Hört endlich mit diesem Geheule um die Armee auf!

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Mal wieder dient die Schweizer Armee als Zankapfel. Während der Bundesrat das Kontingent auf 80’000 Mann beschränken will, möchte der Nationalrat, dass mindestens 100’000 Soldaten im Tarnanzug durch die Gegend kriechen. Dazu will man noch neue Kampfjets anschaffen. Natürlich alles für viel, viel Geld. Die ganze Debatte ist eigentlich überflüssig. Wenn man eine Armee will, sollen nur diejenigen ins Militär, die es von sich aus wollen. Die Wehrpflicht und vor allem der Zwang zum Weitermachen ist in meinen Augen eine Verletzung der menschlichen Grundrechte, da man nicht selber entscheiden kann, was man will.

Kriegsverherrlichung ist Usus
Jedes Kind bekommt zigmal in der Schule die Heldengeschichten der Eidgenossen zu hören, wie sie die bösen, bösen Habsburger mit Steinen oder Heugabeln besiegt haben. Kriegsverherrlichung schon in der Schule, wie schön. Unschuldige Kinderköpfe werden dazu getrimmt, patriotistisch zu werden. Dabei zählt doch nicht die Nationalität, sondern der Mensch an sich. Wir bestehen alle aus Knochen, Haut, Fleisch und Blut, haben alle Augenbrauen, und Haare (zumindest die jüngeren Semester). Noch schöner ist, dass sagenhafte 5 Milliarden Franken pro Jahr für die Landesverteidigung ausgegeben wird, zudem wird aus der Schweiz in Hülle und Fülle Kriegsmaterial in andere Länder exportiert. Ist man gegen diese Exporte, bekommt man die Feindseligkeiten anderer Leute zu spüren, denn für diese sind diese Exporte Teil der Wirtschaft. Ich würde mich schämen, für Geld blutige Hände zu verursachen! Und die Armee, entschuldigen Sie bitte, aber was ist ihr Zweck? Die Abwehr eines Angriffs der Liechtensteiner? Bei den anderen Staaten hätten wir in punkto Kriegsführung sowieso keine Chance, also bitte lasst die Spielchen sein. Das Geld wäre in der Entwicklungshilfe sowieso besser angelegt.

Keine Wehrpflicht mehr…
Ganz abzuschaffen wäre die Armee nicht unbedingt, für den Fall der Fälle könnte eine kleine Truppe von 10’000 bis 20’000 Mann bestehen bleiben. Dafür gäbe es genug Freiwillige, die freiwillig ihren Dienst fürs Vaterland absolvieren würden. Es ist unnötig, Menschen dazu zu zwingen, zunächst in der Rekrutenschule 21 Wochen lang im Dreck herumzukriechen. Hätte man nur begeisterungsfähige Soldaten in der Einheit, so hätten auch die Schreihälse a.k.a. Gruppenführer ein paar Sorgen weniger. Ihre Arbeit geht einfacher, die für die Gruppe erforderlichen Ziele werden schneller erledigt. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht würde also beiden Seiten geholfen. Vielen jungen Männern wird so auch eine rasche Weiterführung ihrer beruflichen Karriere untersagt, ich hatte das Glück, „nur“ zivilschutztauglich zu sein, so dass die Weichen für meine berufliche Zukunft bereits wenige Wochen nach der Absolvierung der Matura gestellt werden konnten. Und wer immer noch denkt, dass man nur in der RS zum Mann würde, der ist bemitleidenswert, denn wenn er ein solcher Beweis für seine Männlichkeit braucht… Und diesen Satz habe ich nicht hinzugefügt, weil ich untauglich war, nur um das klarzustellen.
Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) hat am 17. April 2010 in Solothurn eine Volksinitiative zur Abschaffung der Wehrpflicht lanciert. Die Sammelphase dauert noch bis Januar 2012. Die GSoA hat bereits zwei Initiativen zur Abschaffung der Armee eingegeben, zudem war sie die treibende Kraft hinter der Waffenschutzinitiative und der Initiative gegen Waffenexporte.
Schon heute kommt man relativ einfach vom Dienst bei der Armee weg.

Keine Kampfjets mehr bitte
Ebenfalls höchst überflüssig ist das Vorhaben des VBS, für etliche Milliarden neue Kampfjets anzuschaffen. Auch wenn die Aussage wahr sein soll, dass mindestens ein Drittel der heute noch 33 F/A-18 stets in Wartung sind und daher nicht zur Verfügung stehen, braucht es nach der Verschrottung der Tiger keine neuen Kampfflugzeuge mehr. Bestellt hatte das VBS 34 der Flieger, am 7. April 1998 stürzte einer bei Crans-sur-Sierre im Wallis ab. Die einzige Fliegereinheit, die von Nutzen ist, ist die Patrouille Suisse, die kann ohne weiteres bestehen bleiben. Statt wie die anderen die Bevölkerung mit lautem Fluglärm und wenn möglich gar noch Überschallflügen zu nerven – jedes Mal wenn die Schallmauer durchbrochen wurde, sind beispielsweise im Facebook zahlreiche Statusmeldungen zu sehen mit der Frage „was wohl da so laut geknallt hat“ – unterhält sie mit wagemutigen Kunststücken und zeigen, dass man die Flieger auch für was Sinnvolles nutzen kann. Für was brauchen wir denn sonst solche Flieger? Um andere Flugzeuge abzufangen? Wann ist das zuletzt geschehen? Keine Ahnung. Viele meinten in der letzten Woche, dass oberhalb Zürichs ein Airbus A380 der Lufthansa von Terroristen entführt wurde, da er von Flugzeugen der Luftwaffe eskortiert wurde. Wieder mal viel Lärm um nichts, denn dem Riesenflieger stand in Kloten die Taufe auf den Namen Zürich bevor.
Sollten jedoch die 33 F/A-18 Hornet, wie die Militärflugzeuge aus dem Hause Boeing übrigens offiziell heissen, nicht ausreichen und das VBS und alle anderen Leutchen in Bern um jeden Preis mehr Flieger wollen, dann können sie ja einerseits ihre Tiger sanieren oder für den Fall der Fälle auch mal ein, zwei Flieger aus einem Nachbarland ausleihen. Österreich hat es ja demonstriert, sie liehen von der Schweiz ein paar Tiger aus.
Das Geld wäre an anderen Orten definitiv besser angelegt, an Orten, die für die Zukunft unseres Planeten wichtig sind. Es ist nämlich nicht nur so, dass wir in der Gegenwart gut leben müssen, sondern auch in der Zukunft. Ich steigere das noch ein bisschen und sage, dass auch unsere Kinder, Enkelkinder, und so weiter ebenfalls einen Lebensstandard haben dürfen, wie wir ihn besitzen. Und das geht nicht, wenn die halbe Welt wegen dem Klimawandel überflutet ist und die andere Hälfte an Hunger leidet oder wenn sich eine Kernschmelze in einem Atomkraftwerk ereignet hat? Fukushima und Tschernobyl sind für mehrere Jahrhunderte unbewohnbar geworden…

Was wäre die Welt ohne Waffen
Ich habe mir mal die Frage gestellt, wie denn die Welt ohne Waffen aussehen würde. Fakt ist, dass die Waffen, egal ob jetzt Feuerwaffen oder Messer, die Gier des Menschen noch verstärkt hatte. Sie haben Krieg erst ermöglicht, die Kämpfe zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern mit ein paar Hellebarden waren im Vergleich zu den heutigen Kämpfen keine Kriege. Heute werden massenweise Menschen vernichtet, Menschen, die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten, einfach ausgelöscht. Nur wegen der Gier eines Machthabers. Und nur wegen dem vorhandenen Kriegswerkzeug. Ohne Waffen könnten Gaddafi oder Al-Assad nicht auf ihr eigenes Volk schiessen. Die Revolutionen wären im Falle von Libyen schneller vonstatten gegangen oder im Falle von Syrien überhaupt geglückt, hätte die Regierung kein Waffenkontingent auf der eigenen Seite gehabt. Dass unblutige Revolutionen funktionieren, hat das Beispiel der Nelkenrevolution 1974 in Portugal gezeigt, bei der kein einziger Blutstropfen versprüht wurde.
Das traurige ist noch, dass Pistolen oder Revolver als cool angesehen werden, man denke da nur an die Westernfilme. Jeder Dreikäsehoch ist sicherlich an irgend einer Fasnacht als Cowboy verkleidet und ballert mit seiner Chäpslipistole in der Gegend rum. Übrigens unterliegen diese seit 2009 zurecht dem Waffenrecht, der Verkauf ist nicht mehr erlaubt, wenn der Unterschied zwischen einer solchen Spielzeugpistole und einer echten Handfeuerwaffe nicht erkennbar ist. Den Kaugummizigaretten ist möglicherweise dasselbe Schicksal besiegelt, denn die WHO sieht die vor allem bei Kindern beliebten Süssigkeiten im Rahmen ihrer Tabakprävention als Einstiegsdroge. Vielleicht kann hier eine Analogie zu den Waffen gezogen werden, denn durch Lucky Luke und Co. wird man schon früh mit dem Waffenfieber infiziert.
Vermutlich deswegen spielten am 17. September in Gachnang/TG drei Knaben mit einer Dienstwaffe eines Kantonspolizisten, ehe sich ein Schuss löste und einen 13-jährigen schwer am Hals verletzte. Der Junge erlag am darauffolgenden Tag im Spital seinen Verletzungen.
Dazu kommt nebst dem Krieg noch die hohe Anzahl an Tötungsdelikten, die man Waffen zu verdanken hat. Nahezu zehn Jahre ist es her, seit F. L. als Racheakt den Zuger Kantonsratssaal stürmte und 14 Parlamentarier erschoss. Die Meinungen gehen auseinander, ob dasselbe auch geschehen wäre, hätte L. keine Pumpgun, keine Handgranate und kein Sturmgewehr zur Verfügung gehabt. Er hätte auch mit blossen Händen zur Tötungsmaschine werden können, keine Frage, aber die von ihm hinterlassene Blutspur wäre weitaus kürzer ausgefallen. Ein brandaktuelles Beispiel ist A. B., der in Oslo das Regierungsgebäude in die Luft jagte und auf der Insel Utøya 68 Menschen hinrichtete. Was wäre gewesen, hätte B. keine Waffen gehabt? Die Bombe hätte er sicherlich selbst basteln können, doch die Ausmasse seiner Gräueltat wären viel milder ausgefallen. Ich finde fast keine Worte, einerseits ist das Entsetzen immer noch sehr gross, andererseits bekunde ich Angst, ein falsches Wort niederzuschreiben, was falsch verstanden und aufgegriffen werden könnte.
Andererseits wären Polizeibeamten und anderen Sicherheitskräften die Hände massiv mehr gebunden, wären sie nicht bewaffnet. Sich gegen einen massigen Verbrecher oder Schläger in Wehr zu setzen, fällt viel einfacher, wenn man in seinem Gürtel eine Pistole oder einen Taser zu haben weiss. Man wird psychologisch stärker. Müsste man sich „nur“ prügeln, wäre man chancenlos, es sei denn, man wäre Judo- oder Karate-Weltmeister. Auch hier ist die Waffe ein Symbol von Macht, aber im positiven Sinne. Sie verleiht Kraft, die dem Polizisten zum Sieg gegen seinen Gegenüber verhilft. Leider ist es sehr schwer, eine klare Grenze zwischen positiver und negativer Macht in diesem Sinne zu schaffen. Denn schliesslich kann jeder ausrasten, egal was für ein ruhiges Wesen er oder sie zu sein scheint.

Bericht der Rundschau des Schweizer Fernsehens vom 12. Januar 2011 über die Waffeninitiative

Link

  • Gruppe für eine Schweiz ohne Armee
  • Bericht zur Nationalratskommission in Bezug auf die Beschaffung neuer Kampfjets