Wie man alle Seiten zufrieden stellen kann

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Immer wenn ein grösseres Projekt aufgeleist ist, gibt es meistens von Seiten der Bevölkerung aus vier Arten der Reaktion: Die Begeisterten sind Feuer und Flamme für die Angelegenheiten und möchten sie so schnell wie möglich durchboxen, diejenigen, die dafür sind, aber noch Alternativen in Bezug zum Beispiel auf Kosten überprüfen möchten, die dritte Gruppe wiederum besteht aus Gegnern, die jedoch einen Gegenvorschlag unterbreiten und die vierte Gruppe schliesst sich aus solchen zusammen, die gegen das Projekt sind, aber keine besseren Vorschläge haben. Reaktionen dieser Güte treten in letzter Zeit häufig auf, als innovative Projekte zur Förderung alternativer Energieformen vorgestellt wurden. Doch es kann auch anders gehen, wie ich im folgenden Beispiel aufzeige.

Vor rund zwei Wochen habe ich das geplante Windparkprojekt in der Surselva vorgestellt, der als grösster seiner Art der gesamten Schweiz gelten wird. Die vorgesehene Lage, der Piz Sezner zwischen Obersaxen und Lumnezia im Kanton Graubünden, bieten jedoch Konfliktpotential: Politiker, Naturschützer und die Betreiber der Skigebiete, drei Welten mit verschiedenen Interessen prallen aufeinander. Üblich würden sofort dunkle Wolken aufziehen, gelegentliche Blitze der Uneinigkeit beginnen langsam zu zucken.

Doch bei diesem Projekt sind alle Beteiligten wohlgestimmt. Wieso?

Der Glaube an die Notwendigkeit erneuerbaren Energien

Im Bündner Rheintal erhob sich bereits wegen einem einzigen geplanten Windrädchen Opposition, doch im Oberland, wo 40 solcher Anlagen vorgesehen sind, wollen alle an demselben Strick ziehen. Einerseits ist dies auf die Offenheit der Projektinitiantin Altaventa zurückzuführen, andererseits auch auf den Glauben der Beteiligten, dass die Schweiz dringend Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien braucht. Die Umweltverbände wollen normalerweise solche Anlagen in den Skigebieten, damit nicht noch mehr unverbrauchtes Land verloren geht, die Bergbahnen wiederum wollen sie weit abseits der Skipisten sehen und zu guter Letzt will die Bevölkerung die Anlagen möglichst ausserhalb der Sichtweite haben, einerseits wegen dem befürchteten Schattenwurf, andererseits wegen den „FFFT-FFFT-FFFT“-Lauten, die von den Rotoren ausgehen. Jedoch hat Altaventa, die das Projekt mit Unterstützung des Zürcher Energieunternehmens ewz das Projekt aufgegleist hat, ihre Hausaufgaben gemacht. Sie legt alle Karten offen auf den Tisch, so dass alle Beteiligten bereit für Kompromisslösungen sind und das Projekt sogar von den Umweltverbänden gelont wird. Es werden keine Halbwahrheiten erzählt, und im Gegensatz zum Mont Crosin im Jura wird auch auf kantonale Schutzzonen Rücksicht genommen. Zudem kann jeder Beteiligte mitreden.

Die Anlagen sollten nicht zu gross ausfallen

Im Gegensatz zu den Windparks in der Nordsee beispielsweise sollen in der Surselva Windräder von eher geringer Grösse errichtet werden, um die Landschaft nicht zu stark zu verschandeln. Zudem hat Altaventa in ihrer Projektvorstellung diverse Visualisierungen und Bildmontagen errichtet, die den geplanten Windpark aus Blickrichtung der einzelnen Dörfer und Skigebiete zeigen. Die Bergbahnen Obersaxen-Mundaun sind gar bereit, die Windräder auf ihren Gefilden errichten zu lassen, ohne einen touristischen Nutzen aus dem Windpark zu ziehen. „Grüner“ Tourismus, wie auf dem jurassischen Mont Crosin oder dem Mont Soleil, würde den Bergbahnen nichts bringen, da sie die auf solchen Tourismus zurückgehenden jährlichen Frequenzzahlen mit dem Skitourismus innerhalb einer Woche erreicht hätten. Aus Imagegründen würden die Anlagen aber in Zukunft mit Strom aus dem Windpark betrieben.

Einziger möglicher Standort im Kanton

Für Pro Natura ist der Piz Sezner jedoch der einzig mögliche Standort innerhalb des Kantons, da sich die Anlagen ausserhalb der Dörfer befinden würden, und dies bereits in der Zone, in der bereits Menschen vertreten sind, so dass keine weiteren Schutzflächen zerstört werden. So muss man halt auf andere Alternativen zurückgreifen, wie das die Prättigauer Gemeinde St. Antönien mit ihrem Solarkraftwerk beweist.

Förderung von Energieformen notwendig

Wenn man auf die Schutzzonen beharrt, mag das vielleicht der einzige Standort sein. Aber will man der prozentuale Anteil der Windenergie am gesamten Kuchen steigern, müsste man vielleicht über den Schatten springen. Das Churer Rheintal samt dessen St. Galler Fortsetzung wäre aufgrund der starken Föhnwinde ebenfalls ein guter Standort, und das muss die Opposition halt begreifen. Die Schweiz hat den richtigen Weg erkannt, denn solange man nicht weiss, wo man mit dem Atommüll hingehen soll, sollte bitte sehr auch keiner produziert werden. Ich habe ja noch nie ausprobiert, ob ein Reaktor wirklich den versprochenen 2,4 Tonnen TNT standhalten würde, aber wieso, dass man auf genau diese Angaben kommt, ist mir schleierhaft. Berechnungen und Realität sind oft verschieden, deswegen ist meiner Meinung nach der Ausstieg aus der Kernenergie die richtige Lösung. Jedoch sind in Zukunft so 40% des Energiekuchens zu kompensieren, und da es relativ schwierig ist, im eigenen Haushalt Energie zu sparen (schaltet doch bitte den Drucker oder den Fernseher aus, wenn ihr ihn nicht braucht!), müssen halt andere Formen ihren Anteil steigern. Das grösste As, das die Schweiz aus dem Ärmel schütteln kann, sind Wasserkraftwerke. Bei Staumauer vielleicht nicht, aber bei Staudämmen wäre eine Aufschüttung ohne Sicherheitsbedenken und somit auch eine Kapazitätserhöhung problemlos möglich. Soll eine Staumauer erhöht werden, soll sie vielleicht auch verbreitet werden, um ohne Probleme dem grösseren Druck, der durch mehr Wasser entsteht, standhalten zu können. Zudem könnten die Pumpspeicherkraftwerke ein hervorragendes Duo mit den Windkraftanlagen bilden. Bisher war ja das schlagkräftigste Argument der AKW-Befürworter, dass der in der Nacht nicht benötigte Atomstrom den Pumpspeicherkraftwerken zu Gute kommt. Würde es mehrere Windkraftanlagen mit genügener Leistung in der Schweiz geben, könnten mit diesen auch die Pumpen betrieben werden. Hierzulande windet es doch auch nachts! Liebe Umweltverbände, euren Protest gegen die Atomkraftwerke findet meine volle Unterstützung, jedoch vergrössert ihr mit dem Protest gegen den Bau von Windkraftanlagen, neuen Wasserkraftwerke, etc. die landesweite Energieproblematik. Wir brauchen Kompensation, die 2000 Watt-Gesellschaft ist meiner Ansicht nach leider ein unrealistisches Ziel, also braucht es halt Kompromisse, so dass halt ein oder zwei Windrädchen halt auf den Bergen drehen müssen, um keinen Mensch unten im Tal zu stören.

Und ich möchte zum Schluss noch darauf hinweisen, dass das Projekt unbedingt landesweit Schule machen soll. Die bisher grösste Anlage landesweit ist der Mont Crosin mit 16 Anlagen, doch es gibt noch zahlreiche andere mögliche Standorte mehr. Wer keine Windräder in der Nähe mag, kann auf seinen Dach ja Solarpanels installieren, je nach Kanton erhält man dafür sogar Subventionen.

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