Kurzmeldung: Gotthardlinie bis Montagmittag gesperrt

Eisenbahn Magazin Schweiz Verkehr

Wegen eines Erdrutsches auf der Nordrampe bei Gurtnellen/UR musste die Gotthardbahn gestern zwischen Erstfeld und Göschenen in beiden Richtungen gesperrt werden. Eine anfänglich auf heute 12:00 terminierte Öffnung kann einem negativen geologischen Gutachten wegen nicht eingehalten werden. Frühestens werde die Strecke am Montag, 12. März 2012, um 11:45 wieder in Betrieb gehen. Im Nord-Süd-Verkehr enstehen empfindliche Störungen.

Erdrutsch bei Gurtnellen
Gestern Nachmittag verschüttete eine Gerölllawine die Gotthardbahn bei Gurtnellen/UR. Beide Fahrspuren wurden beschädigt, so dass die Strecke komplett gesperrt werden musste. Eine anfänglich vorgesehene eingleisige Öffnung musste nach einem geologischen Guthaben abgeblasen werden, da der Fels weiterhin instabil zu sein scheint. Auch der später vorgegebene Termin einer Öffnung der Strecke am Donnerstagmittag kann auch des schlechten Wetters und des instabilen Hangs wegen nicht eingehalten werden. Angestrebt wird jetzt eine Wiederaufnahme des Betriebs am folgenden Montagmittag.
Das Gebiet rund um Gurtnellen ist prädestiniert für Felsstürze und Erdrutsche – 2006 verschüttete ein Felssturz die Kantonsstrasse und die Autobahn A2 und traf auch ein Auto, was zwei Menschenleben forderte. Auch die Bahnlinie war auf der Gotthardnordrampe bereits von solchen Ereignissen betroffen: Am Weihnachtstag 2009 prallte in den Morgenstunden ein nordwärtsfahrender RABDe 500 als ICN 650 in auf die Gleise gefallene Steine und entgleiste.

Sprengung am Samstagmorgen
Um die instabilen Geröllmassen zu beseitigen, wurdeam Samstagmorgen um 11:15 Uhr der Hang ob Gurtnellen gesprengt. Aus Sicherheitsgründen sind auch die Autobahn A2, die Kantonsstrasse und etliche Wanderwege grossräumig abgeriegelt. Die SBB rät generell von Reisen ins Tessin ab. Auch die empfohlene Umfahrungsroute nach Italien ist erschwert: Wegen schon seit geraumer Zeit andauernden Bauarbeiten zwischen Iselle di Trasquera/I und Domodossola ist auch die Simplonstrecke am Samstag zwischen 10:30 Uhr und 13:30 Uhr und am Sonntag zwischen 12:40 Uhr und 18:40 Uhr komplett gesperrt. Ansonsten ist sie nur eingleisig befahrbar, weswegen ausschliesslich die EuroCity-Züge Basel SBB/Genève Cornavin-Milano Centrale verkehren, etwaige Verlängerungen der InterCity-Züge aus Basel nach Domodossola sowie allfällige InterRegio-Züge zwischen Brig und Domodossola entfallen.


Video auf YouTube von der Sprengung des Hangs bei Gurtnellen

Massive Störungen im Bahnverkehr

ICN Brunnen
Massive Störungen im Nord-Süd-Verkehr als Konsequenz des Felssturzes
Wegen des Felssturzes ist die Strecke zwischen Erstfeld und Göschenen unterbrochen. Die EuroCity-Züge Zürich HB-Milano Centrale fallen zwischen Arth-Goldau und Göschenen aus, genauso wie die ICN zwischen Basel SBB bzw. Zürich HB und Lugano. Die parallel zu EC-Kursen geführten ICN-Verstärkerkompositionen zwischen Zürich (Abfahrt xx.01) und Lugano entfallen komplett.
Die InterRegio-Züge zwischen Basel SBB/Zürich HB und Locarno verkehren bis Erstfeld (von Norden) beziehungsweise Göschenen (von Süden). Reisende aus den EC und ICN steigen in Arth-Goldau auf die InterRegios um, wo mangels Platz in Erstfeld bereits ab Flüelen die Ersatzbusse nach Göschenen verkehren. Für Transitreisende Basel/Luzern/Zürich – Italien wird der Weg via Bern – Lötschberg – Simplon empfohlen.
Die S-Bahnzüge der Linie S2 zwischen Baar Lindenpark und Erstfeld verkehren normal.

Unterbruch auch in der Westschweiz
Aufgrund eines Arbeitsunfalls, bei dem ein Zug eine Hebebühne streifte und ein Gleisarbeiter ums Leben kam, während ein weiterer schwer verletzt wurde, war der Fernverkehr auf Bahnstrecke Lausanne–Bern zwischen Romont/FR und Fribourg unterbrochen. Der Regionalverkehr fiel zwischen Chénens und Rosé aus. Seit 10 Uhr zirkuliert der Bahnverkehr wieder normal. Die Ursache des Unglücks ist noch unbekannt. Bei einem ähnlichen Unfall im vergangenen August zwischen Immensee/SZ und Arth/SZ wurde ein Gleisarbeiter von einer Baumaschine erdrückt.
Beim Unfall im Kanton Fribourg schien in der Schweizer Medienwelt jedoch nicht das verlorene Menschenleben das grösste Problem gewesen zu sein, sondern dass die Reise an den heute eröffneten Autosalon in Genf durch den Unfall erheblich erschwert wurde. Arme Autofreaks, die wahrscheinlich nur zu diesem Anlass den Zug nehmen – ja, ihr habt jetzt Wasser auf eure Mühlen bekommen, dass die SBB nicht zuverlässig ist… Dabei kennen die Schweizer Autobahnen das Wort Stau nicht…

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