WLAN im öffentlichen Verkehr – nun auch in Basel

Nachdem bereits die PostAuto AG angekündigt hat, ihre Busse mit Wireless LAN auszurüsten, folgen nun auch die beiden Basler Verkehrsbetriebe mit WLAN: Während die BLT ihre Trams bereits mit drahtlosem Internet ausgerüstet haben, wollen nun auch die BVB nachlegen. Die SBB wiederum will kurzfristig nur alle neuen Züge ausrüsten.

Gratis WLAN bei den BLT läuft erfolgreich
Die Baselland Transporte (BLT), welche von Basel aus diverse Überlandstrassenbahnen in die Kantone Basel-Land (Pratteln, Aesch) und Solothurn (Dornach, Rodersdorf) und sogar auch ins französische Leymen betreibt, ist auch auf den WiFi-Zug eingestiegen. Seit dem 9. Februar 2012 verkehren neunzehn neue Tango-Trams, welche über kostenloses Internet verfügen, auf dem Netz der BLT. Pendler können also auf ihrem Weg zur Arbeit neu im Tram die neuesten News auf ihr Smartphone laden, oder auf sozialen Netwerken wie Facebook, Twitter oder Google Plus verweilen. Das Surfen im BLT-Tram erfreut sich grosser Beliebtheit, so haben sich bereits fast 5000 Personen für das kostenlose Angebot registriert. Man verschafft sich per angeforderten SMS-Code Zugang ins Internet. Seiten mit pornographischen oder extremistischen Inhalten sind gesperrt zudem werden die Surfdaten für zwei Wochen gespeichert.
Nun will auch die BVB, welche vor allem in Basel-Stadt aktiv ist, ihre Strassenbahnen mit WLAN ausrüsten – als erstes städtisches Verkehrsunternehmen notabene. Sie planen ab März 2012 einen Pilotversuch in einem Combino-Tram. Ziel ist es, WiFi in allen Bussen und Trams der Verkehrsbetriebe anzubieten. Sowohl BLT als auch BVB wollen so eine Attraktivitätssteigerung des Öffentlichen Verkehrs gegenüber dem Individualverkehr im Dreiländereck anbieten. Zudem soll das Angebot auch Touristen dienen, überteuerte Roaminggebühren sollen so reduziert werden.

SBB folgt mittelfristig
Für Murren in der Computerwelt sorgt vor allem die SBB, welche im internationalen Vergleich hintennach hinkt. So haben und werden bereits die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) ihre Hochgeschwindigkeitszüge railjet mit einem drahtlosen Netzwerk versehen. Jedoch ist hervorzuheben, dass die ÖBB diese Massnahmen ausschliesslich kommerziellen Gründen vollzogen haben: Seit Fahrplanwechsel 2011 muss sie auf der Strecke zwischen Wien und Salzburg mit der konkurrierenden WestBahn vorlieb nehmen, bei deren Stadler Kiss-Doppelstockzügen drahtloses Internet zur Grundausstattung gehört.
In der Schweiz hat die PostAuto AG angekündigt, 1500 ihrer Busse mit WLAN auszurüsten. Ein Pilotversuch im Wallis verlief erfolgreich, jedoch ist ein flächendeckendes Angebot der Topographie wegen nicht möglich, denn die Post nutzt für das Angebot das 3G-Netz der Swisscom, das in abgelegenen Bergregionen jedoch oftmals Finklöcher umfasst. Eisenbahngesellschaften wie die SBB, die BLS oder die SOB siehen keinen unmittelbaren Bedarf, in ihrem Rollmaterial diese Vorrichtungen einzubauen. Bei den SBB werden jedoch die neuen Bombardier TWINDEXX Swiss Express-Doppelstockzüge, die ab 2013 hierzulande im Einsatz stehen werden, mit WLAN ausgerüstet. Die bisherigen Züge und Waggons werden mittelfristig nicht nachgerüstet, jedoch werden UMTS-Repeater eingebaut, um den Handyempfang zu verstärken. Im WLAN-Bereich sieht die SBB eine begrenzte kostenlose Nutzung des drahtlosen Netzwerks zu, so dass einige Angebote, beispielsweise die Fahrplanabfrage der SBB oder das Videoportal des Schweizer Fernsehens, kostenlos sind, während für das Surfen auf den restlichen Webseite eine Gebühr von sechs Franken pro Stunde zu entrichten sei. Zum Vergleich: Die Swisscom bietet in ihren zahlreichen WLAN-Hotspots in der Schweiz, die beispielsweise in Hotels, Bahnhöfen oder Flughäfen zu finden sind, eine Stunde kostenloses Surfen an, danach fallen stündlich vier Franken an.

Kein Bedarf in Zürich und Bern – Interesse in St. Gallen und Genf
Im Gegensatz zu Basel siehen die Verkehrsbetriebe in Zürich oder Bern keinen Bedarf, in ihren Trams und Bussen drahtlose Netzwerke einzubauen. So verzichteten die Zürcher Verkehrsbetriebe (ZVB) beispielsweise darauf, WiFi-Systeme in die Ausschreibung für die ab 2016 auszuliefernde neue Tramgeneration, aufzunehmen. Ähnlich tönt es in Bern, wo die städtischen Verkehrsbetriebe der Ansicht sind, dass sich ein solches Angebot überhaupt nicht lohnt, da sich die Leute viel zu kurz in den Trams aufhalten. Es ist irgendwie nachvollziehbar, denn im Gegensatz zu den Tramlinien in Bern oder Zürich besteht das Netz der BLT ausschliesslich aus Überlandstrassenbahnen, die Reisezeit dauert in der Regel viel länger. So dauert die Fahrt auf der als Radiallinie angelegten BLT-Strecke von Rodersdorf nach Basel Heuwaage 32 Minuten. In Bern sind zwar die Fahrtzeiten auf den Linien 6 (40 Minuten) und 8 (36 Minuten) länger, doch sind dies beides Durchmesserlinien – sprich, die meisten Fahrgäste steigen nach rund der Hälfte der Strecke, wenn das Stadtzentrum erreicht ist, wieder aus.
Für Interesse sorgt die Idee aber in St. Gallen und Genf. In der Ostschweiz ist geplant, die Busse mit Hotspots auszurüsten. In Genf werden solche Einrichtungen geprüft, konkrete Pläne und Ideen sind jedoch nicht vorhanden. Es wäre gut möglich, dass nach den Erweiterungen des Genfer Tramnetzes neue Fahrzeuge in Betrieb gestellt werden, die vom Hersteller aus bereits mit WLAN-Netzwerken ausgerüstet sind.

Angst vor Strahlen
Sorge bereitet der Bevölkerung vor allem die Strahlen, welche von so genannten WLAN-Router ausgehen. Doch diese Befürchtungen sind zu relativieren: Einerseits gibt es kaum mehr ein Fleckchen Erde ohne Handyempfang, zudem ist man an den meisten Orten rund um die Uhr der Strahlung von WLAN-Netzen ausgesetzt, ohne dass irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden auftraten. Wer mir nicht glaubt, sollte man zu gegebener Zeit (3 Uhr morgens) die Liste der verfügbaren Netzwerke in seiner Wohnung vors Auge führen – er wird sehen, dass er sich in etliche Netzwerke einwählen kann, auch zahlreiche unverschlüsselte.

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