Zugunglück im Kanton Aargau – mehrere Verletzte

Heute Mittag ist in Döttingen/AG auf der Bahnstrecke Baden-Koblenz eine S-Bahn mit einer Lokomotive kollidiert. Dabei sind mindestens acht Personen verletzt worden, die Bahnstrecke bleibt bis Betriebsschluss gesperrt.

Acht Verletzte und ein entgleister Steuerwagen

RBDe 560 im Bahnhof Brunnen

Ein solcher RBDe 560 war in den Unfall in Döttingen verwickelt (Symbolbild)


Der Unfall ereignete sich um 12:10 Uhr, als der Triebzug des Typs RBDe 560 als S27 der S-Bahn Aargau auf dem Weg von Baden nach Waldshut/D beim Bahnhof Döttingen/AG mit der ohne Wagen verkehrenden Re 6/6 11666 „Stein am Rhein“ der SBB Cargo seitlich zusammenstiess. Sowohl die Lokomotive, als auch der Steuerwagen des Triebzugs, der auch aus den Schienen sprang, wurden schwer beschädigt. Im Regionalzug befanden sich rund 50 Personen. Eine Person wurde mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht, sieben weitere erlitten leichte Blessuren. Die mittelschwer verletzte Person wurde per REGA wegen Verdacht auf Rückenverletzungen ins Spital geflogen. Berichten zufolge blieben sowohl der Lokomotivführer der Re 6/6 als auch der Triebfahrzeugführer des RBDe 560 unverletzt.

Der Unfall ereignete sich bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof, wo sich die beiden Verkehrsgleise der Station zum einspurigen Streckengleis vereinigen. Die beiden Fahrzeuge verkehrten frontal aufeinander zu, da die Lokomotive von Bülach/ZH nach Siggenthal-Würenlingen/AG unterwegs war, die S-Bahn jedoch in Gegenrichtung nach Koblenz und weiter nach Waldshut. Die Ursache ist laut der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) menschliches Versagen. De Triebfahrzeugführer der S-Bahn hat ein Gruppenausfahrtssignal überfahren, deswegen hat auch die automatische Bremsfunktion nicht eingesetzt. Das Gruppenausfahrtssignal ist vor allem an Nebenstrecken anzutreffen, da es kostengünstiger ist als die Montage von Ausfahrtssignalen auf jedem Gleis. Das Signal ist für alle Gleise zuständig, deswegen braucht der Lokomotivführer Kenntnisse, auf welchem Schienenstrang er sich gerade befindet.

Strecke war bis Dienstagmorgen unterbrochen

Im Einsatz standen nebst einem Helikopter der REGA auch sieben Ambulanzfahrzeuge aus der Schweiz und der nahen deutschen Grenzregion. Die betroffene Strecke war zwischen Koblenz und Siggenthal-Würenlingen bis Dienstagmorgen unterbrochen, Reisende wurden mit Ersatzbussen befördert. Nebst dem Personenverkehr sind auch diverse Anschlussgleise betroffen, so zum Beispiel zum Zwischenlager Würenlingen, zum Holcim-Werk Siggenthal und zum Atomkraftwerk Beznau. Nach Fahrplan konnten die Züge erst am Dienstagmorgen verkehren, auch wenn am Montag noch von einem Ende der Sperre zu Betriebsschluss die Rede war. Da eine Achse des entgleisten Steuerwagens gebrochen ist, musste er per Kran von den Schienen gehievt werden und wird erst später abtransportiert.

Drittes Unglück innert kürzester Zeit

Der Unfall im Aargau ist der dritte Unfall auf dem Schweizer Eisenbahnnetz innert kürzester Zeit. Am 5. August kam ein Gleisarbeiter zwischen Immensee/SZ und Arth/SZ ums Leben, gestern entgleiste wegen eines Steinschlags ein TMR-Regionalzug bei Finhaut/VS, die Strecke ist bis heute Mitternacht unterbrochen. Im Wallis wurde keiner der zehn Reisenden verletzt.

Zweiter Unfall mit einer Re 6/6

Der Unfall in Döttingen ist erst der zweite bekannte Unfall einer Re 6/6. Am 16. Februar 1990 kollidierte die Re 6/6 11638, die dem Eurocity Mailand-Paris vorgespannt war, in Saxon/VS mit einem stehenden Bauzug. Dabei verloren drei Menschen ihr Leben, zwölf weitere wurden verletzt. Die Lokomotive erlitt so starke Schäden, dass sie verschrottet werden musste. Der Einfachheit halber erhielt sie bei der Umnummerierung 2005 doch eine UIC-konforme Nummer: 620 038.

Links

Schweiz aktuell vom 08.08.2011
Schweiz aktuell vom 8. August 2011 über den Unfall von Döttingen

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