1 Toter und 35 Verletzte bei Zugkollision in der Waadt

Eisenbahn Katastrophen und Unfälle Magazin Schweiz Verkehr

Gegen 19:00 sind am Montag 29. Juli 2013 zwischen Granges-près-Marnand/VD und Lucens auf der Strecke Palézieux-Payerne ein RBDe 560 Domino und ein RBDe 562 frontal zusammengestossen. Dabei wurden nach neusten Informationen einer der Triebwagenführer getötet und 35 Menschen verletzt, fünf davon schwer. Das Unglück ereignete sich direkt bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Granges-Marnand.

Kollision eines RegioExpress mit einer S-Bahn

Zugkollision auf der Strecke Palézieux-Payerne fordert ein Todesopfer und fünf Schwerverletzte (Bild: RBDe 562 (links) und RBDe 560 Domino im Bahnhof Payerne)
Zugkollision auf der Strecke Palézieux-Payerne fordert ein Toter und 35 Verletzte (Bild: RBDe 562 (links) und RBDe 560 Domino im Bahnhof Payerne)

Gemäss neusten Informationem kollidierten ein RBDe 560 (Domino) mit einem Inova-Zwischenwagen und einem Steuerwagen ABt als S21 12976 Payerne-Lausanne mit einem NPZ France (Bt + EW I B + EW I AB + RBDe 562) als RE 4049 Palézieux-Payerne, der von Lausanne bis Palézieux gemeinsam mit R 14947 den RE 4047 Lausanne-Palézieux gebildet hatte. Die S21 hat einen fahrplanmässigen Halt in Granges-Marnand, der RegioExpress nicht, jedoch findet in Granges die planmässige Zugskreuzung statt.
Die für die Schweiz und Frankreich zugelassenen RBDe 562-Triebwagen unterstützen nach ihrem Einsatzende auf der S1 Frick/Laufenburg-Mulhouse auf der Strecke Lausanne-Payerne die teilweise störungsanfälligen NPZ Dominos. Die RBDe 562 und der dazugehörige Steuerwagen sind nicht im Domino-Modernisierungsprogramm integriert, dem sonst alle SBB-NPZ unterzogen wurden, weil sie sonst ihre Frankreich-Zulassung verloren hätten.

Videoaufnahmen vom Unfallort

Der 54-jährige Lokführer der S21 konnte sich nach der eingeleiteten Schnellbremsung durch einen Sprung aus dem Fenster retten, sein 24-jähriger Kollege des RegioExpress war auf der Stelle tot. Der NPZ Bt wurde durch die Wucht des Zusammenstosses um acht Meter kürzer.
Alle beschädigten Fahrzeuge wurden per Strassentransport ins SBB IW Yverdon gebracht.


Aufnahmen des Strassentransportes der zerstörten Wagen

Abfertigung in Moudon erfolgt noch mit der Kelle

Auf der Strecke Palézieux-Payerne verkehren RBDe 560 (Domino) und RBDe 562 der SBB als RegioExpress und S21 der rer vaud, beides auf dem Laufweg Lausanne-Payerne. Die Zugskreuzung der S-Bahnen findet jeweils in Moudon statt, die Züge müssen vom örtlichen Bahndienstleiter per Kelle abgefertigt werden, ehe die Züge weiterfahren können. In Granges-Marnand, wo sich die S-Bahnen mit dem nur zu Hauptverkehrszeiten verkehrenden RegioExpress kreuzen, wird der Verkehr mittels Gruppenausfahrsignal geregelt, ähnlich wie es der Bahnhof Döttingen/AG war, wo es im August 2011 zu einer seitlichen Frontalkollision kam. Die Stelle ist mit der Zugsicherung Integra-Signum ausgerüstet, wo eine Schnellbremsung erst nach Überfahren des Hauptsignals einsetzt. Nach mehreren ähnlichen Unfällen in den 1990er-Jahren entschied man sich bis zur Einführung des europaweiten Zugbeeinflussungssystems ETCS mit dem Einbau der Signum-Ergänzung durch ZUB 121 als Überbrückungsmassnahme, die entsprechende Bremsvorgänge bereits zwischen Vor- und Hauptsignal durch die Anbringung von zusätzlichen Balisen und Berechnungen anhand der vom Lokführer eingegebenen Daten bezüglich Höchstgeschwindigkeit und Länge des Zuges einleiten kann.

Ursache: Überfahren eines Rotsignals

Der betroffene Abschnitt der Broye longitudinale genannten Bahnstrecke ist eine der meistgesperrtesten auf dem SBB-Netz, da insbesondere in der Region Moudon/Ecublens-Rue oftmals Erdrutsche auf die Gleise niedergehen.
Die Strecke ist seit Dienstag, 30. Juli 2013, 20 Uhr, wieder für den Bahnverkehr freigegeben.
Wahrscheinlich ist, dass die S21 zu früh losfuhr, bevor der RE in den Bahnhof eingefahren ist. Für eine Aufprallvermeidung war der Durchrutschweg zu kurz. Offenbar hat der Lokführer der S21 das Rotsignal überfahren, ähnlich wie bei der Kollision in Neuhausen am Rheinfall/SH Anfang Jahr.

In Gedenken an den toten Lokführer liessen am Tag seines Begräbnisses, am 2. August, um 14:00 Uhr 3000 Lokführer in der Schweiz und Deutschland das Alarmsignal ihrer Lokomotive oder ihres Triebfahrzeugs ertönen.

Weitere Infos sind bei den Bahnverkehrsinformation der SBB oder unter der Telefonnummer 0800 722 233 verfügbar.


Bericht der Tagesschau am Mittag vom 30. Juli 2013 zum Zugunglück im Bahnhof Granes-Marnand

Weblinks

  • Alle Cabo Ruivo-Artikel über Zugunglücke
  • Themenschwerpunkt des Tages-Anzeigers Online/Newsnet.ch
  • Pfiff zum letzten Gruss
  • Artikel der 24 heures mit Bilder vom Unfallort (in französischer Sprache)
  • Artikel auf bahnONLINE.ch