Kollision zweier Bauzüge in Immensee fordert Todesopfer

Abermals wird die Schweiz durch ein Zugsunglück erschüttert. Bei Immensee/SZ auf der Gotthardbahn kollidieren zwei Bauzüge. Ein Sicherheitswärter auf einem der Züge kam ums Leben, ein weiterer Bauarbeiter erlitt Verletzungen. An Rollmaterial und Infrastruktur entstanden grosse Schäden, die Strecke bleibt wohl bis Freitag, 20. März 2015, gesperrt.

Heftiger Aufprall zweier Bauzüge

Anzeigetafel GdGegen 04:40 Uhr fuhren zwei Bauzüge der Gleisbaufirmen C. Vanoli AG, Immensee/SZ, und Scheuchzer AG von Immensee in Richtung Goldau. Die beiden Unternehmen führen aktuell im Auftrag der SBB Instandhaltungsarbeiten an der Gotthardbahn zwischen Immensee und Goldau bzw. Gleisbauarbeiten zwischen Goldau und Steinen/SZ durch. Zwischen Immensee und dem Spurwechsel Brunnmatt kam es auf einem Viadukt zu einem Auffahrunfall der beiden Bauzüge. Der hintere Zug wurde von einer Lokomotive geschoben und prallte auf den vorderen, stillstehenden Zug.
Dabei wurde ein Sicherheitswärter, welcher sich an der Spitze des hinteren Zuges befand, getötet, ein weiterer Bauarbeiter wurde verletzt. Die beiden Züge verkeilten sich beim Aufprall, Teile stürzten von der Brücke. Auch die Infrastruktur wurde in Mitleidenschaft gezogen, Fahrleitungsmasten zu Boden gerissen und Schienen sowie Oberbau stark beschädigt. Nebst Rettungskräften und der Kantonspolizei Schwyz waren die SBB mit den Lösch- und Rettungszüge (LRZ) von Rotkreuz und Erstfeld am Einsatz beteiligt.

Warum verhinderten die Zugsicherungen einen solchen Aufprall nicht?

Bei Bauarbeiten auf der Strecke sind die Bauzüge in Manöver- und Rangierbewegungen unterwegs und verkehren somit nicht nach Zugsignalen, sondern nur nach Rangier- und Zwergsignalen. Aus diesem Grund sind für solche Fahrten auch Zugsicherung und Zugbeeinflussung mittels spezieller Taste deaktiviert. Die Höchstgeschwindigkeit bei solchen Fahrbewegungen ist auf 40 km/h begrenzt. Die Kontrolle über das Zusammenspiel von Zug- und Rangierfahrten obliegt dann der Betriebszentrale. Der Unfall hat also nichts mit den Sicherheitseinrichtungen zu tun, damit erübrigen sich auch alle bereits nach dem Unglück von Rafz wieder mal entflammten Diskussionen über angeblich mangelnde Sicherheit im Bahnverkehr.

Video des Boten der Urschweiz

Tagesschau am Mittag von Schweizer Radio und Fernsehen vom 18. März 2015 zum Zugunfall bei Immensee.

Regionaljournal Zentralschweiz von Schweizer Radio und Fernsehen vom 18. März 2015

Auswirkungen auf den Bahnverkehr

Die Kollision hat erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Bis mutmasslich Freitag, 20. März 2015, ist die Gotthardbahn zwischen Immensee und Goldau unterbrochen. Um dem Güterverkehr wenigstens eine Nord-Süd-Trasse via Gotthard zu ermöglichen, werden diese Züge ab Brugg via Baden–Zürich Vorbahnhof–Zug–Walchwil–Goldau umgeleitet, um die notwendigen Kapazitäten zu schaffen, entfallen die stündlichen S2-Einschaltzüge Baar Lindenpark–Zug Oberwil (–Walchwil). Nach 21:30 werden alle S-Bahn-Züge auf der Ostseite des Zugersees durch Busse ersetzt, um zwei Güterzugtrassen zur Verfügung zu haben.
Umleitungen via Lötschberg finden aufgrund beengter Kapazitäten nicht statt, die restlichen Güterzüge werden an Unterwegsbahnhöfen zurückgestellt oder zu solchen rangiert. Der von der BLS Cargo traktionierte TXL-UKV Melzo Scalo–Venlo kam unmittelbar vor der Unfallstelle zu stehen und wurde einige Stunden später als Rangierfahrt zurück in den Bahnhof Arth-Goldau geführt.

Die Auswirkungen im Personenverkehr:

  • ICN Basel SBB–Lugano: Ausfall zwischen Luzern und Arth-Goldau
  • IR Basel SBB–Locarno: Ausfall zwischen Luzern und Arth-Goldau
  • VAE Luzern–St. Gallen: Ausfall zwischen Luzern und Küssnacht am Rigi
  • S3 Luzern–Brunnen: Ausfall zwischen Küssnacht am Rigi und Brunnen (auch wegen Bauarbeiten zwischen Arth-Goldau und Steinen)
  • S32 (Arth-Goldau–) Immensee–Rotkreuz: Ausfall zwischen Arth-Goldau und Rotkreuz
  • Aufgrund fünfzehnwöchiger Bauarbeiten zwischen Arth-Goldau und Steinen ist der Regionalverkehr südlich von Goldau auf der Gotthardbahn ohnehin eingeschränkt.

    Kommunikationsprobleme bei den SBB

    Wie beim Chemieunfall vom 18. November 2014 in Goldau legten die SBB und insbesondere das Operation Center Personenverkehr auch in diesem Falle Kommunikationsprobleme an den Tag. Die Reisenden in vereinzelten Zügen (beispielsweise die S2) wurden über die Streckensperrung nicht informiert, obwohl gerade bei der S2 mit der Umsteigemöglichkeit zum InterRegio Zürich HB–Luzern eine hervorragende Umleitungsmöglichkeit besteht. Zudem wurde der Online-Fahrplan nicht angepasst, für Verbindungen von Olten Richtung Gotthard wurden allesamt Verbindungen via Luzern–Arth-Goldau ausgespuckt, zwar mit Hinweis für den Unterbruch, aber ohne Alternativvorschläge wie z.B. Luzern–Zug–Arth-Goldau oder via Zürich HB. Zudem schaffte es die Zugslenkung, den HUPAC-KLV Ludwigshafen BASF Ubf–Gallarate statt der vorgesehenen Umleitung vom Zürcher Vorbahnhof nach Zürich Enge in die Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofs zu leiten, so dass er mit einer weiteren Lokomotive wieder zurückgezogen werden musste.

    Siehe auch

  • Tödlicher Unfall zwischen Immensee und Arth: SBB-Strecke zweitweise unterbrochenCabo Ruivo vom 5. August 2011
  • Weblinks

  • Arth: Züge waren auf Rückweg von EinsatzBote der Urschweiz vom 18. März 2015
  • Ein Toter nach Zugunfall bei Arth-GoldauNeue Luzerner Zeitung Online vom 18. März 2015
  • Schwierige Bergungsarbeiten nach Zugunfall bei ImmenseeSchweizer Radio und Fernsehen Online
  • Bauzüge von C. Vanoli und Scheuchzer kollidiert: Gotthardbahn Immensee–Arth-Goldau unterbrochenbahnONLINE vom 18. März 2015
  • Andere Medien

    Kollision zweier Bauzüge in Immensee fordert Todesopfer
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