Zugerseesperre: Fahrplanentwurf steht

Zwischen Dezember 2016 und Juni 2018 verändert sich der Fahrplan in der Zentralschweiz gewaltig: Die Strecke Arth-Goldau–Zug Oberwil ist wegen des Doppelspurausbaus im Raum Walchwil für 18 Monate unterbrochen, die Züge werden allesamt mit Spitzkehre in Rotkreuz umgeleitet, die Fahrzeiten verlängern sich, Konsequenzen für Zugshalte und Anschlüsse sind unvermeidlich. Das Konzept der Zugerseesperre im Überblick.

Anschlüsse in Rotkreuz und Arth-Goldau

RABe 503 011

Markante Auswirkungen für den Talkessel Schwyz, das Urnerland und den Fernverkehr: Die Zugerseesperre

Alle Fernverkehrszüge mit Ziel Zürich werden ab Arth-Goldau via Rotkreuz, wo eine Spitzkehre stattfinden wird, nach Zug und weiter nach Zürich HB geführt. Zwischen Zürich HB und Zug verbleiben die Züge mehr oder weniger in bestehenden Trassen, so dass die Zeiten ab Zug angepasst werden. Die InterRegio-Züge Basel SBB–Erstfeld verkehren via Küssnacht am Rigi, die Anschlüsse von/zu den EuroCity Zürich–Milano Centrale werden in Arth-Goldau sichergestellt, während zwischen den IC Basel SBB–Lugano und den IR Zürich HB–Erstfeld in Rotkreuz umgestiegen werden kann. Insgesamt wird zwischen Rotkreuz und Arth-Goldau ein Halbstundentakt bestehend aus den jeweiligen Zweistundentakten EC Milano Centrale–Zürich HB, IC Lugano–Zürich HB, IR Erstfeld–Zürich HB und S2 Altdorf–Rotkreuz angeboten, zusätzlich noch der ICN Lugano–Basel SBB. Die Reisezeit aus dem Talkessel Schwyz verlängert sich um sieben (Nord–Süd) bzw. dreizehn (Süd–Nord) Minuten. Statt xx:51 kommen die Züge im Knoten Zürich HB neu um xx:55 ab, Abfahrt ist der Symmetrieminute entsprechend um xx:05 statt xx:09.
Als Vorbereitung für den Mehrverkehr wird bis Dezember 2016 der Abschnitt Rotkreuz–Freudenberg auf Doppelspur ausgebaut, so dass zwischen Baar Litti und Rotkreuz eine durchgehende Doppelspur zur Verfügung steht. Andere bauliche Massnahmen wie eine Spange bei Buonas als Direktverbindung Immensee–Hünenberg Chämleten hätten weitere Kapazitätsprobleme mit sich gebracht.

Fernverkehrsangebot wird ausgebaut – vier InterCity-Halte für Flüelen

Durch die zeitgleich stattfindende Eröffnung des Gotthard-Basistunnels verkürzt sich die Reisezeit Goldau–Bellinzona um 40 Minuten. Reisende aus Zürich können vorerst von rund 20 Minuten Zeitersparnis profitieren. Ein Jahr nach der West-Ost-Achse erfährt dann auch die Nord-Süd-Achse via Gotthard einschneidende Fahrplanänderungen.
Das bisherige Grundgerüst mit drei schnellen Zügen Goldau–Bellinzona in zwei Stunden wird beibehalten, jedoch werden neu die EC Zürich HB–Milano Centrale und die ICN Basel SBB–Lugano zwischen Goldau und Bellinzona einen Stundentakt bilden, dazu verkehren zweistündlich zusätzliche InterCity-Züge Lugano–Zürich HB. In Spitzenstunden werden diese IC-Züge auf einen Stundentakt verdichtet, so dass der dann mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels 2019 avisierte Fernverkehrshalbstundentakt Arth-Goldau–Lugano bereits zeitweise angeboten wird. Ein IC Lugano–Zürich HB, ein ICN-Zugspaar Basel SBB–Lugano und ein zusätzlicher ICN Basel SBB–Lugano sollen dann in Flüelen halten. Nach dem vollendeten Ausbau des Kantonsbahnhofs Altdorf wird dann das Angebot für den Kanton Uri ausgebaut, statt zwei Zugspaaren pro Tag werden dann die zweistündlichen InterCity-Züge Basel SBB–Lugano in Altdorf halten.
Ein Zugspaar Basel SBB–Lugano wird als EuroCity bis Milano Centrale geführt, so dass Luzern seine Direktverbindung behalten kann. Abfahrt nach Italien ist um 16:25 in Luzern (15:04 ab Basel SBB), Ankunft um 13:33 in Luzern (14:55 in Basel SBB). Zeitweise verkehren stündliche InterRegio nach Basel SBB, stattdessen werden stündliche EuroCity Milano–Zürich HB angeboten. Die EuroCity-Züge werden ausschliesslich mit RABe 503 oder ETR 610 der SBB oder Trenitalia gefahren, die ICN Lugano–Basel SBB unverändert mit InterCity-Neigezügen des Typs RABDe 500, während die InterCity Lugano–Zürich HB mit einstöckigen Pendelzügen bestehend aus Re 460, EW IV, EC-Wagen, WRm 61 und IC-Bt gefahren werden. Dafür rüstet die SBB entsprechende Teilflotten (18 RABe 500, 13 Re 460, 14 IC-Bt, 5 WRm 61, 24 Apm 61, 3 Bpm 61, 10 EW IV A und 29 EW IV B) aus, einige Fahrzeuge sind bereits für den Betrieb ausgerüstet. Markantester Unterschied im Vergleich zur aktuell strengsten Zulassungsvorrichtung, dem Lötschberg-Basistunnel (LBT) sind die im GBT und später auch im Ceneri-Basistunnel (CBT) notwendigen Brandschutzeinrichtungen. Neue Züge wie die Bombardier TWINDEXX Swiss Express, Stadler EC250 oder die bereits in der Ablieferungsphase befindenden RABe 503 verfügen bereits werkseitig über entprechende Vorrichtungen.
Alle InterCity- und EuroCity-Züge verkehren durch den Gotthard-Basistunnel, während den nächtlichen Intervallsperren sind keine Fernverkehrszüge vorgesehen. Die erste Ankunft aus dem Süden wird um 07:55 in Zürich HB sein. Im Güterverkehr ist der Basistunnel für eine Kapazität von fünf bis sechs Zügen pro Stunde ausgelegt, infolge des Axenausbaus werden bis 2019 tagsüber allerdings nur vier, nachts fünf Güterzüge auf der Gotthardachse verkehren können.

S2 der Stadtbahn Zug wendet in Altdorf

Aus Gründen der Fahrplanstabilität während der Zugerseesperre und wegen verringerten Kapazitäten wegen dem zeitgleich stattfindenden Ausbau der Axen-Seestrecke auf ein Profil von vier Metern Eckhöhe wird die S2 ab Dezember 2016 in Altdorf wenden, zu gewissen Tageszeiten oder an einigen Wochenenden bereits in Brunnen. Sie wird künftig stündlich zwischen Altdorf und Arth-Goldau verkehren und wird zweistündlich nach Rotkreuz durchgebunden, in Spitzenstunden mit Halt in Immensee. Auch einige Fernverkehrszüge werden in Immensee halten, um die aus Kapazitätsgründen wegfallende S32 zu kompensieren. Sollte der temporäre Halbstundentakt Arth-Goldau–Rotkreuz gut ankommen, wäre ein Taktangebot nach 2018 möglich. Denkbar wäre eine S-Bahn Brunnen–Rotkreuz, die im gleichen Zug auch den Viertelstundentakt Brunnen–Arth-Goldau ausserhalb der morgendlichen Hauptverkehrszeit komplettieren könne.
Zwischen Baar Lindenpark und Zug Oberwil wird ein Shuttleverkehr mit RABe 523 (Stadler FLIRT) angeboten, die genauen Nummernbezeichungen sind noch nicht bekannt. In den Sommermonaten 2017 ist auch die Strecke Zug–Zug Oberwil wegen Sanierungs- und Ausbauarbeiten unterbrochen, die Tunnels werden ebenfalls doppelstocktauglich gemacht.
Bei der S1 der Stadtbahn Zug werden die Zugläufe verlängert, die Halte in Hünenberg Chämleten werden um 15 Minuten gedreht, während die Fernverkehrsüberholung mit neun Minuten Haltezeit in Rotkreuz, welche unter anderem eine schnelle Verbindung für Gisikon-Root, Root D4, Buchrain oder Ebikon von/nach Zürich ermöglicht hatte, aufgehoben wird.
Entlang des Zugersees wird das Angebot auf den Buslinien 5 und 21 zwischen Zug und Goldau erweitert, um Walchwil auch während der Bauphase ein attraktives Angebot im öffentlichen Verkehr anzubieten. Auch auf die Busangebote hat die Zugerseesperre entsprechende Auswirkungen, so werden beispielsweise die Anschlüsse in Brunnen verzerrt. Um dem entgegenzuwirken, wird stündlich ein Bus Küssnacht am Rigi–Vitznau–Brunnen–Schwyz SBB statt via Weggis Schiffstation via Weggis Dorfplatz geführt, um zwischen Vitznau und Brunnen eine Zeitersparnis von drei Minuten herauszuholen.

Änderungen im Berufsverkehr

Aus Kapazitätsgründen werden die InterRegio-Züge Luzern–Zürich HB, welche vermutlich bis Dezember 2016 noch bis Zürich Flughafen verkehren werden, nicht mehr in Thalwil halten können. Die Fernverkehrsanbindung Thalwils Richtung Zentralschweiz wird weiterhin durch den InterRegio Luzern–Zürich HB, der ab Dezember 2016 mutmasslich nach Konstanz verlängert wird, sichergestellt, mit demselben Zug wird auch der Anschluss an den RegioExpress Zürich–Chur weiterhin möglich sein. Zudem werden die HVZ-InterRegio Luzern–Zürich Enge–Zürich HB entfallen, Zürich Enge verliert dabei seine letzten Fernverkehrsanbindungen, nachdem der Bahnhof bis 2004 gar stündlich von InterRegio-Zügen bedient wurde. Im Gegensatz werden zwei neue RegioExpress-Züge Rotkreuz–Zürich HB bzw. Arth-Goldau–Zürich HB verkehren, Ankunft um 07:30 bzw. 08:30 Uhr in Zürich HB. Zudem wird der InterRegio Brunnen–Zürich HB (Ankunft in Zürich um 06:55 Uhr) auch in Immensee halten.

Für die InterRegio-Züge ist im Kanton Uri Endstation

Wenn im Dezember 2016 der Gotthard-Basistunnel eröffnet wird, sind die InterRegio-Züge über die Bergstrecke der Relation Basel SBB/Zürich HB–Locarno Geschichte. Bis 2017 wird gemäss der Fernverkehrskonzession des Bundes jedoch weiterhin Fernverkehr über den Berg abgewickelt, allerdings in Form von RegioExpress-Zügen mit TILO-Flirt (RABe 524). Danach entscheidet sich, ob die Züge via Bergstrecke weiterhin als eigenwirtschaftliche Fernverkehrs-RE betrieben werden, oder ob sie dem Regionalverkehr zugeführt werden. In letztem Falle könnte sich die SOB abermals mit ihrem Treno Gottardo-Konzept bewerben, welches im Gegensatz zum SBB-Konzept Direktverbindungen Arth-Goldau–Lugano vorsieht und somit für alle InterRegio-Bahnhöfe zwischen Arth-Goldau und Erstfeld, abgesehen von Flüelen bis 2021 – die Fortsetzung der Direktverbindungen ins Tessin ermöglichen würde.

Siehe auch

  • 230 Millionen Franken für Doppelspur am ZugerseeCabo Ruivo vom 29. August 2011
  • Doppelspurausbau Walchwil: Tauziehen um die richtige LösungCabo Ruivo vom 3. April 2013
  • Links

  • Übersichtsseite der SBB zum Doppelspurausbau Walchwil/a>
  • Übersicht der Ersatzangebote während der Zugerseesperre
  • Fahrplanentwurf Zugerseesperre (PDF-Datei)
  • Ersatzkonzept des Kantons Zug zur Zugerseesperre (PDF-Datei)
  • Sperre Zugersee: Massnahmen und Auswirkungen (PDF-Datei)
  • Kürzere Sperre am Zugersee
  • Zugerseesperre: Fahrplanentwurf steht
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