In Küssnacht wird man beim Warten nicht mehr nass…

…und  zwar wegen dem neuen Mittelperron, der mit einem Dach versehen wurde. Der neue Bahnsteig ist Teil der massiven Um- und Ausbauarbeiten des Bahnhofs Küssnacht am Rigi im Kanton Schwyz. Die endgültige Fertigstellung ist auf den Fahrplanwechsel 2011 terminiert.

Bereits 1997 grundlegend saniert

Der Bahnhof Küssnacht am Rigi wurde bereits 1997 bis 1999 im Zuge der Totalsanierung und -sperre der Gotthardbahnzufahrt zwischen Luzern und Immensee renoviert. Damals entstand das bis Baubeginn des neuen Bahnhofs bestehende System mit den niveaugleichen Gleiskreuzungen der Fahrgäste. Die Sicherheit der Fahrgäste war mehr oder weniger gewährleistet, so lange die Zugskreuzung auf der weitgehend eingleisigen Strecke in Küssnacht stattfanden und die Züge den Übergang nicht tangierten. Mit der Inbetriebnahme der neuen Bahnstationen Meggen Zentrum und insbesondere Luzern Verkehrshaus konnte der Fahrplan mit dem Kreuzungen in Küssnacht nicht mehr eingehalten werden, seit dem werden die Zugskreuzungen auch in Immensee (S-Bahn/S-Bahn) und Luzern Verkehrshaus (S-Bahn/Voralpen-Express) abgehalten, in Küssnacht kreuzten sich nur noch die Voralpen-Express-Züge. Der Wille nach einem sichereren Zugang zum Gleis 3 wurde immer lauter, auch wenn in der Zwischenzeit die Signalisierung geändert wurde. Bereits 2003 wurde ein neues Bahnhofsprojekt mit Unterführung vorgestellt, jedoch wurde es bis 2008 auf die lange Bank geschoben, bis durch die Bewilligung des Baukredits durch die Küssnachter Bevölkerung die Angelegenheit wieder Fahrt aufnahm.

10 Millionen Franken Baukosten

Der etappenweise ausgeführte Um- und Neubau der Anlagen kosten 10 Millionen Franken, die SBB beteiligt sich mit 35%, der Bezirk Küssnacht mit 65%. Trotz der fehlenden gesetzlichen Grundlage im Kanton Schwyz, welche die Sanierung anderer SBB-Bahnhöfe ohne Kantons- oder Gemeindeinitiative „verhindert“, konnte so ein Deal mit der SBB geschlossen werden. Die restlichen Schwyzer Gemeinden mit SBB-Bahnhöfe – vor allem diejenigen im inneren Kantonsteil – können sich an Küssnacht ein Beispiel nehmen. Das Projekt sieht einen zweigleisigen Bahnhof mit Mittelperron vor – wobei das Gleis 1 zugleich an den Hausbahnsteig anschliesst, was für mich irgendwie ein Planungsfehler ist. Früher umfasste der Bahnhof drei Gleise, doch 1997 wurde das Gleis 1 zwar beibehalten, doch in den neuen Seitenbahnsteig des Gleis 2 eingelassen und später ganz aufgehoben. Ein dreigleisiger Bahnhof wäre ebenfalls eine gute Lösung gewesen, doch es wäre aufgrund der geologischen Gegebenheiten relativ schwierig gewesen. Der neue Mittelbahnsteig ist behindertengerecht ausgestattet, das heisst, der Zugang zur Unterführung umfasst nebst einer Treppe auch einen Aufzug, was eine Premiere im Kanton Schwyz ist.

Fertigstellung des Mittelperrons

Mit der Fertigstellung des Mittelbahnsteigs auf den 5. September hin normalisiert sich auch der Bahnverkehr wieder. Da wegen den Arbeiten nur eine provisorische eingleisige Haltestelle südlich des bestehenden Bahnhofs zur Verfügung stand, musste die Kreuzung des Voralpen-Express nach Immensee verschoben werden. Da dadurch ein Diensthalt entstand, dessen Zeit im Hinblick auf eine Ankunft in Luzern ohne Verspätung kompensiert werden musste, fuhren die Voralpen-Express-Züge seit März in Meggen Zentrum ohne Halt durch. Per 5. September kann durch die Wiederherstellung der eigenen Fahrplantrassee die Haltestelle wieder bedient werden. Zudem erhielten während der Bauphase gewisse S3-Verstärkerzüge komplett neue Fahrzeiten.

Jetzt gehts ans Eingemachte

Während der Bahnteil bis Dezember 2011 fertig sein wird, wird bis Mitte 2012 noch auf dem Bahnhofplatz gearbeitet. Dort entsteht ein neuer Bushof mit sieben Halteplätzen. In den letzten Jahren hat sich der Bahnhof Küssnacht zu einer neuen ÖV-Drehscheibe für die Kantone Schwyz, Zug und Luzern gemausert. Den Anfang bildete die Eingliederung des bisherigen SGV-Busses ins AAGS-Netz mit neuen Direktverbindungen nach Brunnen und Schwyz, seither wurde vor allem von Seiten der AAGS das Netz rund um Küssnacht laufend ausgebaut. Die Auto AG Schwyz führt nebst der erwähnten Linie über Greppen, Weggis, Vitznau, Gersau und Brunnen nach Schwyz auch weitere Buslinien zum S-Bahnhof Root D4 an der Bahnstrecke Zug-Luzern sowie Meggen im Angebot, dazu kommen die Zugerland Verkehrsbetriebe, die schon seit geraumer Zeit ihre Buslinien nach Immensee und Rotkreuz betreiben. Seit der letzten Sanierung hat sich die Zahl der Fahrgäste am Bahnhof Küssnacht mehr als verdoppelt.

Guter Betrieb

Auch wenn seit der Komplettschliessung der Strecke für die Sanierung 1997 der Gotthardbahn-Fernverkehr über Rotkreuz verläuft, ist Küssnacht doch relativ optimal ans Bahnnetz angeschlossen. Nach Luzern führen zwei Züge pro Stunde, eine S-Bahn und der Voralpen-Express. Durch letzteren bestehen stündliche Direktverbindungen in die Ostschweiz, in Städte wie Rapperswil-Jona, Herisau, St. Gallen oder Romanshorn. Die S3 wiederum führt stündlich über Arth-Goldau nach Brunnen. Letztere wird zudem per Fahrplanwechsel mit neuen DOMINO-Zügen ausgestattet.

Links

War dieser Beitrag hilfreich? Dann unterstützen Sie doch Cabo Ruivo mit einer kleinen Spende oder einem Facebook-Like!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.