Glencore und Xstrata: Zuger Bergbauriesen fusionieren zu neuem Giganten

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Die Avancen des Baarer Rohstoffhändlers Glencore gegenüber dem Zuger Bergbauunternehmen Xstrata waren erfolgreich. Die beiden Unternehmen verschmelzen zur Glencore Xstrata International plc und werden mit einem Wert von 90 Milliarden Franken das weitaus grösste Schweizer Unternehmen sein. Über die Konsequenzen vor Arbeitsplätzen wurde nichts bekannt gegeben. Die Fusion ist vorbehaltlich der Zustimmung von Xstrata-Aktionären und Kartellbehörden.

Die Schweiz – ein Rohstoffgigant?
Für was ist die Schweiz bekannt? Stimmt, für Käse, Schwingen, Schokolade und Uhren. Aber hinter der schillernden Schweizer Wirtschaftsfassade operieren zwei Rohstoffkonzerne, die zu den grössten der Welt gehören? Die Schweiz Heimat solcher Konzerne? Die Schweiz, die selbst über kaum Rohstoffe verfügt, redet ein gewichtiges Wörtchen im Handel um Gold oder Erz mit? Genauer gesagt – der Kanton Zug. Die Firmensitze besagter Unternehmen liegen gerade mal knapp zweieinhalb Kilometer auseinander: Derjenige der Rohstoffhändlerin Glencore liegt in Baar an der Baarermattstrasse nahe der Stadtgrenze zu Zug nahe der Bahnstation Baar Lindenpark und der Produktionstätte der V-Zug, der des schweizerisch-britischen Bergbauunternehmens und Rohstoffgewinners Xstrata in Zug an der Bahnhofstrasse bei der S-Bahnstation Zug Postplatz. Und jetzt schliessen sich die beiden Riesen sogar zu einem neuen Grosskonzern zusammen, der einen Börsenwert von 90 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Zwar wird die neue Gesellschaft der weltgrösste Rohstoffkonzern, in Sachen Marktwert wird er aber gegenüber dem 204,7 Milliarden US-Dollar teuren BHP Billiton das Nachsehen haben.

Ein Zusammenschluss unter Gleichen
Im Gegenzug zu früheren Versuchen Glencores, sich mit Xstrata zusammenzuschliessen, ist diese Fusion eine solche „unter Gleichen“, also keine Übernahme. Dieser Fakt wird auch im Firmennamen des neuen Konzerns ersichtlich – Glencore Xstrata. Das neue Unternehmen wird mit einem Marktwert von 90 Milliarden Franken das weitaus grösste Schweizer Unternehmen sein – bereits jetzt ist Glencore der grösste Schweizer Konzern und Xstrata hatte dieselbe Position vor Jahren ebenfalls inne. Um einen ähnlichen Grosskonzern zu schaffen müsste sich wohl Nestlé seine beiden Rivalen Kraft und Danone einverleiben, um in die Dimension von Glencore Xstrata vorstossen zu können. Keine Chance hätte übrigens Magic-X, auch wenn sie Beate Uhse und den Erotik-Markt erwerben würden…

Geschickte Taktik Glencores
Glencore, das erst im letzten Jahr in die Börse ging, ist hierbei geschickt vorgegangen und hat die Geschäftsführung von Xstrata elegant geködert: Sowohl Xstrata-CEO Mick Davis und Xstrata-Verwaltungsratspräsident John Bond werden diese Positionen auch im neuen Konzern innehaben. Glencore-Konzernchef Ivan Glasenberg begnügt sich mit dem Posten als Vizekonzernchef, auch wenn die Glencore-AKtionäre am neuen Unternehmen mehr Anteile besitzen als die Shareholders von Xstrata. Davis und Glasenberg werden auch im Verwaltungsratsgremium von Glencore Xstrata Einsitz nehmen.
Die Fusion muss jedoch noch von den Aktionären Xstratas und den Kartellbehörden abgesegnet werden. Letztere haben in der Rohstoffbranche erst im Jahre 2010 ein Machtwort gesprochen, als sie die geplante Fusion der Rohstoffkonzerne Rio Tinto und BHP Billiton untersagten. Im Gegenzug zur dieser geplanten Firmenhochzeit überschneiden sich die Geschäftsfelder Glencores und Xstratas kaum. Auch Xstrata scheiterte im selben Jahr, den auch im Rohstoffsektor tätigen Mischkonzern Anglo American zu akquirieren – nun soll der neue Riese Glencore Xstrata einen neuen – erfolgreicheren – Versuch wagen.
Es ist unklar, wo Glencore Xstrata domiziliert sein wird, am bisherigen Glencore-Sitz in Baar oder bei der jetzigen Xstrata in Zug. Glencore hat sich in der Region Zug auch als Sponsor betätigt, unter anderem bei EV Zug.

Unternehmen seit langem verbandelt
Die Geschichte Glencores geht auf Marc Rich zurück. Der US-Rohstoffhändler, in den USA wegen diverser Delikte angeklagt, liess sich in der Schweiz nieder und gründete in Zug eine Firma namens Marc Rich und Co AG – die heutige Glencore (Die Abkürzung steht für Global Energy Commodity and Resources) enstand durch den Verkauf der Handelssparte an das Management. Der damalige Geschäftssitz an der Zuger Baarerstrasse wird heute von Geschäftsräumen der Zuger Kantonalbank belegt.
Die Xstrata wiederum geht auf die Zuger Südelektra zurück – die sich in den 1990er-Jahren in Mehrheitsbesitz von Glencore befunden hatte, von dieser jedoch abgestossen wurde. Mick Davis formte aus der Südelektra die erfolgreiche Xstrata. Ein wichtiger Meilenstein waren die 2002 von Glencore übernommenen Minen in Südafrika
Zudem hält Glencore zurzeit 34 Prozent des Xstrata-Aktienkapitals, was in der Vergangenheit oftmals zu Übernahmespekulationen führte. Auch die beiden aus Südafrika stammenden Konzernchefs sind seit Jahren bekannt: Glasenberg und Davis studierten zur selben Zeit.

Doch es regt sich Widerstand
Die Elefantenhochzeit stösst jedoch nicht überall auf Wohlwollen. Vor allem auf der Seite des Juniorpartners Xstrata wollen einige einflussreiche Shareholders ihr Veto gegen die Fusion einlegen. Sie finden das Angebot schlicht zu tief. Auch die Kartellbehörden könnten noch den einen oder anderen Einwand gegen die Fusion einbringen. Zwar treten die beiden Konzerne nur in wenigen Fällen in demselben Marktsegment auf, doch erstmals kann ein einzelnes Unternehmen den ganzen Ablauf des Rohstoffhandels von der Gewinnung bis zum Verkauf kontrollieren. Jedoch ist hier zu sagen, dass aus Xstrata-Minen gewonnenes Nickel, Kobalt, Kupfer und Vanadium schon heute ausschliesslich von Glencore vermarktet werden.
Die beiden Unternehmen stehen jedoch auch unter Kritik. So werden sowohl Glencore als auch Xstrata für ihren Umgang mit ihren Mitarbeitern harsch kritisiert. In Kolumbien wurde sogar ein Fall publik, bei dem Glencore die Ermordung von Gewerkschaftern durch Paramilitärs finanziell unterstützt haben soll, auch wenn Glencore dies dementiert. So erhielt der Konzern 2008 beispielsweise der Public Eye Swiss Award, eine Negativauszeichnung, die in Davos als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum WEG über die Bühne geht.

Ist die Fusion okay?
Der Zusammenschluss hat sich seit langem abgezeichnet. Er bietet Chancen für die Schweizer Wirtschaft, da sie nun gewichtiger im Rohstoffhandel tätig sein wird. Allerdings wurde in Sachen Arbeitsplätze noch kein Bekenntnis abgegeben, dass auf einen Stellenabbau verzichtet wird. Jedoch hoffe ich, dass sich die Konditionen für die Mitarbeiter verbessern.
Jedoch würden auch zwei Global Player im Business nicht viel schaden, wie es beispielsweise in der Pharmabranche mit Novartis und Roche der Fall ist. Auch hier sind die Firmensitze beider Konzerne nahe beieinander (Basel) und auch hier besitzt der eine einen beträchtlichen Teil am Aktienkapital des andern – Novartis hat 33% der Roche-Aktien in seinem Besitz. Selbstverständlich hatte auch hier Novartis entsprechende Absichten, sich Roche einzuverleiben, doch diese scheinen jetzt vom Tisch.
Die Motive für Glencore zur Übernahme sind verständlich, sie sind jetzt nicht nur Zwischenhändler zwischen Käufer und Verkäufer, sondern können jetzt durch die Gewinnung eigentlich nur noch
verkaufen und müssen die Erzeugnisse nicht mehr einkaufen, so dass ein höherer Gewinn resultiert, der sich womöglich gar positiv auf die Rohstoffpreise auswirken kann. Glencore muss zudem seine Wurzeln verdauen können, denn Marc Rich wurde vom Staatsanwalt und späteren Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, als grössten Steuerbetrüger der USA bezeichnet, auch weil er damals mit dem damaligen US-Intimfeid Iran Geschäfte betrieben hatte. Nachdem Rich Zuspruch zahlreicher Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, so unter anderem dem heutigen israelitischen Staatspräsident Schimon Peres oder dem spanischen König Juan Carlos I. erhielt, entbrannte eine Kontroverse, inwiefern Rich ein Verbrecher sei. Als eine seiner letzten Amtshandlungen als US-Präsident sprach Bill Clinton an seinem letzten Tag im Oval Office die Begnadiung Marc Richs aus. Sofort kamen Gerüchte auf, Richs Freiheit sei erkauft worden, da dessen Familie etliche Spenden an die Demokratische Partei verrichtet hatten. Der begnadete Kunstsammler lebt heute in Meggen LU, jüngst vermeldete er, sich aus dem operativen Geschäft seiner Firma Marc Rich Group, die aus den nicht in Glencore aufgegangenen Teilen besteht, zurückzuziehen.

Größere Kartenansicht
Die Veranschaulichung der Nähe der Konzernsitze von Glencore (A) und Xstrata (B).