Neue Besen kehren gut… aber nicht unbedingt besser

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Ich bin mal auf die Idee gekommen, die Entwicklung gewisser Schweizer Institutionen unter die Lupe zu nehmen. Was käme da besser gelegen als das Schweizer Fernsehen, welches vor knapp sechs Jahren im Designbereich einen absoluten Umbruch eingeleitet hat, der nicht immer gut ankam?

Radikale Umstellung des Designs

Am 6. Dezember 2005 war es soweit. Die bisherigen Logos verschwanden und wurden durch neue ersetzt, was zu viel Gesprächsstoff führte, insbesondere der neue Schriftzug „SF zwei“ des zweiten Sendekanals; diese Schreibform – Buchstaben statt Zahl – wurde wenig später auch vom ORF für seinen Sender ORF eins verwendet.

Zudem verschwand das DRS aus den Senderlogos, die Institution nannte sich von da an nur noch SF. Nach der Zusammenlegung der deutschsprachigen Aktivitäten von Radio und Fernsehen innerhalb der SRG sind die SF-Logos bei den Kanälen und Sendungen noch präsent, im Abspann der Programme ist jedoch das SRF-Logo der neu fusionierten Anstalt zu sehen.. Auch die Dekors der Aushängeschilder wurden ausgetauscht. Schweiz Aktuell, Tagesschau, Meteo, Rundschau und die Sportsendungen erhielten neue Konzepte, auch was die Moderationen anbelangte. Seit 2007 wiederum sendet das SF ausschliesslich im 16:9-Breitbildformat. Zeit genug, um zurückzublicken. Nicht untergehen darf dabei auch der witzige Umstand, dass das Fernsehen bei den Werbeblöcken denselben Jingle verwendet habe wie die Swisscom, ohne das zu bemerken: Sie liessen die Töne von einer Londoner Werbeagentur anfertigen…

SF Tagesschau: Der Verzicht auf den Kult-Opener

Na, die Tagesschau hat damals eine zwielichte Entwicklung durchgemacht. In den Studios und Moderationsarten sind Verbesserungen zu spüren, doch das SF hat trotzdem ein absoluter Tabubruch begangen: Sie leisteten es sich, das Kultintro mit der eingängigen Melodie, die sich zudem noch hervorragend als Handy-Klingelton eignet, durch eine fade Farbenklötzchen-Tanzgruppe zu ersetzen, die zwar vielleicht besser zum neuen Dekor passt, aber stattdessen den Zuschauer mit Hektik erfüllt. Der neue Jingle ist eine typische Synthesizer-Komposition. Immerhin konnte der Opener auf YouTube gerettet werden, und die Kommentare sind eindeutig. Sogar von deutschen Benutzern wurde der Einspieler als „cool“ gelobt, und insbesondere für meine Generation kommen Erinnerungen hoch, denn irgendwie sind wir alle mit diesem Tagesschau-Signet aufgewachsen. Und da wird plötzlich alles über den Haufen geworfen…

Anbei das eingebettete YouTube-Video des Tagesschau-Openers, der von 1992 bis 2005 im Einsatz war:

Heute sind die Schlagzeilen in den Einspieler integriert, und werden wie früher, nicht mehr vom Sprecher der Sendung, sondern von einer fest für diesen Überblick angestellten Person gelesen.

(Sendung vom 4. Mai 2007 aus SFinfo)

Dasselbe gilt übrigens auch für Meteo und 10 vor 10, wo Kultmelodien – zumindest im Falle von Meteo – durch Säuselgepfeife ersetzt wurde. Was bei Meteo nebst der Änderung der Sprache von Schriftdeutsch auf schweizerdeutsche Mundart noch dazukommt, ist, dass für Bucheli & Co. die Wetterstation auf dem Dach des Leutschenbach-Hochhauses erneuert wurde; die roten Halbkugeln, die durch Viktor Giacobbo im Rahmen der Jubiläumssendung von SF DRS 2003 eine zweideutige Nebenbedeutung erlangt haben, sind verschwunden, genauso wie die Touchscreen-Funktion, die manchmal für bizarre gelbe Zeichnungen auf den TV-Bildschirm gesorgt haben. Der bis zum Wechsel 2005 bestehende Opener hatte keine lange Lebenszeit, er wurde erst 2000 zum Leben erweckt, als im Rahmen von Franz Fischlins damals existierender Nachrichtensendung mittagsmagazin die Wetterstation auf dem Dach in Betrieb genommen wurde. Zuvor lief zur selben Musik eine Videocollage von diversen Wetterarten, aber auch Schmetterlingen.

Im Vergleich dazu das neue Signet:

Ebenfalls geändert wurden die Einspieler bei den Werbeblöcken: Bei SF zwei kommen meistens entweder Roger Federer oder Baschi, während sich bei SF1 kleine rote Klötzchen zu einer grossen 1 inmitten einer Schweizer Landschaft zusammensetzen, oder umgekehrt. Nebst der Biaschina-Brücke der A2 in der Leventina kommt unter anderem der Bundesplatz in Bern zum Zug. Interessant für die Zentralschweiz ist, dass das Schwyzer Dorf Brunnen am Vierwaldstätter See während der vorherigen Generation dieser Station Idents zum Zug kam. Geschaffen wurde einer dieser Filmchen aus Filmaufnahmen im Zuge eines Feuerwerks, das im Rahmen des Volksfestes anlässlich der 700-Jahr-Feier der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 2. bis 4. August 1991 in Brunnen stattfand:

Doch nicht alles ist schlecht…

Auch wenn es bisher den Anschein macht, dass ich alles – und dies sechs Jahre zu spät – kritisiere, möchte ich doch darauf hinweisen, dass nicht alles schlecht ist. Die Studios machen einen viel sicheren und professionellen Eindruck, da nun auch das Moderationspult in die Sendung eingebaut wurde. Die Sportsendungen wiederum treten viel dynamischer und stilsicherer als zuvor auf. Noch ein bisschen mehr Witz, wie das von Urs Gredig in der Tagesschau bereits paar Mal praktiziert wurde, würde dem SF in gewissen Sendungen noch gut tun.
Das neue Senderemblem ist vielleicht weniger farbenfroh als sein Vorgänger, doch sicherlich viel anschaulicher als der „Schliessmuskel“, der bis 1997 den Zuschauerinnen und Zuschauern klarmachte, dass sie sich auf dem Kanal des damals noch Fernsehen DRS genannten Programms befanden.

Zum Abschluss noch was Lustiges

Da ich mich für diesen Beitrag durch YouTube gepflügt habe, sind mir auch einige witzige Versprecher und Missgeschicke aus den Sendungen in die Augen getreten, die ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchte.

Zuoberst an der Spitze steht natürlich Stefan Klapproths Vorschau auf einen Papstbesuch, vermutlich in der Schweiz 2004, die einen Sprachfehler beinhaltet, der in den letzten Jahren eine neue Bedeutung erhalten hat:

An zweiter Stelle kommt Sandra Boners blablabla bei Meteo

Zum Schluss kommt noch was aus dem Bundeshaus, es wurde ja schliesslich durch die Tagesschau bekannt…

Na da hatte Hans-Rudolf Merz doch einen schönen letzten Arbeitstag…

Die Filmaufnahmen sind Eigentum des Schweizer Fernsehen SF und wurden von YouTube in den Artikel eingebettet…