Wie soll denn das gehen?

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Der Talkessel Schwyz wird in den nächsten Jahren eine gewaltige Entwicklung machen, zahlreiche Industriebrachen sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden. Während einige Projekte schon relativ konkret sind, ist sich bei anderen Arealen noch im Unklaren, was man damit anstellen soll. Doch egal was passiert, eine wichtige Rolle wird dem Verkehrsfluss zugeschrieben, und da ist dringend Nachholbedarf angesagt. Doch die Suche nach einer Lösung gestaltet sich schwierig. Sehr schwierig.

Verkehrszunahme erwartet
Mich hat vorgestern und gestern fast der Schlag getroffen: Weil auf dem Viadukt beim Bahnhof Brunnen/SZ eine Dilatationsfuge – die der Wärmeausdehnung des Betons einer Brücke entgegenwirkt – ausgetauscht werden sollte, wurde der Verkehr einstreifig geführt, was in den Spitzenzeiten gleich zu einem für unsere Verhältnisse heftigen Stau führte, der sich bis nach Schwyz auswirkte. Das Verkehrsaufkommen zwischen den beiden Orten ist trotz eines relativ guten ÖV-Netzes ziemlich hoch, zudem sind in naher Zukunft weitere Teilsperrungen zu erwarten, wenn der Kreisel Gätzli erbaut wird, oder wenn die Sanierung des Mositunnels in Angriff genommen wird. Insbesondere in letztem Fall wird der Verkehr stark zunehmen, und da käme so ein Fugengeschraube einem Verkehrskollaps gleich. Und auch in weitere Ferne geblickt, soll im Rahmen der Umnutzung der Lagerhäuser und des Holcimareals in Brunnen sowie des Zeughausareals in Seewen/SZ ein schlaues Verkehrskonzept entwickelt werden.

Neue Hauptstrasse vorgesehen
Im Rahmen dieser neuen Quartiere ist eine neue Kantonsstrasse entlang der Urmibergachse zwischen Seewen und Brunnen geplant. Der Bahnhofplatz Brunnen, wo gegenwärtig ebenfalls (endlich!) ein Kreisel entsteht, würde zu einer Drehscheibe des Individualverkehrs werden. Zudem würde mit dem Bau des Morschachertunnels die Axenstrasse-Ausfahrt Brunnen Süd aufgehoben, so dass der Gesamtverkehr aus Richtung Süden nach Brunnen ebenfalls die Schwyzerstrasse, den Viadukt und den Bahnhofplatz belasten werden. Im Rahmen der neuen Kantonsstrasse sind diverse Abklärungen und Studien im Auftrag des Kantons im Gange, so wird geprüft, ob der Autobahnanschluss Brunnen zugunsten eines zweiten Seebner Anschlusses aufgehoben werden soll. Egal, was dann (wenn überhaupt) verwirklicht wird, es soll intelligent sein, also legt keine Autobahnanschlüsse still, denn sonst hätten wir den heutigen Salat dann auf der anderen Seite. Denn wenn der Anschluss Brunnen aufgehoben würde und die Axentunnels gebaut würden, hätte die Gemeinde Ingenbohl keinen Zugang mehr zum Schweizer Nationalstrassennetz, also ich verstehe da unter „Entwicklung“ was ganz anderes. Hier ein Vorschlag: Zwischen der Seewenstrasse und dem Bahnhof soll eine neue Hauptstrasse quer durchs Holcim- und Lagerhäuserareal zum Bahnhof führen, wo sie in einer Art Pinsellösung kreuzungsfrei in die Schwyzerstrasse einfädeln soll. Die Seewenstrasse soll dann ausgebaut werden, so dass die Lastwagen des Senn-Logistikzentrums über diese und der Strasse zum Gätzlikreisel (die jetzt nun wirklich kein LKW-Verbot braucht, wie vom Kanton angeregt) und dann zum Anschluss Brunnen geführt werden, was Unterseewen ebenfalls vom Verkehr entlasten würde und somit den so genannten Anschluss Mitte überflüssig machen würde. Das heisst konkret, vom Bahnhof Brunnen müssen in Zukunft zwei starke Verkehrsadern ausgehen, denn nur so ist eine Entlastung möglich. Um die Verkehrsströme aufzuteilen, soll eine Querverbindung vom Gätzlikreisel über das Areal der Fischzucht, einer Kreuzung mit der Seewenstrasse und unter oder über der SBB hindurch zu einer Strassenkreuzung mit Kreisel oder Lichtsignalanlage bei der heutigen Kartbahn führen. Der Bus ist beispielsweise ebenfalls von der miserablen Verkehrsführung betroffen, denn für separate Busspuren ist bis auf den Abschnitt im Feld kein Platz da. Für die neue Strasse wären separate Busspuren möglich, oder sind sogar erschwinglich. Es ist alarmierend, wie viele Menschen ihren Arbeitsweg, der sich nur über rund fünf Kilometer von Brunnen nach Schwyz oder in die Gegenrichtung erstreckt, mit ihrem Auto in Angriff nehmen, obwohl parallel dazu die Busse der AAGS im Viertelstundentakt verkehren. Man kann schon sagen, der Bus sei zu langsam, aber er ist langsam aufgrund des grossen Verkehrsaufkommens, das der Individualverkehr verursacht.

Auch im ÖV soll geplant werden
Die neuen Quartiere sollen auch mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen werden. So ist eine neue Buslinie zwischen den Bahnhöfen Schwyz und Brunnen, welche das Zeughausareal genauso erschliessen soll wie das Holcim- und das Lagerhäuserareal, zu schaffen. Zudem könnte die SBB neue Haltestellen in Seewen beim Zeughausareal und in Ingenbohl bei den Kühllagern in der Stegstuden und beim Holcim-Areal, das ja bereits eine konkrete Zukunft unter dem Namen Nova Brunnen haben soll, errichten. Die Areale sollen gut erschlossen werden, denn die sollen nicht nur dem Wohnen dienen, sondern auch der Arbeit und der Freizeit, so auch der Kultur und Sport. Zwei S-Bahnlinien mit direkten Verbindungen nach Zug und Luzern sollten eigentlich reichen, um eine gewisse Attraktivität für die Benutzung der Haltestellen zu gewährleisten, dazu wird der nördliche Teil Ingenbohls besser an die Eisenbahn angeschlossen, denn bisher fahren die Züge zu just dem Zeitpunkt ab, an dem die Busse auf dem Viadukt die Gleise überqueren. Des Weiteren könnten auch weitere Buslinien, beispielsweise diejenige aus Morschach, die Querverbindung vom Gätzlikreisel ins Holcim-Areal bedienen und so die beiden Verkehrsachsen miteinander verbinden. Für die SBB-Station in der Stegstuden wäre gar eine Verkehrsdrehscheibe möglich, einerseits Park+Ride-Parkplätze, andererseits Umsteigebeziehungen zwischen der Bahn und dem Bus Richtung Gätzli. Natürlich können auch im Nova Brunnen-Areal oder dem Lagerhäusergebiet weitere Parkhäuser errichtet werden.
Wünschenswert wäre natürlich auch eine Lösung für den Verkehr zwischen Brunnen und Schwyz an sich, um einerseits den Bus zu entlasten, andererseits aber auch die Autofahrer zum Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel zu animieren. Die möglichen Varianten sind zahlreich, doch viele würden sich aufgrund der Investitionen nicht lohnen. Von 1915 bis 1962 führten die Schwyzer Strassenbahnen eine Linie von Schwyz Post über Ibach nach Brunnen, doch eine Reaktivierung einer solchen Strassenbahn würde sich nicht lohnen. Es wäre kaum Platz da, denn damals verkehrte sie einspurig, doch um dem Verkehr gewachsen zu sein, müsste sie doppelspurig ausgebaut werden, was wiederum zu engen Platzverhältnisse für Busse und die Automobilisten führen könnte. Sehr visionär wäre natürlich auch ein U-Bahn-System, doch das Kosten-Nutzen-Verhältnis würde sehr unbefriedigend ausfallen, zudem wäre eine starke Steigung nötig; in Lausanne hat man das gemeistert, jedoch unter grossem Aufwand. Eine Seilbahnlösung, wie sie in der Agglomeration Luzern/Kriens geplant ist, käme schon aus städtebaulichen Gründen kaum in Frage. Also bleibt wohl nichts anderes übrig, als den Busverkehr mindestens auf einen Zehnminutentakt zumindest zwischen Schwyz Post und Brunnen Schiller auszuweiten.

Projekt Nova Brunnen
Unter dem Projektnamen Nova Brunnen hat die Schwyzer Kantonalbank als Eigentümerin des Holcim-Areals im Frühjahr 2011 die zukünftige Nutzung des brachliegenden Geländes präsentiert. In fünf Etappen sollen Neubauten entstehen, aber auch bisherige Fabrikbauten saniert und umgenutzt werden. Das neue Quartier soll nebst Wohnungen auch Büros, Läden, kulturelle Einrichtungen und Sportanlagen besitzen. Zusätzlich wird die Uferlandschaft zur Muota aufgewertet und mit Rad- und Spazierwegen versehen. Die IG Kulturtraum fordert ein Kulturzentrum in den Gemeinden Ingenbohl und Schwyz, was von den Gemeinden zunächst abgelehnt wurde, jedoch im Rahmen von Nova Brunnen von den Planern als mögliche Nutzung ins Auge gefasst wurde.

Links

  • Projektvisualisierung Nova Brunnen
  • Übersichtsseite des Kantons zur Urmibergachse mit diversen Mitteilungen
  • Folienpräsentation anlässlich der Orientierung vom 5. April 2010
  • Empfehlung der Arbeitsgruppe