was wieder zu mehr Geschäfteleien für Helsana und Konsorten führt. Würde es landesweit nur eine Krankenkasse geben, dann hätten wir dieses Problem nicht. Marktwirtschaft ist okay, solange der Konsument nicht benachteiligt ist. In den meisten Branchen kann er durch den Konkurrenzkampf mit günstigeren Preisen profitieren, doch hier geht es um die Gesundheit, und der Mensch wird hier sowieso verarscht.