Fahrplanentwurf 2016: Im Zeichen der Ost-West-Achse

Der Fahrplanwechsel im Dezember 2015 bringt vor allem im Ost-West-Verkehr einschneidende Änderungen, wie der Fahrplanentwurf 2016 zeigt. Die Nord-Süd-Achse ist vergleichsweise wenig betroffen, ihre grossen Änderungen folgen dann im Dezember 2016 mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels. Im internationalen Verkehr fällt unter anderem die reduzierte Bedienung des Berner Oberlands durch ICE zugunsten Churs auf, zudem wird die Direktverbindung Basel–Brüssel ab April 2016 der Vergangenheit angehören.

Fahrplanentwurf 2016: Drei Fernverkehrszüge zwischen Zürich und St. Gallen

SBB Re 460 080-5

Der Fahrplanentwurf 2016 im Zeichen des Ost-West-Achse

Der Fahrplanwechsel steht komplett im Zeichen der Komplettinbetriebnahme der Durchmesserlinie Zürich. Nachdem seit Mitte Juni 2014 bereits Züge aus Zürich Wiedikon in den Bahnhof Löwenstrasse einfahren können, werden dies ab Ende Jahr auch diejenigen aus Zürich Altstetten. Nebst zwei S-Bahnlinien wird neu auch der InterCity Genève Aéroport–St. Gallen und der InterCity Romanshorn–Brig via DML fahren. Ab Zürich HB wird ersterer neu mit Abfahrt um xx:33 Uhr nur noch in Zürich Flughafen und Winterthur halten, so dass die Reisezeit Zürich–St. Gallen auf nunmehr 62 Minuten reduziert wird. Die bisherige Trasse mit Halten in Zürich Flughafen, Winterthur, Wil, Uzwil, Flawil und Gossau sowie mit Abfahrt um xx:39 in Zürich HB wird der ICN übernehmen, dessen bisherige Trasse mit Abfahrt um xx:09 und mit Halten in Zürich Flughafen, Winterthur, Wil und Gossau übernimmt der bis St. Gallen verlängerte InterRegio Basel SBB–Zürich HB, in dessen Takt bis 2018 auch die EuroCity-Züge nach München eingebunden werden. Zwei Züge von Basel und einer von München werden dabei durchgehend geführt, bei den restlichen ist ein Umstieg in Zürich erforderlich. Am Morgen ist bei der Abfahrt 08:09 ab Zürich HB ebenfalls aus Basel ein Umstieg notwendig, dafür wird in einem durchgebundenen Umlauf mit einem InterCity Chur–Zürich HB eine Direktverbindung Chur–Zürich HB–St. Gallen samt dem von Graubünden lange ersehnten Direktanschluss an den Flughafen Zürich angeboten.
Die ebenfalls auf Dezember 2015 geplante Einführung des zweistündlichen RegioExpress-Zuges St. Gallen–Konstanz wird reduziert, statt acht geplanten Zugspaaren werden vorerst deren fünf eingeführt. Es ist allerdings weiterhin geplant, den Zug im Dezember 2018 auf einen Stundentakt zu verdichten.
Einige Paare der Verstärkungs-InterCity-Züge Bern–Zürich HB halten neu auch in Zürich Altstetten. Somit wird die Reisezeit für Pendler aus dem Raum Bern, die in Zürich-West arbeiten, mit dem Entlastungszügen attraktiver als mit der Umsteigeverbindung via Zürich HB. Ein einzelner IC der Relation Zürich HB–Bern (Zürich ab 06:49) wird zusätzlich zu Zürich Altstetten auch noch in Bern Wankdorf einen Halt einlegen, um die dortigen Arbeitsplätze (z.B. die Konzernsitze von SBB und Post) besser zu erschliessen.
So wird ein neuer Versuch gestartet, die Taktzüge zu entlasten, die immer noch an ihre Kapazitätsgrenzen stossen, während die Entlastungszüge vor allem wegen ihrer wenig längeren Fahrzeit nahezu leer sind. Zudem wird auch so das S-Bahn-Netz entlastet.

Halbstundentakt am Jurafuss

Aufgrund von Bauarbeiten in Lausanne wird die bisherige gebündelte Linienführung der ICN zwischen Yverdon-les-Bains und Biel/Bienne aufgehoben, die Züge verkehren ab Dezember im Abstand von 30 Minuten. In der Fahrlage der bisherigen ICN St. Gallen–Genève Aéroport/Lausanne verkehrt neu ein ICN Zürich HB–Genève Aéroport, um 30 Minuten versetzt wird aus der bisherigen IC-Trasse St. Gallen–Zürich HB und dem InterRegio (Konstanz–) Zürich HB–Biel/Bienne neu ein ICN St. Gallen–Lausanne. Zwischen Zürich HB und Yverdon-les-Bains ergibt sich so ein ungefährer ICN-Halbstundentakt, der Genfer Zug verkehrt jedoch via NBS/ABS, während der Lausanner Zug via Gäubahn fährt und zusätzlich in Oensingen und Grenchen Süd hält. Die Basler ICN verkehren mit Ausnahme eines Umlaufes Delémont–Genève Aéroport bzw. Lausanne–Delémont nunmehr bis/ab Biel/Bienne, wo perrongleicher Anschluss an den ICN Zürich HB–Genève Aéroport existiert. Der Reiseweg Basel–Lausanne führt nunmehr via Olten–Bern.
Zudem werden die bislang in Yverdon-les-Bains endenden Züge der RER Vaud bis Grandson verlängert. Die S1 verkehrt allerdings statt bislang nach Villeneuve neu nur noch bis Lausanne, die bisherige S11 verkehrt neu als S5 Grandson–Palézieux. Die bislang zwischen Vallorbe und Palézieux verkehrende S2 verkehrt neu bis Villeneuve.

Direktverbindung Bern–La Chaux-de-Fonds durch die BLS

Ein neues Konzept gibt es auch auf der Achse Neuchâtel–La Chaux-de-Fonds. Dort sind halbstündliche RegioExpress-Züge vorgesehen. Die SBB und die lokale TRN führen mit RABe 523, RABe 524 und RABe 527 (Stadler Flirt der SBB, TILO und der TRN) stündliche RegioExpress-Züge zwischen Neuchâtel und Le Locle sowie um 30 Minuten versetzt einen Regionalzug zwischen La Chaux-de-Fonds und Le Locle. Dieser Zug hat in La Chaux-de-Fonds Anschluss zum RE La Chaux-de-Fonds–Bern, welcher durch die BLS mit EW III-Wendezügen mit Re 465 bzw. Re 420.5 gefahren wird. Die RE verkehren zwischen Corcelles-Peseux und Neuchâtel ohne Halt, zwischen diesen beiden Stationen verkehren zweimal pro Stunde Regionalzüge der SBB bzw. TRN, jedoch ohne Anschlüsse von/zum RE aus/nach La Chaux-de-Fonds.
Die notwendigen EW III-Kompositionen werden frei, da die BLS auf der RE-Linie Bern–Langnau im Emmental–Luzern neu Triebzüge des Typs RABe 535 Lötschberger einsetzen wird. Des Weiteren kommen EW III-Wendezüge neu auf der RE-Achse Zweisimmen–Spiez–Interlaken Ost zum Einsatz. Eine im Raum gestandene Verlängerung der RE La Chaux-de-Fonds–Bern via Burgdorf nach Thun wird vorerst nicht verwirklicht, ebenso eine Verlängerung des RegioExpress Lötschberger Brig–Bern nach Neuchâtel als Ersatz für die S5.

Flugzug via Durchmesserlinie

Ebenfalls via Durchmesserlinie wird der Flugzug Basel SBB–Zürich Flughafen verkehren. Somit wird er neu ebenfalls in Zürich HB halten, die Halte in Zürich Altstetten und Zürich Oerlikon bleiben jedoch bestehen. Zudem wird der Zug nicht mehr mit Doppelstockzügen des Typs RABe 511 (Stadler KISS) geführt, sondern wie bis Ende Dezember 2013 mit IC2000 oder EW IV-Pendel. Aufgrund des weniger beschleunigungsfähigeren Materials muss die Abfahrt in Basel SBB um drei Minuten vorgezogen werden, zudem entfällt bei Zügen in der Hauptverkehrszeit der Halt in Stein-Säckingen. Diese Rollmaterialumstellung ist jedoch aus diversen Gründen ein wenig komisch: Einerseits besitzt die SBB wegen der verspäteten Ablieferung der Bombardier TWINDEXX Swiss Express einen Mehrbedarf von 10 Re 460 auf der Ost-West-Achse und stellt genau aus diesen Gründen den InterRegio Basel SBB–Brugg–Zürich HB von EW IV-Pendel mit Re 460 auf konventionelle Züge mit Re 4/4 II um, verfügt aber plötzlich über genügend entsprechendes Rollmaterial für den Flugzug. Zudem kommt die eigentlich ebenfalls ab Dezember 2015 geplante Direktverbindung Luzern–Konstanz nicht zustande, weil ein Mangel an Doppelstockzügen herrschen soll – den es jetzt aber beim Flugzug plötzlich nicht mehr zu geben scheint. In welche Umläufe die frei werdenden Garnituren an RABe 511 gelangen, ist noch nicht definiert, genauso wenig woher die künftigen Flugzug-Kompositionen stammen.

Aus der S18 wird die S1

Betrieblich sind sie schon lange verknüpft: Die S1 (Baar–Luzern) und die S18 (Luzern–Sursee). Um die Wendezeiten optimal zu nutzen, verkehren die Züge der beiden Linien seit 2007 durchgehend (damals noch Baar–Olten). Nun wird diese Durchbindung auch im Fahrplan und auf dem Liniennetzplan ersichtlich: Die S18 wird in die S1 integriert.
Der Früh-RE (Brunnen–) Arth-Goldau–Zürich HB wendet auch weiterhin in Zürich HB auf einen IC Zürich HB–Chur und bietet so eine Direktverbindung (Brunnen–) Arth-Goldau–Chur an.

Mehr ETR 610/RABe 503 zur Verfügung

ETR 610 002

Verkehren ab Dezember 2015 (wieder) in die Schweiz: Die Trenitalia ETR 610

Mit der Ablieferung aller acht RABe 503 der ersten Bestellserie verfügt die SBB nun über 15 Zügen des Typs New Pendolino von Alstom, welche als ETR 610 (erste Lieferserie) bzw. RABe 503 (zweite Lieferserie) geführt werden. Vier weitere folgen dann bis Ende 2016. Neu werden in nachfragestarken Zeiten die EuroCity Basel SBB–Milano Centrale zwischen Basel und Brig in Doppeltraktion geführt, Entlastungszüge entfallen daher. Auf der Gotthardachse wird Trenitalia auf ihren Verbindungen ab Ende Jahr ebenfalls ETR 610 einsetzen, das Zeitalter der ETR 470 scheint nun definitiv vorüber zu sein. Auffallend ist, dass das EuroCity-Zugspaar Luzern–Milano Centrale aus nicht genannten Gründen nicht mehr in Arth-Goldau halten wird, zudem ist bei der Fahrplantabelle immer noch ein Zeitpuffer für den mit dem ETR 610 nicht mehr notwendigen Lokwechsel vorhanden.
Die Anzahl Verbindungen nach Italien bleibt jedoch identisch. Zudem wird die Strecke Mendrisio–Stabio neu auch ausserhalb der HVZ im Takt bedient.

Neu zum Wiener Hauptbahnhof, nicht mehr nach Brüssel

Im internationalen Verkehr stehen diverse Änderungen an: Bisher verkehren von/nach Deutschland via Grenzübergang Basel Bad Bf fünf ICE-Zugspaare von/nach Interlaken Ost, sechs ICE-und zwei EuroCity-Zugspaare von/nach Zürich HB und eine Kurswagenverbindung von/nach Chur. Neu werden nur noch drei ICE von/nach Interlaken Ost verkehren, zwei der Relation Berlin–Interlaken und eines der Relation Hamburg/Frankfurt–Interlaken. Dafür wird das EuroCity-Zugspaar 6/7 (Hamburg-Altona–) Dortmund Hbf–Zürich HB neu nach Interlaken Ost verkehren. Im Gegenzug verkehren nach Zürich neu sieben ICE-Zugspaare, eines aus Frankfurt, sechs aus Hamburg bzw. Kiel. Zwei davon werden neu nach Chur durchgebunden, dafür entfällt die Kurswagenverbindung der EC 6 und 7.
Auf der Achse Zürich–Schaffhausen werden die Fahrlagen der InterRegio-/InterCity-Züge und der RegioExpress-Züge getauscht. Dies als Vorbereitung auf den neuen Gäubahnfahrplan, der ab Ende 2017 einen InterCity-Stundentakt zwischen Zürich und Stuttgart vorsieht. Des Weiteren werden mit der Drehung die Anschlüsse in Stuttgart verbessert.
Im Verkehr nach Österreich verkehren alle railjet Zürich–Wien nicht mehr nach Wien Westbahnhof, sondern via Wien Meidling nach Wien Hauptbahnhof. Das Zugspaar 162/165 Zürich–Budapest Keleti pályaudvar bleibt auch weiterhin bestehen, jedoch wird die vor Jahresfrist in österreichischen Fahrplanmedien angekündigte Durchbindung aller railjet-Züge der Westbahn, d.h. von Zürich, Bregenz, München und Innsbruck–Wörgl, zum Flughafen Wien offenbar doch nicht realisiert.
Anfang April 2016 wird die zweite Etappe der LGV Est eröffnet. Konsequenz daraus ist, dass die EuroCity-Züge Bruxelles-Midi–Basel SBB ab dem 2. April 2016 nicht mehr verkehren werden. Für Reisende von/nach Luxembourg wird stattdessen eine TGV-Verbindung mit Umstieg in Mulhouse angeboten, Reisende nach Belgien werden auf die Schnellverbindungen via Köln bzw. Paris verwiesen. Ansonsten entfällt wegen der Baustelle des Eppenbergtunnels ein TGV-Zugspaar Zürich–Paris zwischen Zürich und Basel.

Linienrochaden bei der S-Bahn Zürich

Die Kompletteröffnung der Durchmesserlinie hat auch Auswirkungen auf das Netz der S-Bahn Zürich. Die S14 Hinwil–Zürich HB Löwenstrasse wird gemäss den Fahrplanentwurf 2016 bis Affoltern am Albis verlängert, die S15 verkehrt neu stattdessen von Rapperswil nicht mehr ins Reppischtal, sondern nach Niederweningen, das neu halbstündlich umsteigefreie Verbindungen nach Zürich erhält. Die S9 entfällt künftig auf dem Abschnitt Zürich Hardbrücke–Zug und wird dort durch die S5 ersetzt, während die S9 halbstündlich neu nach Rafz verkehrt, stündlich und in der Hauptverkehrszeit halbstündlich weiter bis Schaffhausen. Als Entlastung der S3 wird zwischen Dietikon und Effretikon neu die S19 via Durchmesserlinie verkehren, in der Hauptverkehrszeit verkehren die Züge der S19 bis Koblenz/AG bzw. Pfäffikon/ZH. Zudem werden diverse Entlastungszüge ins Liniennetz integriert. Des Weiteren wird die S24 Zug–Zürich Oerlikon halbstündlich bis Winterthur und stündlich via Andelfingen–Schaffhausen bis Thayngen/SH verlängert.

Links

  • Website des Fahrplanentwurfes
  • Kommentare zu den Fahrplanentwürfen
  • Fahrplanvernehmlassungen des Zürcher Verkehrsverbundes
  • Startseite des ZVV-Fahrplanverfahrens
  • Liniennetzplan der S-Bahn Zürich ab Dezember 2015 (PDF-Datei)
  • Netzgrafik der S-Bahn Zürich 2016 (PDF-Datei)
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