Kostenfalle Handy: Die Abzocke mit den Abos

Gestern habe ich über die Monopolstellung von Eurostar berichtet, heute geht es der Telekommunikationsindustrie an den Kragen. Was nicht heissen soll, dass ich mich jetzt auf die Wirtschaft verbissen habe, jedoch möchte ich auch solche Aspekte beleuchten, und nicht mehr nur die heile Welt der Architektur, des Sports und der Kultur zeigen.

Die Unternehmen werben in ihren Spots, Plakaten oder Werbezeitschriften mit einem möglichst tiefen Preis, der möglichst auffällig platziert ist. „Kostenloses Telefonieren ins Festnetz“ oder „Das Samsung Galasy SII für nur einen Franken“, die Liste solcher Sprüche ist lang. Die Branche baut auf dem Handy als Lifestyle-Produkt und weiss daher auch, dass es zahlreiche Leute gibt, bei denen das Mobiltelefon ein Statussymbol darstellt und das eigene besser als diejenigen der anderen sein muss.

Am Ende ist alles teurer

Doch wenn man das Kleingedruckte liest, addieren sich dazu plötzlich horrende Summen. Als Beispiel soll dieses Angebot von Sunrise dienen. Das Galaxy S2 erhält man wohl für einen Franken, ist aber dazu zu einem Abschluss eines zweijährigen Abonnements verpflichtet, dass monatliche Kosten von 125 Franken beinhaltet. Will man den Vertrag nur ein Jahr lang haben, so muss man bereits 349 Franken für das Mobiltelefon blechen. Digitec hat das besagte Natel ohne SIM-Karte für 559 Franken im Angebot. Lassen Sie uns mal rechnen.

Sunrise-Abonnement über 24 Monate:

Telefonpreis 1.00 CHF

Abonnement: 24 * 125 CHF = 3000 Franken

Total Kosten: 3001 Franken, mehr als das fünffache als bei Digitec.

Sunrise-Abonnement über 12 Monate:

Telefonpreis: 349 CHF

Abonnement: 12 * 125 CHF = 1500 Franken

Total Kosten: 1849 Franken, mehr als das dreifache als bei Digitec.

Beim 125 Franken-Abo sind zwar Anrufe in alle Schweizer Netze und das Surfen unlimitiert, jedoch stehen keine Gratis-SMS zur Verfügung. Eine grosse Prozentzahl besitzt jedoch ein Handy vorwiegend zum SMS-Schreiben.

Bei jedem Anbieter so

Ich will da nicht auf Sunrise herumreiten, denn es ist bei jedem Anbieter so, auch bei der mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen Swisscom. Sie hat zwei Abo-Kategorien, Telefonie- und Surfabos, die sich in der Preisspanne zwischen 19 und 75 Franken monatlich befinden, dazu noch das BeFree-Angebot, das Surfen, Telefonieren und SMS unlimitiert beinhaltet, jedoch mit 169 Franken monatlich zu Buche schlägt. Will man bei Swisscom ein Galaxy erwerben, so sind je nach Vertrag und Vertragsdauer zwischen 49 und 549 Franken fällig. Bei Orange wiederum, die das Galasy S2 ebenfalls „ab einem Franken“ im Angebot haben, ist dazu auch ein Abschluss eines Unlimitiert-Abos über zwei Jahre mit 120 Franken monatlich vonnöten. Will man ihn nur ein Jahr, so muss man für das Telefon bereits 299 Franken bezahlen. Ich habe jetzt die drei grössten Schweizer Mobilfunkanbieter dem Test unterzogen, bei den anderen (Migros, Coop, Mobilezone, etc.) wird es nicht anders laufen, genauso wenig wie bei den führenden deutschen oder österreichischen Anbietern. Diese Kundenverarsche ist auf die Liberalisierung der Telefonmärkte zurückzuführen, denn jedes Unternehmen steht unter einem gewaltigen Druck, denn trotz der Beliebtheit wirft das Mobilfunkgeschäft keine grossen Gewinne ab. Dasselbe gilt auch für den Festnetz- und Internetmarkt, denn warum erhalten Sie ständig Werbeanrufe, die einem zum Wechsel zu einer anderen Telefongesellschaft anregen wollen?

Zur Zeit zirkulieren im Fernsehen Spots des Schweizer Kabelnetzbetreibers UPC Cablecom, der auch Internet und Telefon über das Fernsehkabel anbietet. Es ist nicht nur so, dass die UPC Cablecom nicht selten technische Probleme hat, so dass das gesamte Mittelland (wo Cablecom nur von der Swisscom bedrängt wird) ins Dunkle starrt, sondern auch sie macht mit zweifelhaften Angeboten aufmerksam. Aktuell wirbt sie mit Angeboten zwischen 59 und 99 Franken monatlich, bei dem Internet, Telefon und TV im Kombipaket erhältlich sind. Sie wirbt in den Werbungen auch mit grossartig schnellen 25’000 Kbit pro Sekunde im untersten, mit gigantischen 100’000 Kbit/s im obersten Preissegment. Tönt zugegeben zwar schnell, doch wozu braucht man solche Geschwindigkeiten? Zudem werden sie in der Praxis bei Weitem nicht erreicht. Ich lebe mit meinen 1000 Kbit/s bei der Swisscom sehr gut, denn wenn man in der Nähe einer Telefonzentrale wohnt, gibt es da eh keine Einbussen. Des Weiteren wird der Datenfluss nicht noch durch die Übermittlung von Fernsehprogrammen gestört. Die absolute Dreistigkeit der UPC Cablecom finde ich, dass, wenn man per Rechnung bezahlen will, noch ein paar Zasterchen aufgebrummt bekommt.

Abos lohnen sich, wenn…

Klar gibt es Mobilfunkabos, die sich lohnen. Insbesondere solche zum unterwegs surfen, denn ein Smartphone kann in gewissen Situationen schon sehr nützlich sein. Aber bitte Vorsicht vor den Roaming-Gebühren, wenn man sich im Ausland „per Zufall“ ins WWW einwählt. Aber das ist eine andere Geschichte. Natürlich sind Abos auch cool, wenn man eine gewisse Anzahl kostenloser SMS zur Verfügung hat…

Telefonanbieter zeigen sich oft kulant

Bei horrenden Telefonrechnungen aufgrund von unfreiwilligen Downloads oder Roaminggebühren zeigen sich die Anbieter generell kulant und reduzieren den geforderten Betrag der Rechnung umgehend. So sind sie im Service meist gut und sollten deshalb nicht unbedingt als „Abzocker“ hinabgestempelt werden.

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