SBB publizierte den Fahrplan fürs Jahr 2012

Eisenbahn Magazin Verkehr

Nachdem vor Monatsfrist bereits der Online-Fahrplan der SBB fürs nächste Fahrplanjahr publik wurde, ist nun auch die digitale Form des Kursbuchs seit gestern im Internet zu finden. Der erste Verkaufstag fürs Kursbuch des Jahres 2012 an den Bahnschaltern wiederum ist nächsten Montag. Geprägt wird der neue Fahrplan durch die Eröffnung der Schnellfahrstrecke Rhin-Rhône in Frankreich, welche Zürich und Basel besser an Paris anbindet. Ansonsten ändert sich nicht viel.

Schlechte Pendlersituation bleibt bestehen
Wie befürchtet, obwohl zunächst von Seiten der SBB noch in Aussicht gestellt, wird die 2008 im Zuge des Neigezugkonzepts am Gotthard abgeschaffte RegioExpress-Verbindung von Erstfeld/UR nach Zürich HB in den morgendlichen Hauptverkehrszeiten nicht wieder eingeführt. Sie bot für die Kleinbahnhöfe Altdorf/UR, Sisikon/UR, Steinen/SZ, Walchwil/ZG und Zug Oberwil eine tägliche Direktverbindung in die grösste Schweizer Stadt. Ersetzt wurde sie durch einen InterRegio, der ab Arth-Goldau nach Basel SBB geführt wird. Stattdessen verkehrt ein ICN von Chiasso nach Zürich HB. Zwar ist man jetzt schneller in Zürich, muss aber umsteigen, und der Halt an den bei Pendlern beliebten Stadtzürcher Bahnhöfe Enge und Wiedikon fällt weg. Im Falle von Zürich Enge war zwar ein Halt auf Drängen der Kantone Schwyz und Uri geprüft worden, doch der stets in Doppeltraktion verkehrende ICN wäre für die zwischen zwei Tunnels gelegenen Bahnsteige im Bahnhof Enge zu lang gewesen. Stattdessen wurde man auf den Fahrplan 2012 vertröstet – zu früh getröstet beziehungsweise gefreut. Aufgrund Umlaufgründen und fehlenden Rollmaterials wird der bisherige Status beibehalten. Das Baudepartement des Kantons Schwyz „versuchte“ indessen, einen Halt des ICN in Brunnen und Schwyz zu erreichen, was von den SBB abgelehnt wurde, obwohl die beiden Bahnhöfe im Talkessel Schwyz angeblich die höchsten Einsteigefrequenzen zu dieser Zeit auf der gesamten Gotthardlinie aufweisen. Obwohl die Haltebegehren für Schwyz und Brunnen erfolglos waren, blieben selbige des Kantons Uri erfolgreich: Der ICN 650 hält ab Fahrplanwechsel 2011 in Flüelen. Meine Frage ist hier: Warum ausgerechnet dort?
Vielleicht aus Rache am Kanton Schwyz, weil der sich generell nicht an Infrastrukturprojekten der SBB finanziell beteiligt?

Neues Rollmaterial bei der S3

Der neue Fahrplan bringt nur wenige Änderungen (Symbolbild)
Zwei Veränderungen sind bemerkbar: An Werktagen wird frühmorgens eine InterRegio-Verbindung zwischen Brunnen und Zürich eingeführt, mit Halt in Schwyz, Steinen, Arth-Goldau und Zug, Abfahrt in Brunnen ist um 5.58 Uhr. An Wochenenden beginnt besagter Zug in Arth-Goldau. In der Gegenrichtung wird diese Verbindung nicht angeboten. Parallel dazu verkehrt weiterhin eine S-Bahn von Erstfeld nach Zug/Baar Lindenpark.
Auf der S3 zwischen Luzern und Brunnen werden neu DOMINO-Pendelzüge verkehren. Die Niederflurzüge entstehen aus dem Umbau der bisherigen Kolibri-NPZ. Ansonsten verändert sich auf den Bahnnetzen der Zentralschweiz nicht viel, nur die frequenzstarken Züge der InterRegio-Linie Luzern-Bern-Genf Flughafen werden ab Fahrplanwechsel mit IC2000-Doppelstockzügen ausgestattet.
Zudem halten die durchs Entlebuch und Emmental verkehrenden RegioExpress-Züge der BLS zwischen Bern und Luzern neu auch in Malters/LU.

Halbstundentakt auf der Riviera-Linie…aber kein Nachtstern mehr
Auf der Rivieralinie der Auto AG Schwyz, die von Schwyz über Brunnen, Gersau, Vitznau, Weggis und Greppen nach Küssnacht führt, wird neu der durchgehende Halbstundentakt angeboten. In Brunnen und Küssnacht werden dafür Anschlüsse an die SBB-Züge angeboten. Interessant ist auch, dass die bisher durchs Dorf Brunnen führenden Binnenkurse Schiller-Brunnen Bahnhof der Linie 2, die danach als Linie 4 nach Morschach fahren, neu via Luzernerstrasse und somit nur noch mit Seilbahn Urmiberg als Zwischenhalt verkehren. Durch die schnellere Verbindung kann die Wendezeit in Morschach ausgeweitet werden und die Busse können bis zur Talstation der Luftseilbahn auf den Stoos durchgebunden werden.
Als absolute Schweinerei ist die Einstellung des Nachstern-Angebots auf der Rivieralinie zu bezeichnen. Obwohl die Busse von Luzern über Küssnacht und Brunnen nach Schwyz äusserts beliebt waren, werden sie nun von den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) eingestellt. Und zwar nur, weil sich der Bezirk Gersau und die Gemeinde Ingenbohl nicht an den Kosten beteiligen. Zwar ist auch dieses Verhalten nicht zu akzeptieren, doch ich frage mich, warum es hier Kostenbeteiligungen braucht? Die Fahrt kostet ja sieben Franken, egal welches Ziel man hat. Da verdient ja die VBL schon genug daran. Sattel hat das Portemonnaie aus dem Sack geholt und bezahl neue Nachtbusverbindungen von/nach Schwyz (AAGS) und Oberägeri/ZG (Zugerland Verkehrsbetriebe).

S-Bahn-Ausbau in Bern
Schweizweit fällt vor allem der Ausbau der S-Bahn zum Viertelstundentakt zwischen Bern und Münchenbuchsee auf, dafür wurde im Raum Zollikofen/BE ein drittes Gleis auf der Bahnstrecke Bern-Biel errichtet. Dafür wird der Halt der RegioExpress-Züge zwischen den beiden grössten Städten des Kantons Bern in Münchenbuchsee gestrichen. Weiterhin verkehrt die S3 im Halbstundentakt bis Biel. Die neue Verdichtungslinie im Binnenbetrieb zwischen Münchenbuchsee und Bern wird den Namen S31 erhalten. Ähnliche Umläufe sind bereits auf der Linie Bern-Neuenburg (S51 und S52 verdichten die S5) zu finden. Die BLS hat zudem fürs Berner S-Bahn-Netz 28 Doppelstockzüge der Marke Stadler KISS bestellt, die nun ab Fahrplanwechsel zum Einsatz kommen. Dank dem dritten Gleis bei Zollikofen konnte die Kapazität auch in Richtung Thun mit neuen Spurwechseln erweitert werden, so dass der als Lötschberger von der BLS vermarktete Flügelzug von Spiez nach Zweisimmen beziehungsweise über die Lötschberg-Bergstrecke nach Brig neu stündlich nach Bern verlängert werden kann, statt nur zu den Hauptverkehrszeiten.
Ebenfalls eine wichtige Änderung betrifft den Bahnhof von Liestal/BL, wo es zu einer Verschiebung der InterCity-Halte kommt: Zwischen Basel SBB und Bern verkehren IC-Züge – da inbegriffen sind auch die internationalen EC und ICE – im Halbstundentakt, einer davon mit Halt nur in Olten, der andere mit Halt in Liestal und Olten. Dieser Status wird beibehalten, jedoch werden die Halte zwischen den beiden Zugläufen vertauscht. Für Liestal verschieben sich die Abfahrtszeiten um eine halbe Stunde. Das bedeutet zwar den Wegfall der täglichen EuroCity-Verbindungen nach Mailand, dafür erhält der Bahnhof neu fünf ICE-Verbindungen nach Frankfurt und Berlin pro Tag. Immerhin kann Liestal noch einmal täglich umsteigefrei von Mailand aus erreicht werden, der über die Gotthardstrecke verkehrende EC 158 von Mailand nach Basel wird um 00.50 Uhr einen Halt im basellandschaftlichen Hauptort einlegen, in der Gegenrichtung ist jedoch keine direkte Verbindung mehr möglich.
Am Gotthard wird nun jeder mit ETR 470 gefahrende EuroCity mit einer Parallelfahrt eines RABDe 500 als ICN ausgestattet.

Schneller in Paris, neu nach Budapest, nicht mehr nach Venedig
Durch die Inbetriebnahme des ersten Teilstücks der französischen Hochgeschwindigkeitsstrecke LGV Rhin-Rhône kann die Fahrtzeit von Zürich und Basel nach Paris um mindestens 30 Minuten gesenkt werden. Bisher verkehrten die Züge ab Mulhouse via Strassburg und die LGV Est europénne nach Paris-Est, nun verkehren sie ab Mulhouse über Besançon nach Paris-Gare de Lyon. Die nunmehr sechs täglichen Verbindungen werden neu mit TGV Duplex des SBB-SNCF-Jointventures Lyria bedient. Von Genf aus werden täglich neun TGV-Verbindungen nach Paris angeboten, sowie je eine weitere nach Nizza, Marseille-St Charles und Montpellier Saint-Roch. Von Bern aus verkehrt weiterhin ein TGV-Zugspaar via Neuchâtel nach Paris, von Lausanne sind es deren vier, die saisonal teilweise nach Brig durchgebunden werden.
Im internationalen Verkehr nach Österreich verbleibt man mit fünf täglichen railjet-Zugspaaren und zwei EuroNight nach Wien beziehungsweise Graz (-Zagreb), der angestrebte RJ-Zweistundetakt kann noch nicht zum Fahrplanwechsel 2011 eingeführt werden. Dafür wird eines der railjet-Zugspaare über den bisherigen Endbahnhof Wien West hinaus über Wien Meidling nach Budapest keleti pu durchgebunden.
Weil die Trenitalia ihre ETR 610 nun für den Binnenverkehr benötigt, sieht sich die SBB gezwungen, ihre eigenen ETR 610 ausschliesslich auf der Simplonachse zwischen Genf beziehungsweise Basel nach Mailand einzusetzen. Obwohl die SBB ganze eineinhalb Jahre für eine Bewilligung des Bundesamtes für Verkehr für den ETR 610-Betrieb auf der Gotthardachse herumgebettelt hatte, wird dieser nach nur einem Betriebsjahr wieder zurückgezogen. Die betroffene Relation Basel-Luzern-Mailand-Venedig wird nun ebenfalls mit ETR 470 gefahren, dabei entfällt angeblich wegen Rollmaterialknappheit die Durchbindung nach Venedig. Aus Gründen der Fahrplanstabilität werden einige EuroCity mit konventionellem Zugsmaterial gefahren, so dass sich die Reisezeit zwischen Mailand und Zürich um eine halbe Stunde verlängert. Zusätzlich werden einige ICN bis Chiasso verlängert, wo man dann mit der S-Bahn zum Mailänder Bahnhof Porta Garibaldi fährt, der in etwa gleich weit entfernt vom Stadtzentrum mit Dom ist wie der Hauptbahnhof Centrale.
Der bisherige InterCity-Zuglauf Bruxelles Midi-Chur wird nun auch in der Gegenrichtung umsteigefrei angeboten.

Links

  • Übersicht der Fahrplanänderungen in der Zentralschweiz
  • Das Kursbuch in digitaler Form
  • Detaillierte Änderungsübersicht zum Fahrplanwechsel in der Gesamtschweiz