Starbucks rüstet SBB-Speisewagen aus

Die SBB sorgen für eine Weltneuheit: Erstmals werden Speisewagen einer Eisenbahngesellschaft von der US-Kaffeekette Starbucks ausgestattet. Ab 2013 werden zwei umgebaute Speisewagen der IC 2000-Doppelstockzugflotte in InterCitys zwischen Genf Flughafen und St. Gallen eingereiht, um als Pilotprojekt zu dienen. Den Testbericht finden Sie hier. Nebst unzähligen Kaffeesorten soll in den Starbucks-Wagen auch gratis WLAN zur Verfügung stehen – immerhin eine SBB-weite Premiere. Doch wird sich das Konzept durchsetzen?

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Bald als Starbucks-Speisewagen unterwegs: IC2000-Bistrowagen im Bahnhof Brig

Bald als Starbucks-Speisewagen unterwegs: IC2000-Bistrowagen im Bahnhof Brig

Aus unzähligen Varianten den gewünschten Kaffee aussuchen kann man in der Schweiz schon seit geraumer Zeit – seit die US-Kaffeehauskette Starbucks den Sprung in den hiesigen Markt mit Erfolg gewagt hatte, denn die erste kontinentaleuropäoische Filiale wurde 2001 am Zürcher Central eröffnet. Zudem weist die Schweiz mit 49 Filialen auf 7,8 Millionen Einwohner die weltweit höchste Dichte an Niederlassungen des Konzerns weltweit auf. Zudem wird der weltweite Einkauf von Kaffeebohnen von Lausanne aus gesteuert und die Kaffeemaschinen in allen Filialen weltweit stammen vom Hersteller Thermoplan in Weggis/LU. Nun lanciert der Konzern in unserem Lande gar eine Weltpremiere: Erstmals rüstet sie Speisewagen aus, solche der SBB. Per 2013 werden zwei Bistro- und Speisewagen des IC 2000-Wagenparks umgebaut. Die beiden Speisewagen werden als Probephase in der InterCity-Relation Genève Aéroport-St. Gallen zum Einsatz kommen. Sollte der Pilotversuch erfolgreich verlaufen, werden weitere Wagen nachgerüstet. Die für den Speisewagenbetrieb zuständige SBB-Tochter elvetino erhält damit aber nicht Konkurrenz, sie ist in das Projekt involviert. Zudem sollen auch die elvetino-Minibars mit Starbucks-Kaffeeautomaten, welche aus dem Hause Thermoplan in Weggis/LU stammen, ausgerüstet werden. Die beiden Pilotwagen sollen für rund 900’000 Franken umgebaut werden, die Gestaltung übernimmt die Starbucks-Chefdesignerin. SBB und Starbucks zielen vor allem auf die Zielgruppe von jungen Leuten und Geschäftsreisenden, also solchen, die heute an den Bahnhöfen zu Starbucks-Bechern greifen. Jetzt sollen sie diesen Schritt halt bereits beziehungsweise erst im Zug vornehmen.
Ein ähnliches Projekt plant Starbucks auch in Zusammenarbeit mit den französischen Staatsbahnen SNCF, es ist jedoch bei weitem nicht so spruchreif wie dasjenige mit den SBB. Insofern überraschend ist, dass Starbucks gegenüber der Nestlé-Marke Nespresso den Vorzug erhält, obwohl der in Vevey/VD domizilierte Nahrungsmittelkonzern zurzeit keine solche Pläne hegt.

Erstmals WLAN in SBB-Zügen
Wie in den Filialen plant auch Starbucks in den Speisewagen die Möglichkeit, kostenlos und drahtlos im Internet zu surfen. Deswegen sollen die beiden Starbucks-Wagen mit WLAN ausgerüstet werden – immerhin als erste Fahrzeuge innerhalb des SBB-Fuhrparks. Bisher weigert sich diese nämlich, ihr Rollmaterial mit WiFi auszustatten, erst die mit vier Monaten Verspätung im April 2014 in den Regelverkehr zu entlassenen Bombardier TWINDEXX Swiss Express sollen von Werk an mit drahtlosem Internet ausgestattet sein – die Reisenden werden ein begrenztes Angebot an Surfmöglichkeiten kostenlos zur Verfügung haben. Das restliche Rollmaterial, also die diversen Reisezugwagen, IC 2000-Doppelstockwagen oder RABDe 500-Triebzüge, sollen erst mittel- bis langfristig folgen. Im städtischen Verkehr nehmen in dieser Hinsicht die beiden Basler Verkehrsbetriebe BLT und BVB eine Vorreiterrolle ein: Während die BLT bereits 19 ihrer Trams mit WLAN ausgerüstet haben, wollen die BVB bald nachlegen. Andere Bahngesellschaften wie die ÖBB oder die WestBahn, beide in Österreich, haben ihr Rollmaterial bereits ausgestattet.

Scheitert der Versuch?
Dass ein SBB-Experiment zur Kooperation mit einem internationalen Restaurantriesen auch scheitern kann, wurde den Staatsbahnen 2003 vor Augen, als der Versuch mit von der Fast-Food-Kette McDonald’s betriebenen Speisewagen scheiterte. Auch der italienische Restaurantbetreiber Autogrill konnte seine in der Schweiz vor allem in Flughäfen, Autobahnraststätten und Einkaufszentren zu findende Restaurantkette Passagio nicht erfolgreich in den SBB-Speisewägen etablieren. Nach dem Ende der internationalen Speisewagengesellschaften Mitropa und CIWL versuchte die SBB, das Geschäft der rollenden Küchen beizubehalten. Nach den diversen Disaster mit fremden Betreiberinnen übernahm die SBB das Geschäft der Speisewagen wieder alleine, heute werden sie von der Tochtergesellschaft elvetino betrieben. Immerhin macht es die SBB besser als in den 1980er-Jahren, als sie die Wagen ebenfalls selber betrieb (mit der Mitropa/Buffet Suisse als Konkurrenz) und Millionenverluste schrieb. So scheiterte unter anderem der Versuch eines Fonduewagens. Heute kommen Speisewagen nur noch in InterCity-Zügen (IC, ICN) und EuroCitys zum Einsatz, umlaufbedingt teilweise auch in den InterRegio-Zügen zwischen Basel und Chur. Einem von Fahrgastinteressenverbänden geäusserten Wunsch von Speisewagen in den Gotthard-InterRegios kommt die SBB nicht nach, da dies ihrer Ansicht nach nicht zu ihrer Marktstrategie gehöre, InterRegios mit Speisewagen auszustatten. Dass sie dies aber auf einer anderen Linie praktiziert, scheint sie nicht zu interessieren, genauso nicht wie die zahlreichen Mehreinnahmen, welche durch die Gotthard-InterRegios anfallen würden.
Das grösste Problem bei den Starbucks-Wagen wird der Preisunterschied zwischen den elvetino-Kaffees und denjenigen aus dem Hause Starbucks sein. Zwar ist die Qualität von letzterem ungleich höher, dafür dementsprechend auch der Preis. Ob die Kunden diesen zu zahlen bereit sind, wird die Zukunft zeigen. Gemäss SBB und Starbucks soll der Preis für einen Becher Kaffee im Zug nicht höher sein als für einen solchen in einer Starbucks-Filiale.
Ein weiteres Problem betrifft die Abfallpolitik: Gerade kürzlich hat sie, um auf das Problem verschmutzter Züge aufmerksam zu machen. im Hauptbahnhof Zürich einen riesigen Abfallberg aufstellen lassen. Doch mit den Starbucks-Bechern und der Tatsache, dass die 2. Klasse der neu in Betrieb genommenen Stadler KISS-Doppelstockzüge keine Abfalleimer mehr umfassen, wird das Problem aller Voraussicht nach weiter verschärft.

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