230 Millionen Franken für Doppelspur am Zugersee

Die SBB hat heute mitgeteilt, dass im Raum Walchwil-Zug Oberwil ab 2016 eine Doppelspur für rund 230 Millionen Franken zur Kapazitätserhöhung entstehen soll. Während zwei Jahren soll die Strecke Arth-Goldau-Zug Oberwil komplett gesperrt werden, Ersatzbusse werden zirkulieren, der Fernverkehr wird via Rotkreuz verlaufen, wo ebenfalls Investitionen vorgesehen sind.


Fernverkehr-Halbstundentakt Zürich-Lugano

ICN Brunnen

Soll auf den Halbstundentakt erweitert werden: Der Fernverkehr Zürich-Lugano (Bild: ICN nach Lugano auf der Gotthardbahn in Brunnen)

Vor zwei Wochen habe ich in diesem Blog über die Missstände auf der rechten Zugerseestrecke berichtet, weil der S-Bahn-Verkehr wegen Verspätungen im Fernverkehr oftmals zu kurz kommt und Anschlüsse in Zug in Richtung Zürich zu platzen drohen. In diesem Artikel habe ich zahlreiche mögliche Varianten zur Verbesserung des Regionalverkehrs aufgelistet, darunter auch ein Ausbau auf Doppelspur, wie jetzt angekündigt. Doch wer denkt, dieser Ausbau kommt dem Regionalverkehr zu Gute, wird bitter enttäuscht. Die SBB hat im Hinblick auf den Gotthard-Basistunnel das Ziel, einen Fernverkehrshalbstundentakt zwischen Zürich und Lugano einzuführen. Dies geht jedoch nur mit Kapazitätserweiterungen, insbesondere auf der rechten Zugerseestrecke und zwischen Thalwil und Baar – doch dies ist eine andere Geschichte. Da der Regionalverkehr gekürzt werden müsste, hat sich die SBB nach Absprache mit dem Bundesamt für Verkehr BAV und den Kantonen für den Ausbau der Strecke entschieden, doch der S-Bahn-Verkehr an sich wird nicht verbessert. Wer also auf einen S2-Halbstundentakt über Walchwil hinaus gehofft hat, muss weiter vertröstet werden. Jedoch kann der im Dezember 2010 errichtete S-Bahn-Haltepunkt Walchwil Hörndli dann halbstündlich bedient werden, bisher halten nur die S2-Zugläufe Baar Lindenpark-Walchwil, diejenigen der Relation Baar Lindenpark-Erstfeld passieren die Station ohne Halt.

Zwei Jahre komplett gesperrt

Um einen möglichst reibungslosen Bauablauf aufweisen zu können, wird die SBB den Abschnitt Arth-Goldau-Zug Oberwil zwei Jahre lang komplett sperren. Die Reisenden werden mit Ersatzbussen befördert. Der Fernverkehr wird ab Arth-Goldau über Rotkreuz und durchs Freiamt und den Heitersberg-Tunnel nach Zürich geführt. Die Strecken durchs Freiamt und durch den Heitersberg – Teil der Zürich-Bern/Basel-Magistrale – sind für Geschwindigkeiten mit bis zu 140 km/h ausgebaut, so dass keine grosse Verlängerung der Reisezeit zu erwarten ist. Wäre der Ausbau unter laufendem Betrieb vonstatten gegangen, wäre er einerseits bis zu 40 Millionen Franken teurer geworden, andererseits hätte sich die Bauzeit auf sechs Jahre verlängert. Auf den ersten Blick tönt die totale Streckensperrung brutal, ist jedoch im weiteren Vergleich das kleinere Übel. Die Kosten der Zugerseeerweiterung werden sich auf rund 230 Millionen Franken belaufen, sie werden vollständig von Bund und SBB gedeckt. Der Kanton Zug begrüsst den Ausbau, die Auswirkungen während dem Bau seien vertretbar.

Wegen der Umleitung über die Westseite des Zugersees müssen im Bahnhof Rotkreuz ebenfalls kapazitätserweiternde Massnahmen vorgenommen werden. Ab 2014 wird ein zweites Gleis in Ausfahrtrichtung Zug errichtet, damit im Bahnhof Rotkreuz mehr Platz für Zugsbewegungen entstehen können. Zudem profitiert auch die Linie Rotkreuz-Cham-Zug vom Ausbau, die S-Bahn-Haltestelle Hünenberg Chämleten kann dann in Zukunft viertelstündlich bedient werden. Rotkreuz wird während der zweijährigen Sperrung den Halt der Gotthard-Fernverkehrszüge für den Bahnhof Zug übernehmen, die Verbindung wird mit der S1 sichergestellt.

Der genaue Ausbauplan

Vorgesehen ist eine 1,7 Kilometer lange Doppelspurinsel im Raum Walchwil/Walchwil Hörndli. Bisher weist die Zugerseestrecke lediglich Ausweichstellen in Walchwil und Zug Oberwil auf, wobei letztere erst auf den Fahrplanwechsel 2010 vollendet wurde und deshalb nicht von der Sperre betroffen ist. Zudem existiert auf Gebiet der Gemeinde Arth eine nördliche Verlängerung der Doppelspur aus dem Bahnhof, sie endet im Gebiet Heuledi in Oberarth, kurz vor der Einfahrt in einen Tunnel am Rossberg. Der vollständige Doppelspurausbau der Strecke würde sich als schwierig bis gar unmöglich erweisen: In der Stadt Zug ist die Bebauung zu dicht, die Strecke quert das Stadtzentrum auf diversen Dämmen und Brücken. Zwischen Walchwil und Arth-Goldau stehen einem Totalausbau geologische Schwierigkeiten im Weg, für die optimale Kapazitätserweiterung wäre der Bau von Tunnels notwendig, wie das beispielsweise auf der Gotthardstrecke am Urnersee zwischen Brunnen und Flüelen der Fall ist. Jedoch wären die Kosten im Verhältnis zum Nutzen viel zu hoch.

100 Millionen Franken sind für den Doppelspurausbau budgetiert, weitere 100 Millionen für die Unterhaltsarbeiten an Bahntechnik und Kunstbauten, die restlichen 30 Millionen entfallen auf die Bauten im Raum Rotkreuz. Die Ausbauten sind Teil des ZEB-Projekts (Zentrale Entwicklung der Bahninfrastruktur) des Bundes.

In Walchwil wird in absehbarer Zeit eine öffentliche Informationsveranstaltung durchgeführt.

Was an den Plänen unglücklich ist

Jedoch sind einige Punkte der Planungen auch unglücklich, so gut und notwendig das Projekt auch ist. Im Zuge des Baus der Haltestelle Walchwil Hörndli wurden erst im Jahre 2010 auf Walchwiler Gemeindegebiet Unterführungen und Brücken erneuert, die wegen dem Ausbau abermals restauriert oder gar wieder aufgebaut werden. Zudem wurden im St. Adrian auf der Grenze Arth/Walchwil während diversen Nächten in den letzten Jahren die Viadukte saniert, dies hätte jedoch problemlos während der zweijährigen Schliessung erfolgen können. Eher komisch ist, dass vom Kanton Zug her die 1. Teilergänzung der Stadtbahn Zug in den Jahren 2009 und 2010 forciert wurde, es wurde mit Walchwil Hörndli im Dezember 2010 eine Haltestelle eröffnet, die nur nach einem sechsjährigen Bestehen bereits wieder für zwei Jahre temporär stillgelegt würde. Zudem wurde 2004 der Bahnhof Walchwil samt Perronanlage grundlegend saniert, zudem erhielt die Gemeinde erst letzten Dezember halbstündliche Zugsverbindungen.

Zudem ist der Baubeginn just zu dem Zeitpunkt der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels. Das hat zur Folge, dass die Fahrzeitreduktion durch den Basistunnel von Zürich her erst 20 Minuten betragen wird, während die Reisenden von Luzern oder Basel her mindestens 40 Minuten früher im Tessin sind. Nach der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels, auf die der Ausbau am Zugersee auch ausgerichtet ist, im Jahre 2019 wird dann die Fahrtzeit ins Tessin um etwa eine Stunde kürzer dauern als heute.

Alles ist noch längst nicht getan

Auch wenn der Ausbau in Walchwil ein grosser Schritt ist, gibt es trotzdem noch Verbesserungspotential. Beispielsweise soll eine Verbindungsspange Immensee-Cham erstellt werden, um die Zugerseestrecke weiter zu entlasten. Denn der geplante Ausbau ist nur auf den Zeithorizont 2019 gelegt, weitere Kapazitätserhöhungen in der fernen Zukunft sind dadurch nicht möglich. Damit jedoch Zug nicht vom Fernverkehr abgeschnitten würde, soll eine mindestens einspurige Verbindungslinie zwischen Immensee und Cham erstellt werden. Diese soll so schnell wie möglich realisiert werden. Im Bahnhof Arth-Goldau wäre auf der Luxram-Seite noch Platz für weitere Perrons möglich, sollten die Personenzüge nach Zug vermehrt über diese Spange verkehren können. In Zug wäre in Form des heute fahrplanmässig nur spärlich benutzten Gleis 6 bereits Kapazität für den Personenverkehr vorhanden, zudem könnte der bisherige Seitenbahnsteig mit Kante Gleis 7 mit einem weiteren Gleis (Gleis 8) versehen und zu einem Mittelbahnsteig umgebaut werden. Probleme für diesen Ausbau wären wohl kaum in Form von Anwohnern vorhanden, denn beim Gleis 7 folgt zunächst die Albisstrasse mit Bushaltestelle und Parkplatz, ehe Wohn- und Dienstleistungsbauten folgen.

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