Sommerserie Champions League: Teil 2: Manchester United

Im zweiten Teil unserer Champions League-Serie ist der Fokus auf den letztjährigen Finalgegner des Siegers Barcelona, auf den englischen Spitzenverein Manchester United gerichtet. Wird ManUnited die Finalniederlage verarbeitet haben? Sind die Verstärkungen des Vereins auch eine Aufrüstung im Kampf gegen Barcelona? Wo werden die Englänger am Schluss der Saison stehen?

Cabo Ruivo klärt auf.


Den fast meisten Medien der Welt zufolge hatte Manchester United im Final gegen Barcelona (1:3 aus der Sicht der United) nicht den Hauch einer Chance, obwohl sie die ersten zehn Minuten dominierten. Eine Parallele zum Final 2009, der ebenfalls gegen Barcelona verloren ging, damals mit 0:2. Damals dominierte Manchester United ebenfalls die ersten 10 Minuten, musste dann aber einen Gegentreffer aus heiterem Himmel entgegen nehmen und konnte auf diesen Schock kein Rezept mehr finden. 2011 hingegen konnte man den ersten Gegentreffer noch ausgleichen, aber nach dem 1:2 fiel United auseinander. Einzig Wayne Rooney hatte noch ein wenig Zug nach vorne.

Seit 2008 dreimal im Finale

Auch in der nächsten Saison ist sicherlich wieder mit Manchester United zu rechnen, welche in den letzten vier Jahren dreimal im Champions League-Final stand und 2008 die Trophäe gar gewinnen konnte, Chelsea wurde damals im innerbritischen Duell beim Elfmeterschiessen in die Knie gezwungen. 2010 kam mit dem Ausscheiden im Viertelfinal gegen Bayern München (1:2, 3:2) der Tiefpunkt, ehe man sich wieder aufraffen konnte. Aber auch die letzte CL-Saison war nicht eine Spielerei für United. Im Achtelfinale musste Olympique Marseille regelrecht niedergerungen werden.

Überraschend viele Verstärkungen

In den letzten Jahren waren Manchester United finanziell die Hände gebunden und verzeichnete keine Toptransfers. Zwar konnte 2009 Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro an Real Madrid verkauft werden, doch den Verein plagen Schulden von umgerechnet rund einer Millarde Schweizer Franken. So schien es doch eher überraschend, dass Sir Alex Ferguson, der am 6. November dieses Jahres seit 25-Jahr-Jubiläum auf dem ManUnited-Managerposten feiern wird, in diesem Sommer die Geschütze auffahren liess. Von Blackburn wurde der 19-jährige englische Nationalverteidiger Phil Jones verpflichtet und von Aston Villa stiess Mittelfeldstratege Ashley Young – der im EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz den Ausgleich für England markiert hatte – ins Old Trafford. Beide kosteten zwischen 15 und 20 Millionen Euro, für 20 bis 25 Millionen Euro stiess zudem Torhüter und U21-Europameister David de Gea vom spanischen Erstligisten Atlético Madrid nach Manchester. Schon jetzt sind diese Investitionen fast die höchsten, die Sir Alex in seiner Amtszeit je getätigt hatte. Sollten sich die sich hartnäckig haltenden Gerüchte um eine Verpflichtung Wesley Sneijders (Inter Mailand) bewahrheiten, hätte Ferguson für über 100 Millionen Euro eingekauft. Sind all diese Investitionen nur getätigt worden, um auf Augenhöhe mit Barcelona zu klettern?

Im Gegenzug beendeten Goalie Edwin van der Sar und Mittelfeldspieler Paul Scholes ihre Karrieren, während die Verteidiger Wes Brown und John O’Shea für jeweils rund 4,5 Millionen Euro nach Sunderland wechselten. Zurück aus der Leihe in Sunderland kam Angreifer Danny Welbeck, während der Vertrag mit dem englischen Ex-Nationalspieler Michael Owen um ein Jahr verlängert wurde.

Stärken im Sturm…

Ausserordentlich gut ist Manchester United im Sturm besetzt: Wayne Rooney, der vor gut einem Jahr mit Quelereien auf sich aufmerksam gemacht hatte, hat vor der Saison angekündigt, auf demselben Niveau wie Messi spielen zu wollen. Sein Stammpartner wird der letztes Jahr überraschende Javier „Chicharito“ Hernández sein, der Torschützenkönig der Liga, Dimitar Berbatov, auf die Bank verdrängt hatte. Nach grossem Murren, insbesondere nachdem der Bulgare im Champions League-Final nicht mal im Kader figuriert hatte, hat sich Berbatov doch noch kämpferisch gezeigt und einen Wechsel kategorisch ausgeschlossen. Dazu brennt auch Michael Owen, der bei seiner Vertragsverlängerung mehr Einsatzzeit von Ferguson versprochen bekam, auf die neue Saison. Nebst diesen vier Topleuten kommt noch der aufstrebende Danny Welbeck, der laut Ferguson nicht wieder in die Leihe geschickt wird.

…Schwächen im Mittelfeld und Abwehr

Im Mittelfeld und in der Abwehr sind die Schwächestellen Uniteds zu finden. Zwar spielen Ryan Giggs und Antonio Valencia beziehungsweise Nani auf den Flügeln letzte Saison hervorragend, aber ob es dieses Jahr auch so sein wird, steht in den Sternen. Giggs liess seinen Sexskandal nicht unbedingt beeindruckt, Valencia schien trotz guter Leistungen zuvor im CL-Final nicht auf der Höhe seines Niveaus und Nani wurde nach Valencias Comeback im Februar auf die Bank verdrängt, auch wenn der Portugiese bester Vorlagengeber der Liga war. Das zentrale Mittelfeld hat keine Schwächen, egal ob jetzt Fletcher, Park, Gibson, Giggs oder neu auch Young spielen, aber beim defensiven sind unbedingt Änderungen angesagt. Michael Carrick kann zwar milimetergenaue Pässe spielen, nur landen sie nicht selten in den Füssen des Gegners.

In der Abwehr ist zur Zeit die Frage offen, ob David de Gea die von van der Sar hinterlassene Lücke stopfen kann. In seinem ersten Testspiel gegen Chicago Fire (3:1) hatte er beim Gegentreffer einen kleinen Aussetzer, hinterliess aber sonst einen guten Eindruck. Ebenfalls nichts auszusetzen gibt es bei Patrice Evra und der Innenverteidigung um Kapitän Vidic und Ferdinand, sie ist die beste der Premier League, vielleicht gar Europas. Hinter ihnen stehen mit Jones und Smalling hervorragende Vertreter. Die Problemzone Uniteds ist die linke Aussenverteidigerposition. Früher hatte sie Gary Neville innegehabt, doch die letzten Jahre hatte er mit Verletzungen zu kämpfen und trat schliesslich im Februar 2011 zurück. Wes Brown und John O’Shea, die ebenfalls auf dieser Position spielen, verliessen den Verein. Übrig geblieben sind nur noch die beiden brasilianischen Da Silva-Zwillinge, die zwar hervorragend spielen, doch was ist, wenn sie ausfallen? Zwar kann auch Smalling aussen agieren, doch als ausgebildeter Innenverteidiger sind für ihn Offensivdrang, Schnelligkeit und Dribbelkünste eher ungewohnt.

Erfolgreiche „Revanche“ gegen Barcelona in der Vorbereitung

Während den jeweiligen Vorbereitungstouren Uniteds und Barcelonas in Nordamerika kam es zu einer kleinen Revanche des Finals, wobei beide Equipen mit einer besseren B-Elf antraten. So kam bei Barcelona beispielsweise Lionel Messi nicht zum Einsatz. Das Duell konnte United dank Toren von Nani und Michael Owen mit 2:1 für sich entscheiden.

Fazit

Manchester United hat sich letztes Jahr gefangen und diesen Sommer gute Verstärkungen geholt, unabhängig davon, ob Sneijder jetzt kommt oder nicht. Auch Fergusons Rotationsliebe sorgt für Motivation, jeder kann mal irgendwann spielen. Jedoch ist der Erfolg stark von einer Stabilität gewisser Schlüsselpersonen abhängig. Das Halbfinale ist ein Muss, das Finale sehr gut möglich, aber für den Titel könnte es ein wenig zu früh sein. Vor allem, wenn der Gegner wieder Barcelona heissen würde.

Bereits erschienen in der Sommerserie Champions League:

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