BLS rotiert: EW III im Simmental statt im Emmental

Per Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 ersetzt die BLS AG drei der vier EW III-Pendelzüge im RegioExpress-Verkehr Luzern–Bern mit Re 420.5 bzw. Re 465 durch Triebzüge des Typs RABe 535 (Lötschberger). Die freiwerdenden Kompositionen sollen bis zur Lancierung des TransGoldenPass auf der GoldenPass-Relation Zweisimmen–Interlaken Ost eingesetzt werden. Die BLS reagiert gemäss eigenen Angaben auf Kundenreaktionen im Entlebuch und im Emmental und verursacht so eine schleichende Degradierung eines traditionellen Bestandteils der Schweizer Eisenbahngeschichte.

Lötschberger statt EW III durchs Emmental und Entlebuch

Re 465 001

Bald eine Seltenheit: EW III mit Re 465 als RegioExpress Luzern–Bern (Bild: BLS Re 465 001-6 mit RE Luzern–Bern im Langnau im Emmental)

Seit dem Kauf der Einheitswagen III (EW III) im Dezember 2004 setzt die BLS die Kompositionen auf den RegioExpress-Linien Bern–Neuchâtel und Bern–Luzern ein, zudem auch in Verstärkungszügen auf der Lötschberg-Nordrampe. Als Lokomotiven kommen dabei Re 420.5 oder Re 465 zum Einsatz. Jedoch sorgten die Züge in den letzten Jahren vor allem im Entlebuch für Unmut: Da sich eine EW III-Komposition mit Re 420.5 und BLS-EW I-Zusatzmodul als sehr instabil erweist, entstanden oftmals Verspätungen und Zugsausfälle auf der RegioExpress-Relation Luzern–Bern aufgrund der Fahrzeugstörungen. Die BLS versprach dem Verkehrsverbund Luzern (VVL) bereits 2013, dass ab 2015 ein Ersatz der EW III im Entlebuch geprüft wird. Anfänglich sollte die Flotte der von Bombardier Transportation gebauten RABe 535, welche unter anderem im RE Lötschberger Bern–Zweisimmen/Kandersteg–Brig eingesetzt werden und auch dessen Namen tragen, um 18 weitere Fahrzeuge erweitert werden und die EW III stattdessen an die Südostbahn verkauft werden, welche diese in ihrer gescheiterten Treno Gottardo-Bewerbung für den Betrieb der Gotthard-Bergstrecke ab Dezember 2016 vorsah. Jedoch untersagte das Bundesamt für Verkehr der BLS die Nachbestellung mit der Begründung, die RABe 535 seien mit den aktuellen TSI-Crashnormen nicht mehr kompatibel. Somit waren die BLS weiterhin auf die EW III-Pendelkompositionen angewiesen. Da man sich im Entlebuch und im Emmental allerdings weiterhin gegen die EW III auflehnte, beschloss die BLS zu handeln, was nun zu einer beispiellosen Rollmaterialrochade führt

Neues Einsatzgebiet für die EW III auf der GoldenPass-Route

Re 465 008

Verfügt über die passende Werbelackierung für das neue Einsatzgebiet: Die BLS Re 465 008-1 mit GoldenPass-Line-Werbelackierung

Insgesamt werden drei der vier Umläufe des RegioExpress Luzern–Bern neu mit RABe 535 gefahren, einer verbleibt weiterhin in den Händen der EW III. Die drei nicht mehr benötigten Kompositionen kommen künftig auf der RegioExpress-Relation Zweisimmen–Spiez–Interlaken Ost zum Einsatz, welche als Teil der GoldenPassRoute Montreux–Zweisimmen–Interlaken Ost–Brünig–Luzern gemeinsam von MOB, BLS und Zentralbahn vermarktet wird. Ironischerweise ist die BLS Re 465 008-1 Niederhorn bereits mit einer Werbelackierung für die GoldenPass Line versehen. Die vorwiegend im Güterverkehrsdienst anzutreffene Lok könnte nun vermehrt im Personenverkehr eingesetzt werden.
Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 verkehrten zwischen Zweisimmen und Interlaken Ost als RegioExpress-Züge BLS EW I-Pendel mit Re 425, einige der Wagen waren auch in der goldbraunen GoldenPass-Lackierung gehalten. Da wieder Revisionen anstanden, beschloss die BLS, die Wagen stillzulegen. Einige Exemplare konnten von Museumsvereinen vor der Verschrottung gerettet werden, so unter anderem vom Verein Extrazug.ch in Langnau im Emmental/BE. Seither wird die Verbindung mit RBDe 565 (BLS NPZ) oder RABe 535 (Lötschberger) geführt. Diese Rochade wird auch Rollmaterialveränderungen bei der S-Bahn Bern mit sich bringen, denn die für die Emmental-RE benötigten RABe 535 werden wohl auch aus Umläufen der S5 Neuchâtel/Murten–Bern genommen, aufgrund der Flügelung dieser Züge werden dort künftig RABe 525 (NINA) zum Einsatz kommen, die wiederum an anderen Einsatzgebieten, wo keine Flügelungen notwendig sind, von RBDe 565 abgelöst werden. Und solche werden ja bekanntlich durch die Umstellung der GoldenPass-RegioExpress frei. Zudem sind noch nicht alle 28 abgelieferten MUTZ-Doppelstockzüge des Typs RABe 515 in planmässige Umläufe eingereiht.

Neue Fahrzeuggeneration ab 2020

Ab 2020 plant die BLS eine Neubeschaffung von Regionaltriebzügen, welche als Ersatz für die EW III figurieren sollen. Diese Züge sollen auf den beiden RegioExpress-Linien Neuchâtel–Bern und Bern–Luzern zum Einsatz kommen, zudem plant die BLS womöglich die Ausrangierung der NPZ-Baureihen RBDe 565 und RBDe 566 II. Auf dem bestehenden Flügelkonzept im Entlebuch mit der S6 Luzern–Langenthal/Langnau soll mit den neuen Zügen aufgebaut werden, so sollen auch der RE und die S7 zwischen Luzern und Wolhusen gemeinsam geführt werden, so dass die Stationen zwischen Wolhusen Weid und Langenthal ebenfalls halbstündlich umsteigefreie Verbindungen nach Luzern erhalten werden.

TransGoldenPass als EW III-Nachfolger im Simmental

Auch auf der GoldenPass-Route sollen neue Fahrzeuge verkehren: Unter dem Projektnamen TransGoldenPass sollen ab Dezember 2016 dank spurwechselfähigen Drehgestellen durchgehende Züge zwischen Interlaken Ost und Montreux verkehren können. Beim Schnittpunkt zwischen Normal- und Meterspur in Zweisimmen/BE wird eine entsprechende Spurwechselanlage errichtet. Was danach mit den drei GoldenPass-EW III-Kompositionen passiert, ist ungewiss. Die restlichen RE Bern–Luzern und alle RE Bern–Neuchâtel sollen bis 2019 mit EW III verkehren. Unklar ist jedoch, ob das TransGoldenPass-Projekt fristgerecht verwirklicht werden kann, es ist kaum anzunehmen, dass die BLS diese Rollmaterialrochade für eine Verkehrsdauer von nur einem Jahr auf sich nimmt.

Die Einheitswagen III

Re 4/4 II 11109

Wurde damals für die Swiss-Express-EWIII umgerüstet: Die Re 4/4 II 11109

Als Vorläufer der InterCity-Züge beschafften die SBB zwischen 1972 und 1975 für die Städteschnellzüge Genf–St. Gallen (–Rorschach) die Einheitswagen III. Typisch für die maximal 140 km/h schnellen Wagen war nicht nur die orange-steingraue Lackierung, welche ihr den Spitznamen Crémeschnitten-Zug einbrachten, sondern auch die schräg nach innen geneigten trapezförmigen Wagenkästen, welche als Vorbereitung für eine schliesslich nicht eingebaute Neigetechnik dienten. Als Lokomotiven wurden insgesamt acht Lokomotiven des Typs Re 4/4 II mit der Swiss-Express-Lackierung versehen, zwei davon – 11108 mit Scherenstromabnehmer und 11109 mit Einholmstromabnehmer – besitzen diese Lackierung heute noch, sie kommen unter anderem auf den InterRegio-Zügen Basel SBB/Zürich HB–Locarno oder vor den InterCity-Zügen Zürich HB–Stuttgart (auf dem Abschnitt Zürich–Singen) zum Einsatz. Nach Einführung des Taktfahrplans 1982 und der Lancierung von InterCity-Zügen mit EW IV auf der Stammrelation wurden die EW III in anderen Diensten eingesetzt, so zwischen Zürich und Luzern, auf der Cityvogel-Verbindung Konstanz–Biel–Genf oder in den Zügen Luzern–Langnau–Bern–Lausanne–Genf.
BLS Re 420 505

Eine der gemeinsam mit den EW III verkaufte BoBo: Die BLS Re 420 505-0

Per Dezember 2004 wurden die 57 noch verkehrsfähigen EW III (die Speisewagen verblieben bis 2006 bei den SBB) an die BLS verkauft, welche sie auch ihrer Corporate Identity getreu blau-grau-hellgrün umlackierte. Weil die Lackierung bereits vor dem Verkauftermin umgesetzt wurde, kamen in SBB-Zügen im Jahr 2004 bereits mit der BLS-Farbgebung versehene Wagen zum Einsatz. Aufgrund der Inkompatibilität der Vielfachsteuerungen der BLS Re 425 und der EW III verkauften die SBB auch 12 Re 4/4 II an die BLS, darunter auch die Swiss-Express-Lok Re 4/4 II 11106. Die BLS zeichnete die Loks in Re 420.5 um, die Loks waren von Re 420 501 bis Re 420 512 durchnummeriert. 2010 wurden sechs Re 420.5 ausrangiert und abgebrochen, inklusive der Re 420 512-6 (ex Re 4/4 II 11106). Im Jahre 2012 verkauften die BLS je eine Re 420.5 an die MBC (Re 420 506-8) und an die TRAVYS (Re 420 503-5), so dass sich aktuell nur noch vier Re 420.5 in Besitz der BLS befinden. Doch auch ihr Zenit ist längstens überschritten und die Lebenszeit wird wohl gemeinsam mit derjenigen der EW III zu Ende gehen.

BLS Re 465 004-0

Erhielt gemeinsam mit einer ganzen EW III-Komposition das Kambly-Design: Die BLS Re 465 004-0

Die BLS setzt die EW III vorwiegend in den RegioExpress-Leistungen Luzern–Bern und Bern–Neuchâtel ein. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Trubschachener Guetzli- und Snackherstellers Kambly wurde eine gesamte EW III-Komposition samt Re 465 mit einer Kambly-Werbelackierung versehen, die Re 465 004-0 wurde von Saas Fee/Mittelallalin in Trubschachen umgetauft. Die gesamte Komposition wird auch in Fahrplanmedien und Lautsprecherdurchsagen als Kambly-Zug vermarktet. Ausser bei Revisionen und Reparaturen an der Re 465 004-0 verkehrt der Kambly-Werbezug immer als ganze Einheit, während bei den restlichen EW III die Re 465 und Re 420.5 munter ausgetauscht werden.

Links

  • Medienmitteilung der BLS AG
  • Portrait der EW III auf der Website der BLS
  • Portrait der RABe 535 auf der Website der BLS
  • BLS-Rollmaterial: Rochade für bessere QualitätbahnONLINE.ch vom 17. September 2014
  • BLS-Rollmaterial: Rochade für bessere Qualitätinfo24 vom 17. September 2014
  • Vorstoss im Luzerner Kantonsrat bezüglich der angeblichen Störungsanfälligkeit der EW III (PDF-Datei)
  • BLS kann keine neuen Lötschberger bestellenBerner Zeitung Online/Newsnet.ch vom 13. März 2014
  • Stellungnahme von Pro Bahn zum ÖV-Bericht 2014-2017 des Kantons Luzern (PDF-Datei)
  • Beschreibung des Projekts TransGoldenPass
  • Interlaken: Erfolgt Entscheid über TransGoldenPass im Juni?Thuner Tagblatt/Berner Zeitung Online/Newsnet.ch vom 8. März 2014
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