Innert 24 Stunden zwei Tote nach Kollision mit Eisenbahnzügen

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Innert 24 Stunden starben in der Schweiz zwei Autofahrer, als sie mit ihrem Auto mit einem Zug kollidierten. In Bavois/VD starb Montagabend ein 74-jähriger, nachdem sein Auto von einem ICN erfasst wurde, während am Dienstag in Wattwil im Toggenburg für einen 52-jährigen nach einer Kollision mit einem FLIRT der Südostbahn jede Hilfe zu spät kam.

Montag: Bavois/VD
Am Montagabend, gegen 20 Uhr, sind im waadtländischen Bavois die Vorderräder eines Autos aus ungeklärten Gründen auf die Bahngleise der Jurafusslinie gelangt, wo der Wagen von einem mit 140 km/h die Haltestelle passierenden ICN in Richtung Westschweiz mehrere hundert Meter mitgeschleift wurde. Der 74-jährige Lenker, der als einziger an Bord des Wagens war, kam ums Leben. Er wurde aus seinem Auto geschleudert. Laut einem Bewohner von Bavois hindere kein Hindernis die Autofahrer daran, vom Parkplatz über den Bahnsteig aufs Gleis zu gelangen. Nur eine einzige Unaufmerksamkeit reiche für ein Unglück. An Bord des ICN wurde niemand verletzt, die Reisenden konnten ihre Fahrt mit eineinhalbstündiger Verspätung weiterführen. Die Jurafusslinie ist zwischen Chavornay/VD und Eclépens/VD nur beschränkt befahrbar, die ICN-Fernverkehrszüge der Relationen Genf/Lausanne-Biel-Basel/St. Gallen verkehrten mit Verspätungen, die S1 der S-Bahn-Lausanne fiel zwischen den beiden genannten Bahnhöfen aus.

Dienstag: Wattwil/SG
Auf dem unbewachten Bahnübergang Oberwies in Wattwil/SG beabsichtigte heute ein 52-jähriger Autofahrer, die Bahnstrecke Wattwil-Nesslau Neu St. Johann zu überqueren. Dabei übersah er die aus Richtung Ebnat-Kappel heranbrausende FLIRT-Komposition der SOB, welche den Wagen auf einer Länge von 150 Metern mitriss. Der Lenker wurde aus seinem Auto geschleudert und war auf der Unfallstelle tot.

Problem des unbewachten Zugangs
Im Falle von Bavois gelangte der Lenker von einem benachbarten Parkplatz auf die Geleise, während in Wattwil der Unfallort ein unbewachter Bahnübergang war. Durch diese Unfälle wird die Diskussion um die Sicherheit wieder aufgegriffen, in der Vergangenheit haben die SBB und die anderen Bahnen etliche Millionen in die Sicherheit von Bahnübergängen investiert, unbewachte Niveauübergänge wurden entweder durch solche mit Schranke ersetzt oder ganz aufgehoben. Die als Todesstrecke bekannte Seetalbahn zwischen Luzern und Lenzburg wurde per Trassenverlegung innerhalb der Gemeinde Emmen/LU erheblich entschärft, die Anzahl Unfälle markant reduziert. Trotzdem ist auf zahlreichen Bahnübergängen stets immer noch auf die Vorsicht zu setzen, denn die Züge sind einerseits von weitem sichtbar, andererseits machen sie per Pfeifton von sich hören. Die betreffenden Bahnübergängen sind jeweils nur mit einem Andreaskreuz ausgestattet, manchmal auch noch mit BLinklichtern und Alarmton. Bei einer Kollision hat der Mensch im Auto gegen die stärkere Maschine namens Eisenbahn meistens keine Überlebenschance, auch wenn es nur ein vermeintlicher Bummelzug wie der FLIRT beim Wattwiler Unfall ist.
Da der Bund bei der Sanierung der 2000 unbewachten Bahnübergängen Druck aufgelegt hat, beteiligt er sich an den Kosten mit 100’000 Franken pro Übergang.
Der schwerste Unfall in der Schweiz an einem Bahnübergang ereignete sich 1982 am Übergang Matten an der Kempttalstrasse in Pfäffikon/ZH, als ein mit einer Sportgruppe aus dem deutschen Schönaich (Baden-Württemberg) besetzter Bus von einem Zug erfasst wurde. Von 41 Businsassen kamen 39 ums Leben. Allerdings war der Unfallort ein beschrankter Bahnübergang, die Schrankenwärterin hatte im Glauben, der Zug habe den Übergang bereits passiert, die Schranken wieder geöffnet. Doch der Regionalzug 8477 hatte zwei Minuten Verspätung… In der Gemeinde Pfäffikon kam es damals zu Bestrebungen , die sieben bestehenden Niveauübergänge auf Gemeindegebiet aufzuheben, was zunächst abgelehnt wurde. Das tragische Unglück hat zu einer freundschaftlichen Beziehung zwischen Schönaich und Pfäffikon geführt, im Zweijahresturnus besuchen sich Gemeindedelegationen und Dorfvereine gegenseitig.

Links

  • Bericht der Stuttgarter Zeitung zum 25. Jahrestag des Unglücks in Pfäffikon/ZH
  • Interpellation von Nationalrat Rudolf Joder vom 3. Oktober 2011
  • Projektübersicht zur Sanierung der BLS
  • 1 thought on “Innert 24 Stunden zwei Tote nach Kollision mit Eisenbahnzügen

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