Der Krater ist weg, neue Bauten entstehen, aber wissen wir alles?

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Man kommt nicht drum herum, auf allen Medienkanälen wird man mit den Bildern der brennenden Twin Towers konfrontiert – der 11. September 2001 ist jetzt nun zehn Jahre her. Doch während in den meisten Reportagen und Berichten die Ereignisse von damals Revue passiert werden, widme ich mich anderen Aspekten: Aus architektonischer Sicht betrachte ich einerseits die Zwillingstürme, andererseits aber auch die Nachfolgebauten des WTC-Komplexes, dann die Rolle der Medien während 9/11 und zum Ende bekommen noch die zahlreich kursierenden Verschwörungstheorien einen Platz in diesem Artikel.

Krieg als Reaktion
Zehn Jahre ist es her, als zwei Flugzeuge die beiden Türme des World Trade Centers in New York attackierten, ein drittes ins Pentagon in Arlington krachte und ein viertes mit mutmasslichem Ziel Washington in ein freies Feld in Pennsylvania krachte. 2970 unschuldige Todesopfer waren zu beklagen, doch ebenso gravierend waren die Folgen. Unter den Opfern waren in New York auch 411 Helfer zu finden, darunter 343 Feuerwehrleute. Viele weitere erkrankten im Verlauf der Jahre an Krebs aufgrund des Feinstaubs nach dem Einsturz, doch zu den offiziellen Feierlichkeiten des 10. Jahrestags wurde keine Vertreter der Rettungskräfte eingeladen. Mit relativ kleinem Aufwand – das Budget betrug nach diversen Angaben maximal eine halbe Million US-Dollar – konnten religiöse Fundamentalisten die westliche Welt und insbesondere die selbsternannte Weltmacht USA in ihren Grundfesten erschüttert werden. Die Definition von Terrorismus ist, dass eine kleine Gruppe – in diesem Fall 19 Attentäter angeblich im Auftrag von Bin Ladens Al Kaida – durch gewisse Ereignisse und Taten eine grosse Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wahr ist, 9/11 ist stets omnipräsent. Der in Anlehnung an die Aufprallstelle einer Bombe Ground Zero genannte Schuttkrater ist mittlerweile weg, stattdessen säumen Baustellen von Gedenkstätte, Museum und Wolkenkratzer das Gelände an der Südspitze Manhattans. Das meiste Scheinwerferlicht zog die Tat vermutlich auf sich, da es ausgerechnet die USA getroffen hat. Wäre ein anderes Land Ziel der Anschläge geworden, hätte es die Welt vermutlich weniger interessiert und die Sache wäre nach ein paar Monaten wieder vergessen gegangen. Auch in anderen Ländern hat es vergleichbare Ereignisse gegeben, dazu kommen Katastrophen humanitären und naturellen Ursprungs. Doch das vermeintlich stärkste Land der Welt wurde durch die Angriffe im Herz getroffen – das World Trade Center galt als Säule der Wirtschaft – und wurde verwundbar gezeigt. Erstmals seit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour 1941 – der auf den ersten Blick genauso wie 9/11 überraschend war – wurden die USA wieder auf eigenem Territorium angegriffen. Als Reaktion darauf startete der damals amtierende US-Präsident George W. Bush mit dem Anti-Terror-Krieg eine Offensive in Afghanistan, eineinhalb Jahre später marschierten seine Streitkräfte zudem in den Irak ein. Ziel war die Absetzung der jeweiligen Regierungen, was gelungen ist, und die Einführung von Stabilität ins Land, was in beiden Fällen gründlich missraten ist, insbesondere der Irak war gegen aussen unter der Hussein-Diktatur stabiler, denn nach dessen Sturz konnten die zuvor unterdrückten Sunniten und Schiiten, die sich übrigens spinnefeind sind, ihre gewünschte Macht ausleben, auf Kompromisse kann man noch hunderte Jahre warten. Noch heute schwelen die Kriege mit unzähligen von Opfern auf beiden Seiten – auch Zivilisten, zudem konnte Osama Bin Laden trotz intensiven Bemühungen erst im Mai dieses Jahres ausfindig gemacht werden. Auch hinter der Fassade der USA kamen erschütternde Vorgehensweisen zum Vorschein: Guantanamo und Abu Ghraib erwecken blankes Entsetzen. Trotz der Versuche Obamas ist Guantanamo immer noch in Betrieb.
Wie man in den letzten Tagen unschwer erkennen konnte, scheint sich irgendwie jeder genau an diesen Tag erinnern zu können. Ich war damals 10 Jahre alt und habe immer noch die riesengrosse, fette, rote Breaking-News-Zeile des SF DRS-Teletexts im Kopf: ANSCHLAG AUF DAS WTC IN NY

Symbol für die Wirtschaftskraft
Die Attentäter hatten sich ein markantes Ziel für die grauenhaften Attacken ausgesucht, denn das World Trade Center an der Südspitze Manhattans war das Symbol für die Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten von Amerika. Zudem waren die Twin Towers damals die höchsten Gebäude New Yorks, im eigenen Land wiederum mussten sie sich nur noch dem Willis Tower (damals Sears Tower) in Chicago geschlagen geben. Die beiden Zwillingstürme wurden nach siebenjähriger Planungszeit im April 1973 eröffnet, der Nordturm mass 417 Meter – mit dem Antennenmast gar 526 Meter, der Südturm 415 Meter. Die Bauten wurden im Auftrag der New Yorker Port Authority erstellt, Architekt der Zwillingstürme war der Japaner Minoru Yamasaki. Der Grund für den Bau war die erstrebte Wiederbelebung von Lower Manhattan. Dem geplanten Neubauprojekt mussten etwa 170 Gebäude weichen. Nebst Yamasakis Zwillingstürme umfasste der WTC-Komplex fünf weitere Gebäude, alle wurden durchnummeriert. Von WTC1 (Nordturm) über WTC 2 (Südturm) bis hin zu WTC7. An den übrigen Gebäuden waren diverse Architekturbüros beteiligt, als Verbindung untereinander wurden Brücken zwischen den Gebäuden errichtet.
Yamasakis erster Entwurf sah die Zwillingstürme mit 80 Etagen vor, jedoch wurde dieser verworfen, da die Vorgabe von einer Million Quadratmeter Bürofläche nicht erreicht werden konnte, da die Türme je einen quadratischen Grundriss von 63,4 x 63,4 Metern aufwiesen. Das grösste Hindernis bildeten jedoch die Aufzüge, da bei zunehmender Höhe stets mehr solche zur Verfügung stehen mussten. Also resultierten am Ende „nur“ 930’000 Quadratmeter, die Million konnte jedoch mit den fünf weiteren Gebäuden des Komplexes problemlos erreicht werden. Für die opimale Erschliessung wurde ein Expressliftsystem verwendet. Die Bauform war simpel, die Türme sollten nur durch ihre Höhe imponieren. Überzogen waren die Türme von einem Gitterwerk, das jeweils 45 Zentimeter breite, nicht zu öffnende Fenster umfasste. Yamasaki litt unter Höhenangst und wollte so den Arbeitenden ein Gefühl von Sicherheit geben. Anfangs sah sich die Port Authority wegen den Twin Towers grosser Kritik entgegengesetzt, die Bauten strahlen keine Ästethik aus. Als Antwort auf die Befürchtung, dass der Fernsehempfang durch die Türme in New York City beeinträchtigt würde, installierte man die Sendeanlage auf dem Nordturm.
Um die angestrebte Höhe problemlos zu erreichen, wurde das Tragwerk anders als bei üblichen Hochhäusern aussen festgesetzt. Beim Bau wurde dabei ausgegangen, dass die Stahlkonstruktion des WTC bei einem Aufprall eines 970 km/h schnellen Verkehrsflugzeuges nicht einstürzen würde, da das Guthaben auf demjenigen des aus Mauerwerk bestehenden Empire State Buildings beruhte. Dieses Gutachten ist auch Gegenstand der Verschwörungstheorien, jedoch ging es bei den Anschlägen am 11. September 2001 verloren.
Der Gesamtkomplex bestand aus sechs Gebäuden, die im Kreise um die World Trade Center Plaza angelegt wurden. Das siebte Gebäude befand sich auf der anderen Strassenseite gegenüber von WTC5 und WTC6, war aber mit dem Komplex verbunden. Zwischen den Zwillingstürmen wurde der West Street entlang das WTC3 hochgezogen, das als Hotel konzipierte Gebäude wurde vom Marriott-Konzern gemietet. Die restlichen Gebäude waren ebenfalls Bürobauten. Zudem wurde eine unterirdische Einkaufspassage errichtet, dazu entstanden mehrere Stationen der Subway und der PATH. Westlich des WTC-Komplexes entstand nach einer Landaufschüttung das aus vier Hochhäusern bestehende World Financial Center Der von César Pelli entworfene Komplex wurde am 11. September 2001 schwer beschädigt, konnte jedoch saniert werden. Der WFC-Komplex war per Fussgängerbrücke mit dem WTC6 verbunden. Nach den Anschlägen stürzten WTC1, WTC2 und WTC7 ein, die anderen Bauten wurden schwer beschädigt und mussten abgerissen werden.
Die Zwillingstürme stehen nicht mehr, jedoch existiert in der Stadt Tulsa in Oklahoma der ebenfalls von Yamasaki nach denselben Plänen entstandene Drillingsklon, der 203 Meter hohe BOK Tower.

Der Wiederaufbau hat begonnen
Als erstes wurde der Wiederaufbau des WTC7 an derselben Stelle forciert. Der Architekt David Childs entwarf einen 228 Meter hohen Wolkenkratzer, der höher, aber schlanker als sein Vorgänger ist. Das Fundament besteht aus einem Betonkern. Neben dem 7 World Trade Center entsteht auch das Four World Trade Center an der alten Stelle, jedoch wird anstelle eines neunstöckigen Hochhauses ein 297 Meter hoher Wolkenkratzer errichtet. Der Bau nach Plänen des Japaners Fumihiko Maki kostet 800 Millionen Dollar, inflationsbedingt einen Viertel der Zwillingstürme. Auch dieser Turm besteht aus einem Betonkern, in dem alle Versorgungseinrichtungen untergebracht sind. Bei 211 Metern setzt eine leichte Verjüngung des Gebäudes ein, welche dann in einem Flachdach, das eine kleinere Fläche als der Grundriss aufweist, resultiert. Die Fertigstellung ist auf 2013 terminiert.
Ein Jahr danach soll das Three World Trade Center nach Plänen des britischen Stararchitekten Richard Rogers vollendet sein. Der vollständig mit einer Glasfassade verkleidete Bau soll eine Höhe von 349,7 Metern erreichen, anschliessend soll auf dem Dach an einer Ecke eine Spitze in die Höhe ragen, so dass das Gebäude am Ende 378 Meter messen wird. Aufgrund der Besitzverhältnisse am Ground Zero entstand ein Streit zwischen dem Landeigentümer, der Port Authority, und dem vormaligen WTC-Pächter, der Silverstein Properties. Silverstein ist Eigentümer der Türme 2, 3 und 4, während die Port Authority den Turm 1 besitzt. Da Silverstein in Finanznöten geriet, ersuchte sie die Port Authority um finanzielle Unterstützung, was diese jedoch ablehnte. Im Gegenzug schlug sie die Begrenzung der Bauten 2 und 3 auf fünf Stockwerke vor. Silverstein lehnte ab, und es entbrannte ein Streit, da sich die Port Authority weigerte, Gebäude zu unterstützen, die nicht mal vorbestellte Mietflächen besassen. Der Baubeginn wurde so empflindlich verzögert. Nach einer im März 2010 erzielten Einigung zwischen Port Authority, der Stadt und Silverstein Properties konnten im Juli desselben Jahres, auch nach Protesten der Bauarbeiter gegen die Verzögerung, die Baumaschinen auffahren. Die Türme werden mit der geplanten Höhe verwirklicht, sollten bis 2012 über 16 Prozent der Nutzfläche vermietet sein, ansonsten würde die Stockwerkanzahl auf acht beschränkt.
Aus demselben Grund auf Eis gelegt ist der Bau von Two World Trade Center nach dem Entwurf des 30 St Mary Axe-Architekten Sir Norman Foster. Aufgrund der tiefen Nachfrage wurde im Juli 2010 nur mit dem Bau bis zur Strassenhöhe begonnen. Der Rest soll nach der Regenerierung der Immobilienwirtschaft folgen, daher ist kein fixer Zeitplan bekannt. Sollte das 88-stöckige Gebäude jedoch fertig gestellt werden, wäre es mit einer Höhe von 387, 1 Metern neben dem benachbarten One World Trade Center das zweithöchste Gebäude in New York City, 6 Meter höher als das Empire State Building. Nach dem Dach folgt eine Dreieckskonstruktion, die zu einer Spitze in 411 Metern zuläuft. Ein spezieller Effekt wird mit vier gekippten Quadraten mit unterschiedlicher Höhe am Dach erzeugt, denn optisch sollte das Gebäude aussehen, als würde es aus vier einzelnen, unterschiedlich hohen Bauten bestehen.
Das Prunkstück des ganzen Areals wird One World Trade Center werden, das auf dem Gelände des ehemaligen WTC6 hochgezogen wird. Bis zum Dach wird der zuvor Freedom Tower genannte Bau eine Höhe von 417 Metern aufweisen, also dieselbe wie der Nordturm des alten World Trade Centers. Danach folgt die Spitze, so dass am Ende eine Höhe von 1776 Fuss (541, 3 Meter) resultiert, was den Bau zum höchsten Wolkenkratzer New Yorks macht. Die Höhe in Fuss ist eine Anspielung auf das Unabhängigkeitsjahr der USA. Anfangs war geplant, dass der Turm das höchste Gebäude der Welt sein soll, jedoch hat dieser Titel das Burj Dubai mit 828 Metern Höhe inne. Bei diesem Bau hat es die Vorgeschichte in sich. Nach Streitereien, ob das Gelände wieder aufgebaut werden soll, oder als Gedenkstätte brach liegen gelassen werden soll, wurde noch 2002 ein freier Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Von den 406 eingereichten Beiträgen gewann derjenige des gebürtigen Polen Daniel Libeskind, der einen Kompromiss zwischen den beiden Polen darstellen will. Die Stellen der Twin Towers sollen freigelassen und in eine Gedenkstätte umgebaut werden, rundherum sollen Hochhäuser erbaut werden. An der Nordostecke soll der Freedom Tower mit 1776 Fuss errichtet werden. Unter anderem erhielt Libeskind wegen dieser Höhe den Zuschlag. Jedoch bemängelte die Pächterin Silverstein Properties, dass der Turm mit 70 vorgesehenen Stockwerken viel zu wenig Nutzfläche umfassen würde und holte David Child ins Boot. Libeskinds Rolle wurde immer mehr dezimiert und die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden immer grösser, bis Child auf Silversteins Befugnis hin zum alleinigen Architekten ernannt wurde. Dieser änderte Libeskinds Entwurf gewaltig ab, so dass am Ende von der ursprünglichen Projektidee nur noch die Höhe blieb. Aus architektonischer Sicht darf ich behaupten, dass Child Libeskinds Werk zerstört hat, denn aus einem kühnen Entwurf wurde ein 0815-Bau. 2006 wurde mit dem Bau begonnen und die Landeigentümerin Port Authority erwarb One World Trade Center. Hätte sie diesen Schritt schon früher vollzogen, hätte Libeskind vermutlich seinen Job behalten. Der Rohbau wird Ende 2011 fertig sein, eröffnet werden soll das Gebäude dann 2013.

Beitrag des US-Nachrichtensenders MSNBC zum Vergleich zwischen dem Freedom Tower und den Zwillingstürmen des WTC

Auf den Grundrissen der beiden Türmen wurden quadratische Wasserbecken errichtet, an denen Rändern das Wasser neun Meter in die Tiefe stürzt. Unter den Becken ist ein Pavillon errichtet. Das Mahnmal und Museum soll nicht nur an die Opfer von 9/11 erinnern, sondern auch an die sechs Toten des Bombenanschlags 1993. Damals wurde für diese eine Gedenkstätte errichtet, die am 11. September 2001 jedoch zerstört wurde. In einem Jahr soll das Gelände komplett eröffnet werden, einige Teile schon 2011 anlässlich des 10. Jahrestags.
Bis 2013 folgt dann noch der vom spanisch-schweizerischen Stararchitekten Santiago Calatrava entworfene WTC Transportation Hub, welcher einen neuen Verkehrsknotenpunkt von Subway und PATH beinhaltet und sich über der Erdoberfläche durch eine Calatrava-typische Hallenkonstruktionen bemerkbar macht.

WTC 6 wird nicht mehr vergeben, während ein neues Gebäude namens WTC5 südlich des Komplexes errichtet wird.

Das Verhalten der Medien bei 9/11
Dem Einschlag des zweiten Flugzeugs konnte die Bevölkerung über CNN live beiwohnen, genauso die Einstürze der Bauten. Später kamen dann noch das brennende Pentagon und das freie Feld in Shanksville, wo das vierte Flugzeug nach Aufständen der Passagiere an Bord von den Attentätern mit voller Geschwindigkeit in den Boden gerammt wurde.

CNN am 11. September 2011, ab 8:59 Uhr Ortszeit

Ähnlich wie bei der Geiselnahme an den Olympischen Spielen 1972 in München war die Welt Live-Zuschauerin eines solchen Ereignisses. Diese mediale Aufmerksamkeit verhalf dem Ereignis zu einem nie dagewesenen Bekanntheitsgrad. Bei 9/11 ist das nicht viel anders, denn die Zuschauerinnen und Zuschauern wurden durch die Live-Bilder noch mehr geschockt, als wenn es keine Aufnahmen von den Einschlägen gegeben hätte. Um noch ein bisschen Ironie dazuzubringen. Die irische New-Age-Sängerin Enya – die unter anderem auch Titelsongs zu Peter Jackson’s Herr der Ringe-Trilogie beigesteuert hatte – veröffentlichte ihren Soundtrack-Beitrag zum Streifen Sweet November, Only Time, im Jahr 2000 als Single. Jedoch wurde diese zum Ladenhüter. Als ein TV-Sender den Song zur Untermalung von Bildern der Anschläge verwendete, schossen die Verkaufszahlen in die Höhe – Only Time war auf Platz 10 der US-Billboard-Charts vertreten, in Deutschland, der Schweiz und Österreich erreichte sie gar die Spitze. In Deutschland wurde Enya 2001 mit dem Echo für die erfolgreichste Single des Jahres ausgezeichnet. Die Geste wurde daraufhin von zahlreichen YouTube-Usern wiederholt, welche eigenhändige 9/11-Videos mit Only Time untermalten:

Beeindruckend ist auch die Bewegtheit der TV-Moderatoren, beispielsweise Heiri Müller in der Hauptausgabe der SF DRS-Tagesschau vom selben Tag. Müller, der bis zu seinem Rückzug im Juni 2007 sonst sehr sicher und cool die Tagesschau moderierte, begrüsst die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Beginn der Sendung mit brüchiger und zittriger Stimme. Der promovierte Jurist hatte enormen Druck, seinen eigenen Angaben nach habe er bis vor Beginn der Sendung um die richtigen Worte gerungen. Wegen den zahlreichen Schaltungen in alle Welt war diese Sendung zweifelsohne die komplexeste der Tagesschau-Geschichte, zudem mit einer Länge von über 33 Minuten sicher eine der längsten. Normalerweise besitzt das Flagschiff der SF-Nachrichtensendung auch nach der Umstellung auf ein neues Dekor 20 bis 25 Minuten Sendezeit. Trotzdem meisterte er die Sendung erfolgreich und wurde mit guter Kritik überschüttet.

Verschwörungstheorien soweit das Auge reicht
Seit den Anschlägen ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um die wahren Hintergründe. Viele besagen, dass nicht Al Kaida, sondern das Bush-Kabinett selbst mit dem Geheimdienst CIA das ganze inszeniert hatte. Die Beweggründe dafür sind bekannt, denn durch die Attentate erhielt die Bush-Administration Zuwendung und Mitleid aus der ganzen Welt und hatte zudem einen triftigen Grund für die Kriegsoffensiven im Irak und Afghanistan. Insbesondere im letzten Fall waren durch den NATO-Vertrag auch andere Staaten wie beispielsweise Deutschland zum Krieg verpflichtet. Wenn ein NATO-Land angegriffen wird – was für die USA im Falle von 9/11 so war – sollten die anderen NATO-Mitgliedstaaten bei der Verteidigung zur Seite stehen. Für die Bush-Administration war der Krieg in Afghanistan eine solche Verteidigung, und so rutschten auch andere Staaten in die Schweinerei. Kein einziges Mal wurde verlangt, dass sich Bush und die restlichen NATO-Staaten bei den Angehörigen der Gefallenen entschuldigt. Sollte 9/11 tatsächlich von der Regierung inszeniert worden sein, wäre das wohl das mindeste, was getan werden muss. Viele Menschen teilen die Verschwörungstheorien, gemäss ein einer Umfrage von 20 Minuten ist die Mehrheit von einer Beteiligung der US-Regierung überzeugt. Nur gerade etwas mehr als ein Viertel ist der Meinung, das Al Kaida alleinschuldig ist.
Aber solange nichts bewiesen ist, ist nichts bewiesen und man muss mit den Fakten leben. Daher gilt Osama Bin Laden als Drahtzieher der Anschläge.
Eine Verschwörung ist ziemlich schnell aufgestellt, denn durch ein wenig Zahlenschieberei ist viel möglich: Das Datum der Anschläge entspricht so der allgemeinen Notrufnummer der USA, 911. Auch das New York City 11 Buchstaben hat, ist schnell herausgefunden. Doch es gibt auch ernstzunehmendere Fakten. Der 2007 veröffentlichte Zeitgeist: The Movie hat extra ein Kapitel der 9/11-Verschwörung gewidmet und zahlreiche Argumente hervorgebracht. Ein wichtiger Punkt ist dabei der Einsturz des WTC7. Dieses Gebäude stürzt Stunden nach den Twin Towers in einer fast exakten geometrischen Gleichmässigkeit ein. Verschwörer sehen da eine Sprengung. Offiziell wurde kein solches Material gefunden, doch die Wahrheit lässt sich jetzt eh nicht mehr rekonstruieren. Ebenfalls für Aufregung sorgte ein Live-Bericht der BBC am 11. September, der einen Einsturz von WTC7 meldete, obwohl das Gebäude hinter der Korrespondentin noch ganz zu sehen ist. Erst 25 Minuten später folgt der Einsturz:

Einsturz von WTC7 zu früh gemeldet

Der Einsturz von WTC 7

Offizieller Grund für den Einsturz von WTC7 sollen Bürobrände sein, die durch die Trümmer der Zwillingstürme ausgelöst wurden. Auch hier ist die Angelegenheit stark umstritten. 1500 Bauingenieure und Architekten unterstützen die Auffassung, dass gezielte Sprengungen zum Einsturz von WTC7 geführt haben.
Interessant ist der stufenweise Einsturz der Zwillingstürme, die ja ineinandergestürzt sind. Der Untersuchungsbericht hat gezeigt, dass die Stahlträger wegen dem entzündeten Benzin geschmolzen sind, und so die Bauten binnen 60 bis 75 Minuten kollabiert sind.
Doch: Kerosin verbrennt bei 600° Celsius, während Stahl bei 1450 °C zu schmelzen beginnt. Die Temperatur in den Türmen hat maximal 900° C betragen und trotzdem sollen die Stahlträger pulverisiert worden sein. Die Durchtrennung der Stahlträger war angeblich in eine sehr genaue diagonale Richtung erfolgt. Auch sollten kurz vor dem Einsturz der Türme Explosionen zu sehen und zu hören sein. Auch die Tagesschau des Schweizer Fernsehens erwähnt in ihrer Hauptausgabe des 11. September, dass vor dem Einsturz eine Explosion vonstatten gegangen sein sollte. Ebenfalls für Irritation sorgt der Fakt, dass normalerweise bis zu 50’000 Menschen in den Zwillingstürmen arbeiteten, jedoch kamen in New York „nur“ 2746 ums Leben, 17’000 weitere konnten von den Rettungskräften evakuiert werden, bevor die Twin Towers einstürzten.
Der Ruf nach neutralen Ermittlungen wird immer lauter. Auch Schweizer Persönlichkeiten setzen sich für eine unabhängige Neuuntersuchung der Attacken ein.
Zudem sollte nur sechs Wochen vor den Anschlägen der Komplex von den Silverstein-Pächtern mit 3,5 Milliarden Dollar auf Terroranschläge versichert worden sein. Unter anderem bei der Swiss Re, die einen hohen Kursverlust hinnehmen sollte. Silverstein Properties pachtete das Gelände vor der Port Authority erst im Juli 2001 auf eine Laufzeit von 99 Jahren. Zuvor befand sich bereits WTC7 in Silversteins Eigentum. Nach der Zerstörung der drei Bauten war Firmeneigentümer Larry Silverstein, der heute 80 Jahre alt ist, weiterhin gezwungen, die Miete zu bezahlen. Um die Kosten jedoch zu decken, versuchte er, für jeden der beiden Türme die 3,5 Milliarden Dollar Versicherungssume zu erhalten, da sie durch zwei unabhängige Ereignisse zerstört wurden. Im Endeffekt erhielt Silverstein 4,6 Milliarden Dollar, die er in die Neubauten – insbesondere Two World Trade Center, Three World Trade Center und Four World Trade Center – investierte.
Auch um das Pentagon und Shanksville kursieren dementsprechend Theorien und Gerüchte. Sowohl in Pennsylvania als auch in Arlington waren in den Trümmern angeblich keine Überreste von Flugzeugen zu sehen. Zudem fehlen im Bereich das Pentagon die Aufnahmen einer Überwachungskamera, welche den Absturz der Maschine aus dem richtigen Winkel gefilmt hat, im Bereich des 11. Septembers. Stattdessen hätte der Schaden im Pentagon den Verschwörungstheoretikern zufolge auch durch eine Rakete oder eine Autobombe verursacht werden können.
Der Nahost-Korrespondent und Experte für arabische Lände Ulrich Tilgner sagte damals am Abend es 11. September, dass er nicht glaube, dass der gesamte Anschlag komplett im nahen Osten geplant wurde, denn Osama bin Laden war seiner eigenen Meinung nach zu stark überwacht. Wenn diese grosse Sache in Afghanistan geplant worden wäre, hätte sicherlich jemand davon Wind bekommen.

So oder so trägt der US-amerikanische Staatsapparat eine Mitschuld. Durch Bürokratietheater bei CIA und FBI wurden Hinweise auf mögliche Anschläge vertuscht oder ignoriert.
Ich überlasse jedoch jedem selbst, ob er an eine Verschwörung glauben soll oder nicht. Es gibt diverse Filme pro und contra Verschwörungen, die werden jetzt im Zusammenhang mit dem Thema sicher über den einen oder anderen Fernsehsender ausgestrahlt.
Wenn die Wolkenkratzer fertig gestellt sind, werde ich vermutlich mal eine Reise nach New York antreten und sie besichtigen.
Die Wahrheit werden wir vermutlich niemals erfahren.